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02.07.2009
00:00 Von: Angeli, Bruno

Filmförderung in der Schweiz
Oder was die Bilder zum Laufen bringt

Mit dem Buch «Filmförderlandschaft Schweiz» legt Patrick Becker die erste umfassende Studie zum Thema vor. Darin wird deutlich: Ohne Filmförderung geht in der Schweiz nichts. Gleichzeitig zeigt der Autor auf, dass der Filmmarkt blockiert wird, wo Kunst und Kommerz im Widerspruch stehen.


Von Bruno Angeli

Der Film kann primär unterhaltend oder bildend sein. Ob er zur Massen- oder zur Hochkultur gehört, lässt sich daher nicht pauschal sagen. So unterschiedlich Filme auch sind, gemeinsam ist ihnen die visuelle Anziehungskraft der bewegten Bilder. Doch um die Bilder zum Laufen zu bringen, braucht es mehr als nur ein gutes Drehbuch. Es braucht vor allem Geld.

 

Förderpolitik mit angezogener Bremse

Woher dieses Geld kommt und wohin es geht, hat Patrick Becker* in seiner kürzlich erschienen Studie zur «Filmförderlandschaft Schweiz» dargelegt. Darin warnt Becker schon im Vorwort: «Der Werdegang eines Filmprojekts ist in der Schweiz wie auch in den meisten anderen Ländern ein ebenso zeitaufwendiger wie auch oft nervenaufreibender Prozess… ». Oft scheitern gute Ideen schon an der Projektfinanzierung, lange bevor die Dreharbeiten überhaupt beginnen können. Und selbst wenn sich vereinzelt Förderer finden, ist damit noch keine Finanzierung garantiert. Nur wer die ersten Hürden nimmt, hat gute Aussichten, sein Projekt zu realisieren. Weniger günstig sieht es mit der Restfinanzierung aus. Denn selbst gute Kritiken sichern einem Film noch keinen finanziellen Erfolg. Und der fehlende Erfolg wiederum schlägt sich bremsend auf das Schweizer Filmschaffen nieder. Eine Kontinuität kann sich im Filmmarkt so kaum ausbilden.

Zu bedenken ist, dass der Film nicht nur ein ökonomisches Produkt ist, sondern auch ein Kulturgut. Der Film ist ein Ausdruck der kulturellen Identität eines Landes und schreibt sie fort. Oder in den Worten des Autors: «Der Film gilt als Vermittler von Gedankengut und Wertanschauungen und ist somit ein Spiegel der kulturellen Entwicklung eines Landes». Daraus erklärt sich, weshalb der Schweizer Film nicht nur von privaten Stiftungen, sondern prominent auch von Bund und Kantonen gefördert wird. Doch die staatlichen Eingriffe, die daraus resultieren, stehen nicht selten im Widerspruch zur Dynamik des Filmmarktes. Und der Teufelskreis beginnt von vorn.

Die Hauptfragen von Beckers Studie lauten: Welches sind die kulturellen und welches die wirtschaftlichen Kriterien, die Förderinstitutionen bei der Vergabe ihrer Gelder an die Filmprojekte anlegen? Und welche Erfolge haben sie damit? Die Mischung macht's, könnte man meinen. Doch kulturelle und wirtschaftliche Kriterien lassen sich nicht immer vereinbaren oder stehen einander sogar entgegen, was zu undurchsichtigen Kompromissen in der Filmförderung führt. Um Transparenz zu schaffen, hat Becker die Ziele, die Bewertungskriterien, das Budget und die Methoden der einzelnen Förderinstitutionen in seiner Studie einander gegenüber gestellt. Darüber hinaus legen die Experteninterviews, die Becker mit Vertretern der Förderinstitutionen geführt hat, ihr unterschiedliches Rollenverständnis offen.

Was der Schweizer Film heute ist, kann aber nicht nur als Produkt der Förderpolitik begriffen werden. Es braucht auch einen Blick in die Vergangenheit, um zu erkennen, was ihn geprägt hat.

 

Geschichte des Schweizer Films

Zuerst fristete der Film hierzulande ein Mauerblümchen-Dasein. Denn der typische «Schweizer Film» war ein Lehr- oder Werbefilm, allenfalls ein kurzer Spielfilm. Dass der Spielfilm nur sehr zaghaft Fuss fassen konnte, schreibt Becker der Schweizer Mentalität zu. Demnach galt «der Schweizer» als «gediegener Kaufmann», der dem Filmgeschäft mit einem gesunden Misstrauen begegnete. Die Spielfilmproduktion boomte erstmals während des zweiten Weltkrieges: Filme wie «Gilberte de Courgenay» mit der bezaubernden Ann-Marie Blanc in der Hauptrolle waren Propagandafilme, die der geistigen Landesverteidigung dienen sollten. In den 50er Jahren war der Schweizer Film sehr erfolgreich. Heimatfilme wie «Ueli der Knecht» nach dem Roman von Jeremias Gotthelf waren Strassenfeger. Nicht zu vergessen sind auch die anspruchsvollen Spielfilme von Kurt Früh: «Oberstadtgass» (1956) oder «Bäckerei Zürrer» (1957), die heute zum Kanon der Schweizer Filmgeschichte gehören.

In den 60er und 70er Jahren gehörte der Schweizer Film mit den Filmemachern der «Groupe de 5» zur internationalen Avantgarde. Dazu gehörten Alain Tanner, Claude Goretta, Michael Soutter, Jean-Claude Roy und Jean-Jacques Lagrange. Dennoch wurden nur wenige Filme produziert. Die Anzahl der Produktionen stieg erst, nachdem die staatliche Filmförderung zu Beginn der 70er Jahre einsetzte. Dann stellt Becker fest, dass seit den 80er Jahren «eine gewisse Phase der Orientierungslosigkeit» das Filmschaffen prägte. Nur seltene Ausnahmeprojekte wie «Reise der Hoffnung» (1990) von Xavier Koller hätten diese Orientierungslosigkeit unterbrochen. Doch die meisten altgedienten Regisseure arbeiteten heute im Ausland, und Nachwuchstalente hätten heute ebenso Mühe mit der Finanzierung wie mit dem Publikumsgeschmack, meint Becker. 2002 und 2003 können – gemessen an den Publikumszahlen – als erfolgreiche Jahre gelten. In den vorderen Jahren 2000 und 2001 jedoch kam nicht ein einziger Kinofilm über die 100'000er Grenze, die in der Filmbranche als die Erfolgsgrenze gilt. Daraus nun zu folgern, dass die Schweizer eben keine Filme mögen, wäre ein Fehlschluss. Und auch die finanziellen Mittel, die in den Filmmarkt fliessen, sind nicht zu unterschätzen.

 

Die Schweiz – ein Volk von Cineasten

Becker zeigt auf, dass die Fördergelder in der Schweiz nicht nur Kultur ermöglichen, sondern auch eine ganze Wirtschaftsbranche aufrechterhalten. 1998 wurde erstmals eine Untersuchung zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Schweizer Filmbranche durchgeführt. Sie zeigt, dass 1300 Unternehmen und 4700 Vollzeit-Beschäftigte in der Filmbranche ein Bruttoprodukt von 1,3 Milliarden Franken und eine Bruttowertschöpfung von 530 Millionen Franken erwirtschafteten.

Bemerkenswert ist, woher diese Mittel kamen und wer davon profitierte: «Während 30 Millionen Franken der öffentlichen Haushalte (Bund, Kantone, Gemeinden) als Fördergelder in die Filmbranche gesteckt wurden, flossen 75 Millionen Franken jedoch als Mehrwert-, Billett-, Unternehmens- und Einkommenssteuern an den Staat zurück – also das Zweieinhalbfache», so Becker.

Das rechnet sich also, denn Herr und Frau Schweizer gehen oft ins Kino. Zumindest im europäischen Vergleich sind sie mit rund zwei Besuchen pro Jahr über dem Durchschnitt. Das heisst nun aber nicht, dass die Kinoeintritte dadurch billiger wären, im Gegenteil. Die hohe Kinodichte in der Schweiz führt zu einer geringen Auslastung und daher zu den höchsten Eintrittspreisen in Europa.

Fleissige Kinobesucher sind vor allem in der Deutschschweiz anzutreffen, wo rund 90 Prozent der Eintritte-Erträge erzielt werden. Die Filme, die sich Herr und Frau Schweizer im Kino ansehen, stammen zu 60 Prozent aus den USA. Deutlich weniger Beliebtheit erfreut sich der einheimische Spielfilm, der im Jahr 2005 gerade mal 5,8 Prozent Marktanteil erzielte. Dabei war es schon schlimmer: Zwischen 1976 und 1993 erzielte der Schweizer Spielfilm nur gerade 2,7 Prozent Marktanteil. Die gute Nachricht lautet: In den letzten Jahren zeigt der Trend nach oben. 2006 erreichte ein Glanzresultat. In diesem Jahr kamen die Schweizer Filme «Grounding», «Vitus» und «Die Herbstzeitlosen» in die Kinos und brachten einen Rekord-Marktanteil von 9,6 Prozent. Damit kam die Schweiz erstmals überhaupt auf den zweiten Platz der Länderliste.

 

Filmförderlandschaft Schweiz: Ein helvetischer Dschungel

Die meisten Fördergelder gehen in die Produktion, den Rest teilen sich Verleiher, Lichtspieltheater und Festivals unter sich auf. Dabei kommen zwei Arten der Filmförderung zum Zuge: die direkte und die indirekte Filmförderung. Bei der direkten Filmförderung, die am häufigsten vorkommt, gehen die Gelder direkt an die produzierenden Firmen oder Personen. Die indirekte Filmförderung wird vom Bundesamt für Kultur und von den Kantonen eingesetzt, z.B. in Form von steuerlichen Anreizen oder als Subventionen, welche die gesetzlichen Regelungen oder bilateralen Abkommen vorsehen.

Wer einen Film drehen will, tut gut daran, sich mit den verschiedenen Förder­arten eingehend auseinander zu setzen. Denn das Geld fliesst oder stockt in helvetischer Manier, sprich: von Fall zu Fall verschieden. Zu nennen sind die Einzelprojektförderung, die strukturelle Förderung, die selektive Förderung, die automatische Förderung, die nachträgliche Förderung, das nicht rückzahlbare Darlehen und das bedingt rückzahlbare Darlehen.

Am häufigsten ist die Einzelprojektförderung, die einen einzelnen Film unterstützt. Ebenfalls oft zum Zug kommt die selektive Förderung, wobei jedes einzelne Subventionsgesucht von einem Gremium bearbeitet und abhängig von seinen kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten gefördert wird – oder eben nicht. Diese Art der Förderung wird nicht nur in der Produktionsphase, sondern auch in der vorgelagerten Projektphase und in der nachgelagerten Absatzphase eingesetzt. Der klassische Fall von Kulturförderung ist jedoch das nicht rückzahlbare Darlehen. Mit anderen Worten: «Es wird bereits im Vorfeld davon ausgegangen, dass das künstlerische Projekt nicht rentabel sein wird», so Becker.

 

Die Mäzenen des Schweizer Films

Bis ein Film in die Kinos kommt, hat er einen weiten Weg hinter sich: von der Projektphase und der Produktion über die Filmfestivals bis in die Filmverleihe. Jeder einzelne Schritt in der Wertschöpfungskette ist teuer und muss finanziert werden, bevor auch nur ein einziger Kinoeintritt bezahlt wurde. Jeder Schritt von der Produktion bis zur Distribution ist daher auf Förderung angewiesen.

Wie viel Geld in die Filmförderung fliesst, lässt sich nur mit einer Hochrechnung schätzen. Demnach wurden im Jahr 2006 etwa 92 Millionen Franken Filmfördergelder ausbezahlt. Im Jahr 2006 stammen zirka 67 Prozent von der öffentlichen Hand und 33 Prozent von privater Seite, wovon 66 Prozent allein die Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) beisteuerte.

Wer die wichtigsten Mäzenen des Schweizer Film sind, ist damit klar: das Bundesamt für Kultur (BAK) mit rund 40,6 Millionen Franken im Jahr 2007 und der Pacte de l'audiovisuel der SRG mit jährlich 19,3 Millionen Franken. Diese Hauptpromotoren des Schwei­zer Films sind gefolgt von den Kantonen und Gemeinden, wobei Stadt und Kanton Zürich die meisten Fördergelder sprechen. Das erstaunt nicht, ist doch Zürich mit seinem Filmwissenschaftlichen Institut und den diversen Filmschulen die Wiege des Schweizer Films: Zwei Drittel aller Schweizer Filme werden im Kanton Zürich produziert.

Zu den kleineren Filmförderern gehören Succès Cinéma (jährlich 4,6 Mio.), Swiss Films (jährlich 4 Mio.), Euroimages, MEDIA Desk Swiss, die Urheberrechtsgesellschaften, Swissimage, der Teleproduktionsfonds, der Fonds Regio, der Fonds FilmPlus, die Fondation Vaudoise pour le cinéma, die Lotteriegesellschaft und das Migros-Kulturprozent.

 

Ziele und Erfolge der Filmförderer

Das zahlenlastige Material rundet die Studie mit Interviews ab, die Becker mit Vertretern der Förderinstitutionen geführt hat. Die Fragen drehen um das Rollenselbstbild, die Ziele und die Methoden der Filmförderer. Becker interessiert dabei vor allem eines: Haben die Förderinstitutionen mir ihren Methoden auch Erfolg? Auskunft gaben Nicolas Bideau (BAK), Micha Schiwow (Swiss Films), Laurent Steiert (Succès Cinéma), Matthias Brütsch (Eurimages), Daniel Waser (MEDIA), Susann Wach (SRG SSR – Pacte de l’audiovisuel), Josy Meier (Suisseimage) und Regula Wolf (Migros-Kulturprozent).

Im Interview mit Nicolas Bideau wird deutlich, dass der Bund als bedeutendster Filmförderer nicht nur mit Geld engagiert ist, sondern auch mit juristischen Mitteln in den Filmmarkt eingreift, was die Entwicklungsrichtung des Schweizer Films stark beeinflusst: «Es steht in unserer Verordnung, dass wir das Publikumspotential eines Filmes berücksichtigen, das ist schon eine kleine Revolution in unserer Politik im Bund», so Nicolas Bideau. Kriterien, um seinen Förder-Erfolg zu messen, hat der Bund allerdings nicht, wie Becker kritisch anmerkt. Doch damit steht das BAK nicht alleine.

Offizielle Erfolgskriterien fehlen auch bei der SRG und beim Migros-Kulturprozent wie auch bei Swiss Films, Suissimage und Succès Cinéma – was Erfolg freilich nicht ausschliesst: Als speziellen Erfolg nennt Laurent Steiert den Film «Das Erbe der Bergler» (2006), der durch den Kinoerfolg von «Hirtenreise» (2005) fast ausschliesslich durch Fördergelder von Succès Cinéma entstanden ist. Suisseimage steht in der Förderkette an letzter Stelle. Doch Josy Meier vertritt die Haltung, dass mit Konzepten wie der Treatmentförderung auch die eher vernachlässigten Fördermittel zum Zuge kommen.

Die Interviews mit den Experten decken aber auch einige Problemfelder auf: So ist es mit der Vielfalt in der kleinen Schweizer Filmlandschaft nicht weit her. Und die eingereichten Drehbücher und Projekte halten internationalen Qualität-Standards oft nicht stand. Schliesslich äussern die Experten wiederholt Kritik an den Filmschulen, die zu wenig koordiniert seien und bei den Studierenden zu grosse Hoffnungen weckten, – gemessen am kleinen Schweizer Markt. Doch auch Selbstkritik bleibt nicht aus, immerhin hätten auch die Filmförderer das Potenzial, sich stärker zu koordinieren, sind die Befragten überzeugt. Uneinigkeit herrscht hingegen, wie eine solche Koordination aussehen könnte. Immerhin bergen Fachkommissionen auch ein gewisses Klumpenrisiko.

 

Kunst und Kommerz – ein Widerspruch?

Beckers Buch ist eine Forschungsarbeit, was mit sich bringt, dass es nicht immer flüssig zu lesen ist. Besonders der theoretisch-ökonomische Teil ist nur für Hartgesottene. Man könnte diesen Teil auch als «Angewandte Ökonomie-Theorien am Beispiel der Filmbranche» übertiteln. Dabei ist es kein leichtes Unterfangen, der Kulturförderung ein ökonomisches Modell überzuziehen. Denn beim Film geht es nicht um Dübel oder Sparlampen, sondern im besten Fall um Kunst, in jedem Fall aber um ein Kulturgut, das auch andere Aufgaben zu erfüllen hat, als «nur» Kasse zu machen. Film pflegt und stärkt Identität. Manche Filme haben wegen ihrer Thematik oder Sprache kaum je eine Chance auf ein grösseres Publikum, sie sind aber dennoch wertvolle Kulturbeiträge. Wie soll man also mit diesen «meritorischen» Gütern handeln? Und wie misst man Erfolg, wenn die Kriterien nicht einzig auf monitärer Basis beruhen? Film ist Kultur und erhält deshalb Fördergelder vom Staat. So ist es in der Bundesverfassung verankert.

Glücklicherweise fällt Becker nicht in die Gleichung Hollywood-Filme = massentaugliche Standardware ohne Kunstanspruch und Arthouse-Filme = Filme für «verkopfte» Akademiker. Auch Filme, die auf Breitenwirkung ausgelegt sind, können Anspruch haben. Als positives Beispiel nennt Becker den Film «Blood Diamond».

Die USA sind im Filmgeschäft am erfolgreichsten und werden im Buch immer wieder zum Vergleich herangezogen. Was machen die USA besser als die Schweiz? Becker liefert dazu die Fakten. Zum einen das Budget: Fünf Millionen Franken kostet in der Schweiz ein grösseres Filmprojekt. In den USA verfügt selbst ein «Low-Budget»-Streifen über mehr Geld. Unter dem geringen Budget jedoch leidet die gesamte Entwicklung eines Filmprojektes. Hier seien nur zwei Beispiele genannt. Zunächst das Drehbuch: In den USA wird nur jedes tausendste aller eingereichten Drehbücher realisiert. Anschliessend übersteht nur jedes zehnte Projekt die Entwicklungsphase – in Europa jedes vierte. Dann das Marketing: In den USA ist das einer der grössten Budget-Posten. Dieser Betrag macht nicht selten die Hälfte der Gesamtkosten aus. In der Schweiz und in der EU hingegen sind es nur drei bis sechs Prozent des Gesamtbudgets, die in das Marketing fliessen. Für dieses Geld lassen sich ein paar Inserate schalten und Plakate drucken. Mit anderen Worten: In den USA stehen schlicht und einfach mehr Dollars für Filmprojekte zur Verfügung, für die Produktion ebenso wie für die Distribution und Vermarktung. Dafür wird in den USA auch Geld verdient, selbst wenn unter dem Strich nur jeder zehnte Streifen Gewinn abwirft.

 

Abspann

Mit seiner Arbeit zur Filmförderung hat Becker eine Lücke geschlossen, auch wenn die Studie selbst einige Aspekte vermissen lässt. So hätte das Product-Placement, das in der Werbefinanzierung des Films eine immer grössere Rolle spielt, eine eingehendere Auseinandersetzung verdient. Auch über die Film-Zweitverwertungskanäle DVD und Internet, die gerade für die kleinen Produktionen zunehmend wichtiger werden, macht die Studie keine Angaben. Und was die Förderinstitutionen betrifft, so finden die Landeskirchen kaum Erwähnung, obwohl sie mit dem Ökumenischen Filmpreis an zahlreichen Filmfestivals präsent sind und den Film mit Publikationen, Dokumentationen und Film-Verleih fördern. Schliesslich vermisst man die Sicht der Filmschaffenden, die zur Filmförderung gewiss auch einiges zu sagen gehabt hätten.

Nichtsdestotrotz: Mit seiner Darstellung der Filmförderlandschaft Schweiz legt Patrick Becker die erste umfassende Studie dazu vor. Gleichzeitig legt er damit auch die Widersprüche im aktuellen Fördersystem offen und übt dadurch subtile Kritik. Für die Forschung bildet seine Studie einen Grundstein, um den Filmmarkt Schweiz weiter zu ergründen. Und für Nachwuchstalente des Schweizer Films bietet das Buch eine erste Übersicht, um sich im Dschungel der Filmförderung nicht zu verlieren.

 

Bruno Angeli ist freier Journalist.

*Patrick Becker hat an der Universität Zürich Publizistik-, Film- und Politikwissenschaft studiert und mit der vorliegenden Studie in Medienökonomie bei Prof. Dr. Gabriele Siegert abgeschlossen.

 

Literatur:

Patrick Becker: Filmförderlandschaft Schweiz - Wie erfolgreich sind die Filmförderinstitutionen in der Schweiz? Vdm Verlag Dr. Müller, November 2008.

ISBN-10: 3639035305, ISBN-13: 978-3639035308 164 Seiten, broschiert, 109 CHF, Direktbestellung: 89 CHF inkl. Porto bei pat_beck(at)sunrise.ch


 
 

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