02. Dezember 2000

Kurdisches Satellitenfernsehen

Ein historischer Schritt in Richtung kurdischer Souveränität

Christina Eberle

Was im wirklichen Leben nicht gelingen konnte, sollte zumindest in der alle Staatsgrenzen ignorierenden Welt des Satellitenfernsehens wahr werden: die Bildung einer kurdischen Nation. Der Satelliten-Fernsehsender MED-TV sendete ein komplettes Programm in kurdischer Sprache und erreichte damit ein potenzielles Publikum von insgesamt rund 30 Millionen Kurden in Europa, im mittleren Osten und in Nordafrika. Der Sender wurde in London stationiert, da in der Türkei und in Syrien den Kurden das Recht zur Kommunikation in ihrer Sprache entzogen wurde. Selbst das Verfolgen von kurdischen Radio- oder Fernsehsendungen aus anderen Ländern ist gesetzlich verboten.

In der Vergangenheit benützten oppositionelle Gruppen jeweils das Radio als Medium zur Verbreitung ihrer Ansichten. Mit MED-TV erhielt erstmals in der Geschichte des Satelliten-Fernsehens eine staatenlose Gemeinschaft Zugang zu einem transnationalen Fernsehprogramm. Bis anhin waren die Akteure im Geschäft des Satelliten-Fernsehens jeweils anerkannte Nationalstaaten oder private unabhängige Marktanbieter gewesen.Das Auftauchen von MED-TV stiess deshalb bei den Medien auf grosses Interesse und löste auf höchster politischer Ebene diplomatische Debatten aus. Als historischen Schritt im Kampf gegen die politische Zensur gefeiert, musste MED-TV vom ersten Tag an gegen den starken politischen Druck des aufgebrachten türkischen Staates kämpfen. Schliesslich wurde dem Sender am 23. April 1999 die Sendelizenz entzogen.


Ziel und Zweck

Das Ziel von MED-TV war es, den Kurden in aller Welt ihre eigene Kultur nahe zu bringen. Durch die Übertragungen von kurdischer Musik und Sendungen auf Kurdisch, sollte die Entwicklung der kulturellen Identität des kurdischen Volkes und der kurdischen Sprache gefördert werden. Die Aufrechterhaltung der grossen Vielfalt der kurdischen Kultur vor allem auch bei den jüngeren Generationen bezeichnete MED-TV als sein Langzeitziel. MED-TV sollte die Kurden auf der Welt informieren und bilden und dadurch einen Beitrag im Kampf gegen die Armut und das Leiden des kurdischen Volkes leisten. Die Übertragungen sollten den politischen Standpunkt der Kurden vertreten sowie über Menschenrechtsverstösse gegenüber Kurden berichten. Die kulturellen Zielsetzungen jedoch waren politischen Informationen prioritär.

 

Der Name "MED-TV"

Die Kurden glauben, ihre Abstammung bis zu einer der ältesten Zivilisationen zurückverfolgen zu können: den Medern. Die Meder stehen in Bezug zu den indo-europäischen Zivilisationen, welche das obere Mesopotamien vor rund 4'000 Jahren bevölkerten. Mesopotamien ist eine Landschaft in Vorderasien zwischen den Flüssen Tigris und Euphrat bei der heutigen Stadt Bagdad (Irak). Der Name MED-TV erklärt sich demnach als Abstammungs-Abkürzung in Anlehnung an das antike Volk der Meder.

 

Organisationsstruktur und Finanzierung

Der Sender MED-TV wurde von direkten Spenden von Privaten sowie von verschiedenen kurdischen Organisationen wie "Kurdish Foundation Trust", "Kurdish Language Foundation Trust" oder "Kurdish Media Trust" finanziell unterstützt. Ausserdem finanzierte sich der Fernsehsender durch Werbung und Merchandising. Gesendet wurde aus London, während die Sendungen selbst hauptsächlich in Brüssel sowie in anderen europäischen Städten produziert wurden. So stellten Studios in Berlin und in Stockholm hauptsächlich die Kinderprogramme her. Für Synchronisationsarbeit sowie Untertitelung von Sendungen war hauptsächlich das Studio in Moskau spezialisiert.

 

Programmstruktur

MED-TV sendete in allen grossen kurdischen Dialekten: Kirmanji, Sorani, Zazaki und Lory. Aber teilweise wurde auch in arabischer oder assyrischer Sprache gesendet sowie gelegentlich in Türkisch, um dem grossen Markt der türkisch sprechenden Zuschauer gerecht zu werden. Eine weitere Eigenheit von MED-TV war das religiöse Programm. Es wurden Sendungen für die Mehrheit der muslimischen Sunnis sowie für die Minderheiten der muslimischen Alevis, Yezidis und Christen gezeigt. An den jeweiligen religiösen Festtagen der verschiedenen Gruppen wurde ihnen das gesamte Tagesprogramm gewidmet.

Das Programm von MED-TV war eine vielfältige Mischung aus kulturellen, didaktischen und unterhaltenden Sendegefässen sowie aus Nachrichtenblöcken mit lokalen und internationalen Informationen. Es wurden Dokumentarfilme und Spielfilme aus aller Welt gezeigt, es gab Diskussionen und Debatten über aktuelle Themen, historische, sprachliche, künstlerische und musikalische Sendungen sowie Schulfernsehen und Unterhaltungsserien für Jugendliche. Zudem ermöglichten verschiedene Programme die aktive Mitgestaltung von Zuschauern, indem sich diese per Telefon in die Sendungen einschalten konnten.

Bis zu 95% der Programme wurden von internen Journalisten von MED-TV produziert. Die restlichen Sendungen wurden von europäischen TV-Anbietern, hauptsächlich von der BBC, übernommen und synchronisiert. Zusätzlich arbeiteten aktive Reportercrews in den kurdischen Gebieten, um aktuellste Informationen liefern zu können; weitere Quellen von MED-TV waren internationale Nachrichtenagenturen und andere unabhängige Stellen.

 

Gründung und Aufbau

Nach Angaben der Gründer von MED-TV entstand das Projekt als Antwort auf das wachsende Bedürfnis der in Europa lebenden Kurden, eine eigene Fernsehstation zu haben. Die ersten Aufbauarbeiten der TV-Station begannen im Mai des Jahres 1994. Kurze Zeit später im Herbst desselben Jahres wurde die Firma "Med Broadcasting Ltd." in England gegründet. Die nötige Lizenzierung erfolgte für eine Dauer von zehn Jahren durch die ITC (Independent Television Commission) in London. Voraussetzung für die Erteilung der Lizenz war einerseits die Einhaltung der Statuten der ITC in Bezug auf Inhalt, Werbung und Sponsoring, und andererseits die Verpflichtung einer unparteiischen und politisch objektiven journalistischen Arbeit. Am 30. März 1995 folgten die ersten Testausstrahlungen von drei Stunden pro Tag. Bereits Mitte Mai war die Testphase abgeschlossen und es wurde regulär während der Prime Time in Kurdistan gesendet (von 16 bis 19 Uhr GMT). Am 1. Oktober desselben Jahres verdoppelte sich die Ausstrahlungszeit von 16 bis 22 Uhr GMT. Es wurden Pläne für ein 24-Stunden-Programm geschmiedet. Bis Mitte August 1995 wurden für das Projekt bereits 3,2 Millionen Dollar aufgewendet.

 

Türkische Repressionen

Die kurdischen Printmedien, die seit 1960 illegal in der Türkei publiziert werden, sind einfache Zielscheiben für Repressionen der türkischen Regierung: Bücher und Zeitschriften werden konfisziert, Autoren, Leser, Verleger, Drucker und Verteiler gefangen genommen und ermordet und Redaktionen in Brand gesetzt. Da zunächst jedoch keine Satellitensignale sabotiert werden konnten, war die türkische Regierung in ihrem Kampf gegen MED-TV eingeschränkt. Sie erklärte MED-TV als ihren Staatsfeind, noch bevor die Sendungen im Mai 1995 über den Äther gingen. Verschiedene türkische Regierungsmitglieder bezeichneten den Fernsehsender als Organ der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Da die PKK als terroristische und separatistische Organisation angesehen wird, wollte die türkische Regierung Grossbritannien auf politischer Ebene überzeugen, MED-TV die Sendelizenz zu entziehen und den Sender zu schliessen. Des Weiteren richtete sich die Gewalt gegen die in der Türkei wohnhaften kurdischen Zuschauer von MED-TV. Schliesslich kam es zu einer gezielten Störung eines Sendesignals durch Sabotage.

 

Diplomatie

Die Diplomatie erweitert die Ausübung von staatlicher Macht über die eigenen Staatsgrenzen eines Landes hinaus auf ein internationales Territorium. Regierungsunabhängige Organisationen wie beispielsweise MED-TV haben bei Verhandlungen zwischen zwei souveränen Staaten, die durch ökonomische, militärische oder politische Faktoren miteinander vernetzt sind, keinerlei Mitsprache- oder Intervenierungsmöglichkeiten. Der diplomatische Druck der türkischen Regierung konzentrierte sich vor allem auf London, da es die britische Independent Television Commission (ITC) war, die der Med Broadcasting Ltd. eine Sendelizenz über zehn Jahre erteilt hatte. Mit dem Ziel, die ITC dazu zu bringen, MED-TV die Lizenz zu widerrufen, hatte die türkische Radio- und TV-Kommission in Europa eine Meinungspolemik entfacht, wonach MED-TV mit seinem Programm gegen europäische TV-Konventionen und Menschenrechte verstossen würde. Dem Sender wurde vorgeworfen, zu Rassenhass und Gewalttaten aufzurufen. Zusätzlich wollte man die ITC davon überzeugen, dass MED-TV nicht die vorgegebenen Kommissions-Regeln einhalten würde. Beispielsweise sollte MED-TV Sendungen übertragen haben, die in der Lizenz nicht eigens spezifiziert worden waren. Durch den anhaltenden Druck aus der Türkei sah sich die ITC gezwungen, die Übertragungen des Senders genauestens zu überwachen. Ausserdem erhielten Mitarbeiter von MED-TV Drohbriefe, die Bankkonten wurden geschlossen und drei Rechtsanwälte, die für MED-TV gearbeitet hatten, traten zurück. Es wurden auch türkische Kampagnen lanciert, die die ITC mit Briefen überhäuften, in denen die Schliessung von MED-TV verlangt wurde, da es sich hierbei um einen Terroristen-Sender handeln würde.

 

Staats-Terrorismus

Auf die Desinformationskampagne folgte eine Hetzjagd auf die kurdischen Zuschauer von MED-TV in der Türkei. Die türkische Regierung betrieb regelrechten Staats-Terrorismus. Sie setzte Waffengewalt gegen Zivilisten ein. Die Gewalttaten waren nicht auf Inhaftierungen, Folter oder Tötung von Kurden beschränkt, sondern richteten sich auch gegen Sprache, Kultur, Ideologie, Eigentum und Medien der Kurden. Die türkische Presse informierte gezielt über die Zerstörung von Satellitenschüsseln und über die Verhaftungen von vermutlichen Zuschauern von MED-TV. Die pro-kurdische Tageszeitung Yeni Politika stellte fest, dass einerseits Artikel über Menschenrechtsverstösse in der Türkei regelmässig zensuriert würden, aber andererseits die Publikationen über Konfiszierungen von Satellitenschüsseln und Bedrohungen der Zuschauer erlaubt seien - eine weitere Massnahme, um die Kurden einzuschüchtern. Trotz aller Unterdrückungsversuchen wurden enorm viele Satellitenschüsseln verkauft und hauptsächlich nachts installiert.

 

Sabotage

Die Türkei hatte es im Kampf gegen MED-TV erstmals geschafft, eine Satellitenübertragung zu sabotieren: Im Dezember 1995 wurde während einer öffentlichen Ansage Abdullah Öcalans, des Führers der kurdischen Arbeiterpartei PKK, die Übertragung des Programms für ungefähr zwanzig Minuten gestört. Es war unmöglich, die Ursache oder die Quelle der Störung zu ermitteln. Die Zeitung Ozgurluk berichtete am 21. Oktober 1998, dass die Türkei den Sabotageakt zugegeben habe:

"The official admitted that it was not possible to totally prevent MED-TV broadcasts on account of international broadcasting conventions and satellite communications agreements. He said: "Turkey has the capability to entirely prevent these transmissions, but if we used this capability we would face strong dissent. Satellite wars would begin and Turksat satellites would be jammed in the same way." The official added that for this reason, rather than jamming all MED-TV broadcasts, they preferred to sabotage transmissions that threatened the interests of the state, particularly statements by the PKK President."

Anschliessend fanden immer wieder Sabotageakte der türkischen Regierung gegen MED-TV statt.

 

Schliessung

Schliesslich wurde MED-TV am 23. April 1999 die Sendelizenz entzogen. Schon seit dem 9. April hatte MED-TV in schriftlichen Darstellungen und in Sitzungen den Kommissionären der ITC einen neu strukturierten und detaillierten Programm- und Nachrichtenaufbau dargelegt, welcher den Richtlinien der ITC entsprechen sollte. Trotzdem wurde dem Sender die Lizenz entzogen. Für die Führung von MED-TV war dies eine "drakonische Sanktion". Sie gingen davon aus, dass die Entscheidung politisch motiviert war.

"MED-TV fears the decision is inspired by the UK government's relationship with Turkey, its NATO ally, particularly at the present time. Already the Turkish Prime Minister is taking credit for the decision. Only the Turkish state will rejoice at this decision which is contrary to Article 19 of the Universal Declaration of Human Rights guaranteeing freedom of expression".

Der Zeitpunkt der Schliessung, nämlich unmittelbar vor dem Prozess des PKK-Führers Abdullah Öcalan, schien eine zusätzliche Provokation zu sein. Verschiedene europäische Politiker, unter anderem auch in Deutschland, forderten die Regierung Grossbritanniens auf, die Entscheidung zur Schliessung rückgängig zu machen.

 

Medya-TV

Knapp drei Monate nach der Schliessung von MED-TV strahlte der kurdische Sender Medya TV erstmals Testsendungen aus. Bereits am 31. Juli 1999 nahm der neue Satellitensender Medya TV ein tägliches 12-stündiges Programm auf. Medya TV wird als Nachfolgesender von MED-TV angesehen. Auch er soll in seiner Berichterstattung von der PKK beeinflusst sein. Deshalb muss auch Medya TV Repressionen der türkischen Regierung fürchten. Der Hauptsitz von Medya TV ist in Paris, der kulturellen Hauptstadt Europas. Der neue Sender wird nicht durch die britische Independent Television Commission (ITC) kontrolliert, welche die Schließung des Senders MED-TV veranlasst hatte. Die Zielsetzungen von Medya TV dürften ähnlich wie diejenigen von MED-TV formuliert sein. Programmschwerpunkte scheinen erzieherische Sendungen und Kindersendungen zu sein. Die Erhaltung der kurdischen Sprache ist dabei womöglich ein zentrales Anliegen des Senders.

 

Weitere kurdische Satelliten-Fernsehstationen

Noch vor eineinhalb Jahren, bevor Medya TV auf Sendung ging, war MED TV der einzige kurdische Fernsehsender. In letzter Zeit haben jedoch die grösseren Parteien in Kurdistan erhebliche Mengen an Energie und Geld investiert, um den Anschluss an das Medienzeitalter nicht zu verpassen.

Pünktlich zum Jahrtausendwechsel ging am 1. Januar mit KurdSat ein weiterer kurdischer Satellitenkanal auf Sendung. Betreiberin ist die Patriotische Union Kurdistans (PUK), die sich damit als zweite irakisch-kurdische Regierungspartei einen Platz im "global village" sicherte.

Die Demokratische Partei Kurdistans (KDP) hatte den Sprung schon ein Jahr zuvor geschafft. Ihr Sender heisst Kurdistan TV und sendet aus irakisch Kurdistan. Kurdistan TV unterliegt der Kontrolle der KDP. Hinter vorgehaltener Hand wird berichtet, dass der Sender von der türkischen Regierung unterstützt wird, um die PKK-Propaganda von Medya-TV zu brechen. So berichtete die Washington Post am 4. Februar 1999, dass die Kurdistan-TV-Studios von türkischen Technikern erstellt worden seien.

Ein vierter Sender ist der iranische Kanal Sahar. Seine Berichterstattung ist erstaunlich ausgewogen, jedenfalls solange es um die iranischen Kurden und Kurdinnen geht.

Der fünfte Sender befand sich im März dieses Jahres in der Testphase und wurde am 17. Juni 2000 feierlich in Dänemark eröffnet. Es handelt sich um Mesopotamia TV (metv). An der Eröffnungsfeier zugegen waren Lord und Lady Dholakia des britischen House of Lords sowie der frühere dänische Premierminister Anker Jorgensen, welcher die Ehrenpräsidentschaft von Mesopotamia TV annahm.

 

Bedeutung der Satellitensender zur Bildung einer kurdischen Öffentlichkeit

Für viele Kurden war die Lancierung von MED-TV als unabhängigen Kanal im Äther ein erster historischer Schritt in Richtung kurdischer Souveränität auf Erden. Aufgrund der Verteilung der Kurden auf verschiedene Staaten war es für kurdische Medien bis anhin nicht möglich gewesen, ein nationales Publikum zu erreichen. Erschwerend kam hinzu, dass die Kurden unterschiedliche Dialekte sprechen wie Kurmanji, Sorani, Lory oder Zazaki. Zudem kennen sie unterschiedliche Alphabete und schreiben in arabischer, römischer oder kyrillischer Schrift. Aber Satellitensender machen an Staatsgrenzen nicht mehr Halt, und nationale Sprachverbote haben ihr Haltbarkeitsdatum erreicht. Fast alle Sender bieten in ihrem Programm Kurdisch-Unterricht an.

 

"Fernseh-Hunger" einer Nation

MED-TV räumte erstmals dem staatenlosen Volk die Möglichkeit einer Kommunikationsplattform ein. Mit durchschlagender Kraft ebnete der Sender den Weg für ein transnationales kurdisches Publikum und erreichte selbst Zuschauer in der Diaspora. Die Empfänger von MED-TV zeichneten sich vor allem durch einen ausgeprägten "Fernseh-Hunger" aus: Die Menschen wollten endlich ein Programm in ihrer eigenen Sprache empfangen können!

Vor allem auch für Kurden im Exil ist es besonders wichtig, Informationen über eigene Medien zu erhalten. Denn Nachrichten aus Krisengebieten sind meist von der türkischen Sichtweise geprägt. Die Zuschauer wünschen sich Sendungen und Informationen aus unterschiedlichen Themenbereichen. Dabei geht es um:

  • Schritte in Richtung Vereinheitlichung der kurdischen Sprache
  • Diskussionen über die Wichtigkeit der Kurdischen Dialekte
  • Kindererziehung und wie man Kindern, die im Exil aufwachsen, die eigene Sprache beibringen kann, oder wie man verhindern kann, dass sie diese verlieren
  • Einfluss der kurdischen Völker sowohl international als auch in einzelnen Regionen
  • Strategische Massnahmen in Richtung eines vereinigten Kurdistans
  • Kampagnen gegen die Unterdrückung der Kurden in der Türkei, in Syrien und im Iran
  • Kampagnen gegen die Arabisierung Kurdistans und Deportationen von kurdischen Familien in Gebieten unter Saddams Regime

Was die kurdischen Zuschauer jedoch nicht sehen wollen, sind die Rivalitäten zwischen den verschiedenen politischen Gruppierungen, welche durch die internationalen Fernsehübertragungen noch verstärkt werden. Dieser "Krieg" unterteilt das südliche Kurdistan noch stärker in Domänen der PUK und der KDP.

 

Kurdischer Krieg im Äther

Mittlerweile gibt es fünf kurdische Satellitenstationen. Drei davon werden hauptsächlich durch kurdische politische Parteien beeinflusst, nämlich durch die PUK (Patriotische Union Kurdistans, KurdSat, irakisch-kurdisch), durch die KDP (Demokratische Partei Kurdistans, Kurdistan TV, irakisch-kurdisch) und durch die PKK (Kurdische Arbeiterpartei, Medya TV, türkisch-kurdisch).

Einerseits hat die Vielfalt der kurdischen Sender den Vorteil, dass kein Sender ein Meinungsmonopol bilden kann. Obwohl Medya TV, der die Nachfolge von MED-TV antrat, und auch Kurdistan TV gut gemachte Programme zu sozialen und kulturellen Themen anbieten, sind sie nicht frei von politisch einseitiger Berichterstattung. Während auf Medya TV ausufernde Statements der PKK-Führung gezeigt werden, muss sich der Zuschauer von Kurdistan TV die Nachrichten durch die Brille der KDP anschauen. Andererseits hat der Konflikt zwischen den Parteien dazu geführt, dass die Berichterstattung zur Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln beitrug. So musste sich Kurdistan TV beispielsweise bei der Verhaftung von PKK-Chef Abdullah Öcalan den Vorwurf gefallen lassen, Sprachrohr für die türkische Propaganda zu sein.

 

Zukunftsaussichten

Alle Fernsehstationen senden bislang hauptsächlich auf Kurdisch. Würde jedoch ein kurdischer Satellitensender sein Programm auf Englisch anbieten, so könnte die Situation der Kurden auch auf internationaler Ebene stärker thematisiert werden. Die Lancierung und Aufrechterhaltung eines solchen Satellitensenders könnte allerdings recht schwierig werden. Denn um effektiv zu sein, verlangte dieses Projekt eine koordinierte Zusammenarbeit von allen politischen Parteien Kurdistans.

Medya-TV, Kurdistan TV und KurdSat formulieren alle gleichermassen das Ziel, nach dem Prinzip der "Demokratie, der Presse- und der Meinungsäusserungsfreiheit" zu agieren. Problematisch ist jedoch, dass die Fernsehsender nicht unabhängig Bericht erstatten. Kurdisches Fernsehen wird von politischen Parteien kontrolliert, teilweise finanziert und für parteipolitische Propaganda verwendet. Wenn es das Ziel der Kurden ist, einen modernen und demokratischen Staat aufzubauen, so kann dies nicht in ihrem Sinne sein. Um die kurdische Situation vor allem auch in der restlichen Welt glaubhaft darzustellen, sollten ihre Medien unabhängig von parteipolitischen Interessen Bericht erstatten können.

 

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Der Text entstand im Rahmen des Seminars "Kurdische Öffentlichkeit" unter der Leitung von Matthias Loretan und Ayten Muttu am Institut für Journalistik an der Universität Freiburg Ue. .

Die Ergebnisse des Seminars sind einsehbar unter:
http://www.diax.ch/users/ctberntechnik/index.htm

 

Links:

MED-TV:
http://ku.wikipedia.org/wiki/Med_TV

Medya-TV: http://ku.wikipedia.org/wiki/Medya_TV

Mesopotamia TV (metv):
http://www.metv.dk/

Kurdistan TV:
http://www.kurdistantv.net/

KurdSat:
http://www.livetvcenter.com/kurdsat_tv_577.as

 

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