Serie: "Without a Trace"
Genre: Polizeiserie
Serienstart: 26. September 2002,
Episodentitel: "In Extremis"
Ausstrahlungstermin: 21. November 2002
Deutschsprachige Ausstrahlung der Serie:
seit September 2003 jeweils Mittwoch um 21.15 Uhr auf ProSieben

Das FBI-Team untersucht das Verschwinden von Doktor Anwar Samir aus Saudi Arabien, der seit sieben Jahren in den USA lebt und als Arzt in einem Krankenhaus arbeitet. Er verliess seinen Arbeitsplatz, nachdem sein Vorgesetzter sich geweigert hatte, ihm ein Empfehlungsschreiben auszustellen. Dr. Samir ist bei seinen Kollegen beliebt und gilt als ausgezeichneter Arzt. Nach seinem Verschwinden jedoch wird jede seiner Handlungen mit seiner Herkunft interpretiert. Sein Ergeiz, einmal am "Center for Disease Control" (CDC) an der Erforschung von Infektionskrankheiten zu arbeiten, macht ihn verdächtig. Das FBI-Team arbeitet mit der Joint Terrorist Task Force (JTTF) zusammen, einer Einheit die speziell dafür eingerichtet wurde, so genannte "Sleeper" - Terroristen im Wartestand - aufzuspüren.

Die Episode beginnt mit Dr. Samir, der bei der liebevollen Betreuung einer älteren Patientin gezeigt wird, die ihn als "den besten Doktor im ganzen Krankenhaus" lobt. Danach verlässt er das Hospital und verschwindet. Zwei Tage später untersuchen Männer des FBI den Fall des Vermissten. Die Verwaltungschefin des Krankenhauses zeigt ihnen Dr. Samirs Spind. Da er mit einem Visa in den USA ist, gelten besondere Regeln, erklärt sie. Er ist Moslem und aus einem "gewissen Gebiet", dem Nahen Osten. "Ich möchte nicht hysterisch erscheinen, aber sie wissen, seit 9/11...", da unterbricht sie der FBI-Agent Jack Malone und bittet sie um die Akte von Dr. Samir. Malone ist der Chef der Einheit. Im Gespräch zwischen ihm und seinem Kollegen Martin Fitzgerald kommt es zu folgendem Wortwechsel: Jack: "Weisst du, innerhalb von zwei Minuten Konversation wurde er vom fähigen Arzt zum verdächtigen Terroristen." Martin: "Ich nehme an, das ist die Welt, in der wir leben."

Malone weist seine Mitarbeiter an, den Fall besonders sorgfältig zu behandeln und keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen (jump to conclusions). In der weiteren Untersuchung zeigt sich, dass Dr. Samirs amerikanische Freundin Lindsay seinen Heiratsantrag abgelehnt, und ein vorgesetzter Arzt sich geweigert hatte, ihm ein Empfehlungsschreiben für das "Center of Disease Control" (CDC) in Atlanta zu schreiben. Dort werden gefährliche Viren gelagert und erforscht. Zudem wird bekannt, dass ein Freund von Samir, der ebenfalls arabischer Herkunft ist, vor einiger Zeit vom Krankenhaus entlassen wurde. Er arbeitete als Reinigungskraft, wurde dann aber des Diebstahls beschuldigt.

In Dr. Samirs Wohnung findet sich ein Buch mit scheinbar antiamerikanischem Inhalt. Martin zitiert daraus: "Warum Terroristen auf die USA zielen...". Seine Kollegin Samantha Spade nimmt das Buch und liest den Autorennamen vor: "Von Colin Bloom, aus Boston!" - Ein Amerikaner. Daraufhin diskutieren Martin und Samantha, ob es in Ordnung oder ein Vorurteil sei, wenn Dr. Samir als Terrorist verdächtigt wird. Passt der Verschwundene in das Profil eines Sleepers oder zieht man bereits voreilige Schlüsse? Während Samantha versucht, offen für alle Spuren der Ermittlung zu sein, ist Martin von seinem Verdacht überzeugt.

Im Verlauf der Untersuchung wird ein Agent der Joint Terrorist Task Force (JTTF) hinzugezogen, der erklärt, wie so genannte Sleeper funktionieren. Demnach sollen Sleeper Ehen mit Amerikanerinnen eingehen, damit sie die VISA-Kontrollen umgehen und beruflich in Positionen aufsteigen können, die "neuralgisch" sind. Im konkreten Fall hätte das "Center of Disease Control" In Atlanta Dr. Samir Zugang zu gefährlichen Viren ermöglicht. Ist Dr. Samir also ein Sleeper, der nach seinem misslungenen Auftrag das Land verlassen hat? Oder handelt es sich nur um einen enttäuschten Mann, der seinen Job geschmissen hat?

Die Ansichten sind nach wie vor geteilt. Besonders Martin tut sich mit seiner Meinung hervor, dass Samir ein Terrorist sei. Hinterher erklärt ihm Jack unter vier Augen, er habe die JTTF nur hinzugezogen, weil dies im Moment die "verantwortungsbewusste Entscheidung" war, und nicht, weil er von der Terrorismustheorie überzeugt sei. Er habe jedoch den Eindruck, dass Martin die JTTF beeindrucken wolle. Hier wird die politische Ebene auf die persönliche gezogen: Martin ist jung und ehrgeizig, Jack älter und abgeklärter. Heisssporn versus Erfahrung wird hier impliziert.

Im weiteren Szenenverlauf werden die Positionen der einzelnen Beteiligten mehrmals beleuchtet. So entstehen immer wieder neue Perspektiven, die man als Zuschauer der Episode einnehmen kann. Samantha Spade hinterfragt, weshalb Jack die JTTF überhaupt ins Spiel gebracht habe. Dr. Samir würde nach dieser Untersuchung nicht mehr in der Lage sein, einen Job zu finden, selbst wenn er unschuldig sein sollte. Daraufhin wird sie von Jack als Untergebene in seinem Team hart in die Schranken verwiesen.

Bei Ermittlungen in der Moschee, die Dr. Samir zu besuchen pflegte, beklagt sich der Imam über Vandalismus, Bedrohungen und sogar physische Gewalt, die Kirchgänger seit dem 9/11 erdulden müssten. Er sei Moslem und liebe dieses Land, aber es werde immer schwerer hier zu leben. Einige Ermittlungen nach 9/11 würden zudem die Rechte, die den Bürgern durch die Verfassung gegeben sind, verletzen - Rechte, die die Polizisten geschworen hätten, zu verteidigen. Über Dr. Samir sagt der Imam aus, dass dieser mit ihm gesprochen und sehr aufgebracht gewesen sei über die Weigerung seines Vorgesetzten, ihn für das "Center of Disease Control" zu empfehlen. Er sei zu der Überzeugung gekommen, in den USA unerwünscht zu sein. Die FBI-Agenten erfahren in dieser Szene zwar keine für die Ermittlung relevanten Hinweise, aber als Zuschauer bekommt man Einblick in die Situation der Moslems in den USA nach 9/11.

Bei einer erneuten Untersuchung im Krankenhaus macht eine Krankenschwester eine Aussage über einen Gesprächsfetzen, den sie mithörte, als sich Dr. Samir mit einem Mann unterhielt. Sie hätte im Vorbeigehen nur die Worte "in die Luft sprengen" verstanden. Derweil ergibt eine weitere Untersuchung, dass Kamal Khan, ein Bekannter von Dr. Samir, kürzlich entlassen worden war, weil er Bleichmittel gestohlen hatte. Dieses enthält Ammoniak, ein chemischer Stoff mit Nitrat, und kann zum Bau einer Bombe benutzt werden. Als die Beamten die Wohnung von Khan aufsuchen, finden sie diesen tot.

Martin fasst seinen Verdacht zusammen: Dr. Samir und Khan planten einen terroristischen Akt, Khan wollte aussteigen, Samir hat ihn getötet. Jack zieht diese Theorie in Zweifel und fragt Martin, was er sagen würde, wenn Dr. Samir nicht Araber wäre. Darauf antwortet Martin: "Wäre er Kolumbianer, würde ich einen Drogendeal vermuten, wäre er Russe, Prostitution, Erpressung oder sonst was". Was Martin hier anwendet, bezeichnet man als "racial profiling". Diese Methode wird auch von Polizeibehörden in Europa angewendet. Sie basiert auf Erfahrungswerten mit zurückliegenden Kriminalfällen. Dadurch kann sie aber Rassismus bergen, da jeder Verdächtige einer anderen Rasse mit einem Vorurteil behaftet wird.

Im weiteren Verlauf der Episode will das JFFT den Fall übernehmen. Für sie ist klar, dass Samir ein Terrorist ist, der etwas geplant hat. Jack weigert sich den Fall abzugeben. In einer erneuten Befragung von Lindsay, der Verlobten von Dr. Samir, wird deutlich, dass sie Khan kannte. Er hätte sie oft abfällig behandelt, aber auch einmal angemacht. Davon habe sie Samir nicht erzählt, da Khan sein einziger Freund gewesen sei.

Die Episode erreicht ihren Höhepunkt mit einer Bombendrohung. Dr. Samir ruft im Krankenhaus an und alarmiert alle, das Gebäude zu verlassen. Es wird jedoch keine Bombe gefunden. Stattdessen finden die Beamten heraus, dass Khan eine Bombe im Wohnhaus der Angestellten versteckt hat, wo auch Samirs Verlobte wohnt. Er wollte sich an ihr rächen. Die nächste Szene zeigt Samir mit einer Waffe in der Hand sowie Martin mit Samirs Verlobten, die er gerade noch einmal befragen wollte. Samir erklärt Martin, immer noch mit der Waffe in der Hand, dass er nur rasch das Haus evakuieren wolle, da er von Khans Bombe weiss. Draussen steht das JFFT mit Scharfschützen bereit, und Jack muss eine Entscheidung treffen. Er kennt die ganzen Zusammenhänge noch nicht und gibt der JFFT die Erlaubnis, zu schiessen. Samir wird getötet.

Erst anschliessend erfahren die FBI- Beamten von Martin, was sich zugetragen hat, und stehen betroffen herum. Derweil spricht eine TV-Reporterin in die Live-Kamera von einem "verdächtigen Terroristen", der hier getötet wurde, weil er im Haus eine Bombe platziert hatte.

Nachdem die eigentliche Handlung abgeschlossen ist, folgt ein Nachspann, der eine Szene der Episode nochmals wiederholt - diesmal aber aus einem anderen Blickwinkel: Wir stehen in einem Krankenzimmer. Eine junge Mutter sitzt mit einem etwa achtjährigen Jungen auf dem Krankenbett, der Vater steht mit Dr. Samir nahe der Tür. Aus dem Dialog erfahren wir, dass der Junge schwer krank war, nun aber wieder auf dem Wege der Besserung ist. Der Vater bedankt sich bei Dr. Samir für die ausgezeichnete Behandlung. Er fragt Samir, ob er auch ein Fan der New Yorker Baseball Mannschaft sei. Er könne Karten für das Stadion besorgen. Doktor Samir lacht. Nein, das Stadion sei eine Zumutung, dauernd der Lärm der Flugzeuge. Man solle es "in die Luft jagen" und an anderer Stelle ein neues, schöneres bauen. In diesem Moment geht draussen die Krankenschwester vorbei. Sie hört nur den Gesprächsfetzen "in die Luft jagen" und geht mit einem verwunderten Blick über die Schulter weiter. Die Episode endet mit einer langsamen Abblende ins Schwarzbild.

Internet: http://www.cbs.com/primetime/without_a_trace 

TOP


© Medienheft. Katholischer Mediendienst und Reformierte Medien
Impressum | Webmaster