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27.01.2011
00:00

Cyber-Aktivisten in Ägypten blockiert


(SF/ROG/ja) Kaum war in Tunesien von der «digitalen Revolution» die Rede, folgen Cyber-Aktivisten dem Beispiel des tunesischen Aufstandes. Über Twitter, Facebook und andere soziale Netzwerke organisieren sich Aktivisten und Menschenrechtsvereinigungen dezentral zu Protestaktionen. Derweil versuchen die ägyptischen Behörden, den Zugang zum Mikroblogging-Dienst Twitter und zu den ägyptischen Facebook-Nutzern zu sperren. Auch bei Google und Gmail wurde zeitweise von Blockaden berichtet. Als Reaktion haben Hacker angekündigt, die Internetseiten der Regierung zu attackieren. Tatsächlich war die Website des Informationsministeriums vorübergehend nicht erreichbar.

Die unabhängige Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die verschärfte Internetzensur. «Die Behörden haben alles unternommen, um die Medien auf Distanz zu halten. Sie wollen die Verbreitung von Bildern von Demonstranten, die den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak fordern, verhindern», so ROG in einer Medienmitteilung vom 26. Januar. Bereits am Dienstag, 25. Januar habe man begonnen, den Zugang zu Twitter zu sperren, da sich viele Nutzer unter Nennung des Hashtags «#jan25» in ihren Tweets auf die Proteste bezogen haben. Am frühen Nachmittag waren sogar Teile der Mobilfunkkommunikation in Kairo blockiert. Betroffen waren Orte, an denen sich Demonstranten versammelt hatten. Und am Mittwoch waren die Seiten von Facebook je nach Internetprovider in Ägypten nicht erreichbar. «Viele ägyptische Dissidenten und Bürgerrechtsgruppen arbeiten seit Jahren mit Facebook, um Informationen zu verbreiten und Proteste zu organisieren», so ROG in der Mitteilung weiter.

Dass die ägyptische Regierung die Online-Aktivitäten blockiert, ist nicht neu. Ägypten steht seit mehreren Jahren auf der Liste der "Feinde des Intenets", wie ROG schreibt. Es ist von regelmässigen Festnahmen und von Schikanen und Drohungen gegenüber Bloggern die Rede.

Schikanen ausgesetzt sind nicht nur die Blogger, sondern auch die Journalisten der Presse und des Fernsehens: Vom Dienstag auf Mittwoch wurden rund 15 Journalisten, die über die Demonstrationen berichten wollten, von Polizei- und Sicherheitskräften angegriffen oder zeitweilig festgenommen. Unter den Betroffenen sind sieben Mitarbeiter der unabhängigen Tageszeitung «El Masri El Jum», ein Team von «Al-Dschasira», zwei Kameramänner und ein Tontechniker des Satelliten-Dienstleisters «Cairo News Company» sowie drei japanische Medienmitarbeiter der Fernsehstation «Asahi» und deren Fahrer. ROG verurteilt die Angriffe gegenüber Journalisten, die über die Demonstrationen in Kairo berichten wollten.


Quellen:

ROG: Ägypten: ROG verurteilt Angriffe gegen Journalisten während Demonstrationen und verschärfte Internetzensur. 26. Januar 2011: http://www.rsf-ch.ch/node/2573

SF: Nächtliche Proteste und Krawalle in Ägypten. 27. Januar 2011: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2011/01/27/International/Naechtliche-Proteste-und-Krawalle-in-Aegypten


 
 

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