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02.03.2011
00:00 Von: Ruh, Ulrich

Kirchliche Medien in der allgemeinen Medienlandschaft

In der allgemeinen Medienlandschaft spielen die kirchlichen und kirchennahen Medien eher eine marginale Rolle. Sie können allerdings eine wichtige Brückenfunktion zwischen den Religionsgemeinschaften und den allgemeinen Medien übernehmen, wenn sie sich nicht nur auf die kirchliche Binnenkommunikation konzentrieren oder sich in einer Art Hofberichterstattung erschöpfen. Zum Anforderungsprofil kirchlicher Medien gehören somit eine kritische Sachlichkeit und eine allgemein verständliche Aufbereitung religiöser Themen.


Von Ulrich Ruh

Hauptkennzeichen der gegenwärtigen Medienlandschaft in Europa ist ihre Vielfalt. Das gilt schon für die «alten» Printmedien, wovon man sich in jedem größeren Bahnhof überzeugen kann: An den Kiosken dort finden sich nicht nur Tageszeitungen, Magazine und Illustrierte, sondern auch hunderte von Zeitschriften zu allen möglichen Interessensgebieten. Dies gilt genauso für den Bereich der elektronischen Medien, die inzwischen unzählige Radio- und Fernsehprogramme anbieten. Dazu kommt noch das neue Medium Internet mit seinen praktisch unbegrenzten Möglichkeiten bei der Vermittlung von Informationen und Meinungen.

Diese Medien sind unterschiedlich organisiert: Es gibt Medien in staatlicher Trägerschaft oder in der von gesellschaftlichen Großorganisationen und Interessenverbänden; in der Mehrzahl befinden sich die Medien allerdings im Besitz von Privatunternehmen. Viele Medien wollen von vornherein nur ganz bestimmte Zielgruppen bedienen, sind also an einem «special interest» orientiert. Andere dagegen verstehen sich als Organe der allgemeinen Öffentlichkeit und möchten durch ihre Arbeit die gesellschaftliche Verständigung fördern – wie etwa die großen meinungsbildenden Tageszeitungen in den jeweiligen europäischen Ländern, die damit einer in ihrer Tradition verankerten Selbstverpflichtung nachkommen, oder wie beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland aufgrund eines entsprechenden politischen Mandats.

In dieser vielfältigen Landschaft bewegen sich auch die Menschen christlichen Glaubens und die Kirchen als ihre institutionellen Vergesellschaftungen. Christen habe wie alle anderen Zeitgenossen auch als freie Bürger und Marktteilnehmer grundsätzlich die Möglichkeit, sich an dem bunten Medienangebot zu bedienen, das eine Medium intensiver zu nutzen, das andere sparsamer oder gar nicht. Die Kirchen wiederum können und müssen heute in der einen oder anderen Form die Medien nutzen, um für ihre Botschaft und für ihre Anliegen in der Gesellschaft zu werben und mit ihren Mitgliedern zu kommunizieren. Verständlicherweise sind in diesem Bereich wie auf dem Mediensektor insgesamt die Dinge immer im Fluss, nicht zuletzt weil die Kirchen vor der Frage stehen, mit welchen Medien als Partner oder als Betreiber sie ihre Ziele jeweils am ehesten erreichen können.

 

Geschichte des kirchlichen Pressewesens

Das zeigt auch ein Blick in die Geschichte des Verhältnisses von Christentum und Kirche einerseits und Medienwelt andererseits. Diese Geschichte begann mit der durch Aufklärung und Revolution beförderten Auflösung der europäischen Ordnung der «Christenheit», in der das Christentum (in seinen verschiedenen konfessionellen Varianten) selbstverständliche Grundlage und Deutungshorizont für praktisch alle Lebensbereiche gewesen war. An ihre Stelle trat zunehmend die moderne Welt, die durch eine immer stärkere religiöse Neutralität der politischen Ordnung gekennzeichnet war, sowie von Auseinandersetzungen zwischen dem christlichen Glauben und ihm feindlich gesonnenen Ideologien, Kulturkämpfen zwischen verschiedenen Strömungen innerhalb des Christentums wie zwischen institutionell gestärkten Kirchen und dem liberalen Staat. Dies ging mit der Bildung von klar abgegrenzten, in hohem Maß geschlossenen kirchlichen Milieus einher. Kirchliche oder kirchennahe Medien dienten dementsprechend meist der eigenen Selbstbehauptung gegenüber weltanschaulichen Gegnern und der inneren Stärkung der eigenen Reihen. Das lässt sich teilweise schon an den Titeln entsprechender (auch heute noch bestehender) Presseorgane ablesen, man denke etwa an «La Croix» in Frankreich oder an die «Civiltà cattolica» in Italien.

Besondere Bedeutung hatten die eigenen Medien zu dieser Zeit für die katholische Kirche. Sie formierte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neu als Fels in der Brandung der Moderne, mit dem durch das Dogma des Ersten Vatikanischen Konzils (Lehr- und Jurisdiktionsprimat) gestärkten Papstamt im Zentrum. Vor allem in den europäischen Ländern mit starker protestantischer Konkurrenz wie in Deutschland, den Niederlanden oder der Schweiz bildete sie Großmilieus mit einem ausgeprägten Netz an Vereinigungen und konfessionellen Parteien aus. Dem entsprach auch die Entwicklung bei den Medien: So gab es in Deutschland nach dem Kulturkampf Ende des 19. Jahrhunderts fast 200 katholische Zeitungen und Zeitschriften. 1933, im Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme, zählte man in Deutschland 375 katholische Zeitungen mit insgesamt 2,6 Millionen Abonnenten. Die katholischen Zeitschriften in Deutschland kamen zusammen auf eine Abonnentenzahl zwischen zehn und elf Millionen.

Heute kann man von einem solchen Bestand an katholischen Medien nur träumen. Die Entwicklung im protestantischen Bereich hat einen ähnlichen Verlauf genommen. Das hat vor allem damit zu tun, dass in den letzten Jahrzehnten die Kirchen praktisch überall im westlichen Europa deutlich Federn lassen mussten, sowohl was die Beteiligung am kirchlichen Leben anbelangt wie in ihrer gesellschaftlich-kulturellen Prägekraft. Die traditionellen Milieus haben sich weitgehend aufgelöst oder sind bis auf Restbestände zusammengeschmolzen. Auch das kirchliche bzw. kirchennahe Pressewesen hat sich im Zuge dieses gesellschaftlichen Großtrends vielerorts ausgedünnt; früher einmal renommierte Titel sind verschwunden, andere haben enorm an Auflage eingebüßt. Letzteres gilt beispielsweise für die so genannte Kirchengebietspresse (Bistumszeitungen, landeskirchliche Zeitungen) in Deutschland.

Katholische Tageszeitungen sind nach der Zäsur durch die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland praktisch nicht mehr anzutreffen. Katholische und evangelische Wochenzeitungen konnten sich in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst am Markt halten, erscheinen aber inzwischen nicht mehr. Das gilt für «Christ und Welt», das «Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt» und seit Anfang dieses Jahres auch für den «Rheinischen Merkur» als eigenständige Wochenzeitung. In anderen europäischen Ländern haben früher christlich oder sogar eindeutig konfessionell geprägte Tageszeitungen diese Prägung inzwischen aufgegeben. Von den meinungsbildenden Blättern im westlichen Europa firmiert heute kein einziges als «christlich».

 

Religiöse Themen in den Medien

Das bedeutet allerdings nicht, dass in der heutigen Presse – und in den Medien generell – in Europa religiöse Themen und Fragestellungen übergangen oder generell unter Wert behandelt würden. Das Gegenteil ist der Fall! Von Lokalzeitungen bis zu den großen überregionalen Zeitungen, im Rundfunk wie im Fernsehen kommen Kirche und Religion durchaus vor, gelegentlich sogar in erheblichem Maß. Das geschieht allerdings durchweg nach Maßstäben und Regeln, die die einzelnen Medien nach ihrer Interessenlage bestimmen und die von der allgemeinen Öffentlichkeit im jeweiligen Land oder in der jeweiligen Region vorgegeben werden.

Dabei bezieht sich das Thema «Religion» für die Medien wie auch für unsere Gesellschaft überhaupt nicht bloß auf das Christentum oder die christlichen Kirchen. Zwar sind die Kirchen quer durch Europa nach wie vor die zahlenmäßig größten religiösen Institutionen und fallen mit ihren Einrichtungen am meisten ins Auge. Doch die allgemeine Aufmerksamkeit richtet sich derzeit zum einen eher auf den Islam, der für die meisten europäischen Länder eine relativ neue, inzwischen aber unübersehbar präsente Religion darstellt. Sie wird vor allem als Bedrohung, in jedem Fall aber als beträchtliche Herausforderung empfunden. Zum anderen ist Religiöses insofern positiv besetzt, als es einen Beitrag zur spirituellen «Wellness» des gestressten europäischen Wohlstands- und Wirtschaftsbürgers leisten kann, beispielsweise in Form von Tagen in einem Benediktinerkloster oder von asiatischen Meditationspraktiken.

Dementsprechend fällt auch die Präsenz von Religion in den Medien aus. Berichtet wird in erster Linie über das, was «interessant» ist – sei es, dass man aktuelle Vorkommnisse wiedergibt oder Hintergründe auszuleuchten versucht. Das gilt zunächst für alle Religionen und religiösen Phänomene. Christliches findet dabei vorzugsweise dann Beachtung, wenn es den Reiz des Außergewöhnlichen hat oder gut personalisiert werden kann, wobei durchaus auch der «Promifaktor» von Kirchenleuten eine Rolle spielt. Daneben gibt es zweifellos nach wie vor auch ein gewisses Maß an Pflichtberichterstattung über Christlich-Kirchliches, etwa zu hohen Feiertagen; diese ist aber für den heutigen Medienumgang mit Religion nicht typisch, genauso wenig wie der Bericht über ein Pfarrfest im Lokalteil einer Zeitung.

 

Berichterstattung über den Missbrauchsskandal als Lehrstück

Im Frühjahr 2010 wurde der Bereich Kirche/Religion gerade in den deutschen Medien wochenlang von der Aufdeckung von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensangehörige dominiert. Hier spielte sicher das aus dem klassischen Drama bekannte Prinzip der «Fallhöhe» eine wichtige Rolle: Vergehen – und mögen sie auch Jahrzehnte zurückliegen – in einer Institution, die wie die katholische Kirche mit hohem moralischem Anspruch und rigiden Normen gerade im Bereich des Sexuellen assoziiert wird, werden besonders beachtet und besonders heftig öffentlich inkriminiert. Je mehr man in diesem Zusammenhang auf klerikale Vertuschungsstrategien stößt, desto stärker wird der Antrieb, durch journalistische Recherche Licht ins Dunkel zu bringen. Insofern war der Missbrauchsskandal ein Lehrstück für das Verhältnis von Kirche und Medien unter den heutigen gesellschaftlichen und religiösen Rahmenbedingungen.

Allgemeine kirchliche Medienschelte, wie sie da und dort aus Anlass der Berichterstattung über Missbrauch durch Kleriker zu hören war, ist nicht die angemessene Reaktion. Sie neigt nicht nur dazu, die eigene Institution zu tabuisieren, sondern wird auch der Rolle der Medien in einer offene pluralen und säkularen Gesellschaft nicht gerecht. Sie missversteht auch die Stellung wie die Möglichkeiten von Kirchen und Religionsgemeinschaften in einer solchen Gesellschaft.

Kirchen und andere religiöse Institutionen wie auch einzelne Angehörige der jeweiligen Religionsgemeinschaft haben allerdings sehr wohl das Recht, von den Medien eine korrekte und kompetente Darstellung von Themen aus ihrem Bereich einzufordern. Längst nicht jeder, der sich in der Gegenwartsgesellschaft in dem einen oder anderen Medium mit religiösen Fragen beschäftigt, verfügt über das dafür gebotene Fachwissen oder ein ausreichendes Maß an Vertrautheit mit den entsprechenden religiösen Vollzügen. Hier gilt im Blick auf die traditionell prägenden Religionsgemeinschaften wie die großen christlichen Kirchen allerdings derselbe Maßstab wie für eine «neue» Religion wie den Islam: Muslime haben den gleichen Anspruch wie Christen der verschiedenen Konfessionen auf sachkundige Berichterstattung über ihre Religion und alles, was damit zusammenhängt.

 

Anforderungen an die kirchlichen Medien

Mit einer defensiven Verteidigungshaltung und dem Pochen auf eine faire und kompetente Behandlung in den Medien dürfen sich die Kirchen und Religionsgemeinschaften allerdings nicht begnügen. Zunächst haben sie eine Bringschuld gegenüber ihren eigenen, sei es noch verbliebenen, sei es neu zu entwickelnden Medien. Dabei ist realistischerweise davon auszugehen, dass kircheneigene Medien im breiten und vielfältigen Spektrum des heutigen Medienangebots nicht viel mehr als Randerscheinungen sein können und es in absehbarer Zukunft auch bleiben werden. Darüber hinausgehende Erwartungen oder Hoffnungen sind als illusorisch einzustufen.

Aber auch aus Randprodukten der Medienszene lässt sich etwas machen. Kircheneigene Medien, von Gemeindebriefen bis zu anspruchsvollen Zeitschriften, Hörfunk- oder Fernsehsendungen oder Internetauftritten, sollten in ihrer professionellen Gestaltung nicht hinter dem allgemeinen Standard zurückbleiben. Sie sollten darüber hinaus ihre Themen so behandeln, dass die entsprechenden Inhalte nicht nur der Binnenkommunikation der jeweiligen Religionsgemeinschaft dienen, sondern auch für Außenstehende anziehend und interessant sind: Nicht unbedingt zu Missionszwecken, sondern um zunächst einmal Aufmerksamkeit zu wecken und die Sensibilität für vielleicht ungewohnte Dimensionen des Lebens und Nachdenkens zu verstärken.

Medien, die Kirchen und Religionsgemeinschaften gehören oder ihnen nahe stehen, haben in mancher Hinsicht wenn nicht einen Wissensvorsprung, so doch einen Vorsprung an Vertrautheit mit dem Innenleben der jeweiligen Institution. Sie werden ja im Regelfall von Menschen gemacht, die einer bestimmten Gemeinschaft nicht nur angehören, sondern sich auch überdurchschnittlich für sie interessieren und möglicherweise auch engagieren. Gleichzeitig dürfen sie aber, um der eigenen Glaubwürdigkeit willen, an Offenheit im Umgang mit Fehlentwicklungen, Defiziten und Reformanstößen in ihrer Religionsgemeinschaft hinter keinem Medium von «draußen» zurückstehen. Bloße Hofberichterstattung, die auch gegen besseres Wissen auf kritische Rückfragen verzichtet, können sie sich am wenigsten leisten. Sie sollen allerdings mit der entsprechenden Institution so umgehen, dass bei aller Kritik immer auch eine grundlegende Loyalität zum Tragen kommt.

Im besten Fall können kircheneigene oder kirchennahe Medien eine Brückenfunktion ausüben zwischen den Religionsgemeinschaften einerseits und den allgemeinen Medien andererseits. Für Journalisten in einem nichtkirchlichen Medium kann es bei ihrer Arbeit im Bereich Religion und Kirche lohnend und hilfreich sein, wenn sie zur Vertiefung der eigenen Kompetenz auf kirchliche Spezialmedien zurückgreifen können. Manches Thema in diesen Medien wird sie kaum oder auch gar nicht interessieren (und von ihrem Auftrag her auch nicht interessieren müssen). Anderes können sie als Hintergrundinformation aus der Hand von Insidern durchaus mit Gewinn verwenden. Damit ist dem entsprechenden Medium letztlich genauso gedient wie der Kirche.

 

Das Christentum – eine öffentliche Religion

Im Verhältnis von Kirche und Medien besteht allerdings eine grundlegende Asymmetrie: Einerseits ist längst nicht alles, was das kirchliche Leben bzw. ein Leben aus dem Glauben ausmacht, überhaupt medientauglich. Das gilt etwa für den normalen Gottesdienst (er wird nur im Rundfunk oder Fernsehen übertragen, weil die entsprechenden Anstalten durch Verträge dazu verpflichtet sind), aber auch für das, was man «alltägliche Werke der Nächstenliebe» nennen könnte, also unspektakuläre Hilfeleistungen, die aus Glaubensüberzeugungen heraus geschehen. Dies gilt ebenso für die Praxis kirchlicher Verwaltung wie für den Umgang mit Sakramenten bzw. Amtshandlungen. Wenn in der Vorbereitung auf die Firmung oder die Konfirmation besondere Highlights auf dem Programm stehen, kann das einen Bericht in der Lokalzeitung oder im lokalen Radio wert sein. Aber normalerweise kommen solche Facetten von gelebtem Christentum kaum in den allgemeinen Medien vor, auch nicht die kirchliche Bücherei oder die Sozialstation.

Andererseits haben zumindest die christlichen Kirchen keine Geheimnisse, die sie prinzipiell vor der Öffentlichkeit und damit auch vor den Medien abschotten müssten. Das Christentum ist keine «Mysterienreligion», so sehr es für manche Vollzüge, etwa Teile der Seelsorge, auf Diskretion angewiesen ist. Seine Glaubenslehren werden von der öffentlich zugänglichen theologischen Wissenschaft erläutert und befragt; seine Gottesdienste, seien sie schlicht oder feierlich ausgestaltet, sind prinzipiell jedermann zugänglich, auch die Organigramme der kirchlichen Bürokratie haben nichts Geheimnisvolles an sich.

Johannes Paul II., der Papst, dessen Amtsführung und Persönlichkeit wie nie zuvor von den Medien ausgeleuchtet wurden, hat in den ersten Jahren seines langen Pontifikats bei einer Begegnung mit Journalisten einmal formuliert, die Kirche müsse sich darum bemühen, ein «Glashaus» zu sein, in dem alle sehen könnten, was vor sich gehe und wie sie ihre Sendung erfülle. Man mag diese Formel für überzogen halten, aber die Richtung stimmt allemal: In der Kirche ist Geheimniskrämerei fehl am Platz. Sie hat deshalb gegenüber den Medien um der eigenen Sache willen die Verpflichtung, umfassend zu informieren, kompetente Gesprächspartner zur Verfügung zu stellen, ohne dabei exzessive Selbstdarstellung zu betreiben. Gerade weil sie als durch und durch menschliche Einrichtung nichts zu verbergen hat, ist sie nicht auf Hochglanzstilisierung angewiesen.

Wichtig ist für die Kirchen und Religionsgemeinschaften nicht zuletzt, dass sie sich um gute Beziehungen zu Medienschaffenden bemühen und diese mit einer gewissen Regelmäßigkeit pflegen. Das geschieht nicht nur durch offizielle Pressekonferenzen oder Pressegespräche, sondern auch durch informelle Kontakte. Gute und verantwortungsbewusste Journalisten lassen sich auch von Kirchenleuten nicht «kaufen»; aber es kann für beide Seiten ein Gewinn sein, wenn man sich persönlich kennt und sich über anstehende Probleme ohne Formalitäten austauschen kann.

Es gibt auch feste Orte des Kontakts zwischen der Kirche und der Medienwelt. Hier ist etwa an Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft zur Aus- und Weiterbildung von Journalisten zu denken, wie sie gerade in Deutschland bestehen. Solche Institutionen können einen Beitrag dazu leisten, Fremdheit abzubauen und pauschalen Urteilen über Kirchen oder über Medien entgegenzuwirken. Allerdings gilt auch: Es ist vom Selbstverständnis der Kirche als Glaubensgemeinschaft schlechterdings nicht möglich, durchgängig medienkompatibel zu werden. Entsprechenden Versuchungen muss sie vielmehr unmissverständlich widerstehen. Schon deshalb steht nicht zu erwarten, dass die Probleme zwischen Kirche und Medien in der nächsten Zeit verschwinden werden. Sie sind strukturell unvermeidlich. Aber die weitere Entwicklung der Medienlandschaft ist ebenso offen wie der künftige Weg der Kirchen und Religionsgemeinschaften.

 

Ulrich Ruh, Dr. theol., ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz. Veröffentlichungen: Handwörterbuch religiöser Gegenwartsfragen (1986); Religion und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland (1990); Der Weltkatechismus (1993); Das Jesusbuch des Papstes (2008).

Der vorliegende Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift «G2W – Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West» zum Themenschwerpunkt «Kirche und Medien» (3/2011, 39. Jg., S. 15-17). Die Zweitveröffentlichung im Medienheft wurde ermöglicht mit freundlicher Genehmigung der Redaktion G2W.


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