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31.01.2011
00:00

SRG-Direktor: «Ich mag den Wettbewerb, allen tut er gut.»


(NZZ/ja) Roger de Weck, Generaldirektor der SRG, bezeichnet sein SRG-Konzept als «Qualité populaire». Im Land der vier Kulturen würde die SRG zu einem gemeinsamen öffentlichen Raum beitragen. In einer immer komplexer werdenden Welt müsse der Service public dem breiten Publikum komplexe Zusammenhänge vermitteln. Um diese Aufgabe zu bewältigen, will De Weck vermehrt auf den Recherchierjournalismus setzen. «Wir greifen nicht nur das Interessante auf, sondern versuchen auch, das Relevante interessant aufzubereiten», so de Weck in einem Interview mit der NZZ am Sonntag (30.01.2011). In Umbruchzeiten würden sich zudem viele Schweizerinnen und Schweizer für ihre historischen Wurzeln interessieren. Auch hier will de Weck vermehrt Akzente setzen. Zudem will der neue SRG-Generaldirektor, dass sich der Service-public-Sender noch deutlicher von den privaten Fernsehveranstaltern abhebt. «Die SRG verlöre an Legitimation, wenn sie das Gleiche böte wie die Kommerziellen. Für Medien ist nichts wichtiger, als sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Für die SRG ist es eine strategische Notwendigkeit, den Service-public-Charakter zu akzentuieren – und dabei volksnah und attraktiv zu bleiben», so de Weck im Interview.

Des Weiteren sprach die NZZ am Sonntag auf die Aussage von SRF-Direktor Rudolf Matter an, wonach in der Diskussionssendung «Arena» der Konfrontation zwischen SVP und SP nicht mehr Platz eingeräumt werden dürfe, als sachlich gerechtfertigt sei. Auf die Frage, ob die SRG nun die CVP und FDP bevorzugen wolle, antwortete de Weck mit Zurückhaltung: «Es entspricht weder meiner Aufgabe noch meinem Amtsverständnis, mich zu Sendungen zu äussern». Er berief sich stattdessen auf Grundsätze: «Unsere Aufgabe ist es, die politischen Verhältnisse zu spiegeln – und nicht, sie zu gestalten. SRG-Journalisten sollen die Polarisierung sachgerecht abbilden, aber nicht aus Lust am Spektakel zusätzlich zur Polarisierung beitragen.» Es sei aber Unsinn anzunehmen, dass die SRG Parteien, die einen eher konfrontativen Stil pflegen, zurückbinden wolle. Auf die Frage, ob er eine Konkurrenzsendung zur «Arena» begrüssen würde, wie sie derzeit von einigen Regionalsendern erwogen wird, reagierte de Weck gelassen: «Das würde mich freuen. Ich mag den Wettbewerb, allen tut er gut.»

Wettbewerb herrscht derzeit vor allem im Werbemarkt. Dies umso mehr, seit die SRG im Internet expandieren und online Werbung schalten will. Hier ist de Weck daran interessiert, mit den Verlegern einen Kurs zu finden. «Wir tun so, als sei Schweizer Medienpolitik ein Nullsummenspiel: Was die SRG gewinnt, verlieren die privaten Schweizer Medienhäuser – und umgekehrt. Dabei sind wir im globalen Massstab allesamt Liliputaner», so de Weck. Die grossen Konkurrenten der Medienhäuser seien heute Google und Facebook. Es läge daher im Interesse aller schweizerischen Medienhäuser, einander zu stärken, statt zu schwächen. Die Lösung sei mehr «Coopetition», Kooperation bei der Werbung und Kompetition beim Angebot, so de Weck.


Quelle:

Der Sonntag: Eine private «Arena» könnte in drei Monaten auf Sendung gehen. Kurt-Emil Merki in Der Sonntag, 30. Januar 2011, S. 27.

NZZ am Sonntag: «Aus der Parteipolitik halte ich mich raus». Interview mit Roger de Weck von Francesco Benini in: NZZ Online, 30. Januar 2011: http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/aus_parteipolitik_halte_ich_mich_raus_1.9271952.html

NZZ am Sonntag: Neue «Arena» soll in wenigen Monaten starten. Francesco Benini in: NZZ am Sonntag, 23. Januar 2011: http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/neue_arena_soll_in_wenigen_monaten_starten_1.9185138.html

NZZ am Sonntag: «Besser werden». Interview mit Rudolf Matter von Francesco Benini in: NZZ Online, 10. Oktober 2010:
http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/besser_werden_1.7928141.html


 
 

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