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17.01.2011
00:00

SRG kündigt Internet-Offensive an


(ja) Die SRG will das multimediale Angebot im Internet weiter ausbauen. Dies sagen SRG-Generaldirektor Roger de Weck und SRF-Direktor Rudolf Matter in einem internen Video gegenüber der Belegschaft. «Der Sonntag» bekundet in seiner Ausgabe vom 16. Januar, dass ihm dieses interne Video vorliege. Laut Rudolf Matter stehe die SRG dazu, dass sie künftig multimedial sehr viel stärker im Internet präsent sein wolle. Zwar sei keiner einzigen Redaktion Stellen weggestrichen worden. «Aber die Leistungserwartung ist da», wird Matter im «Sonntag» zitiert. Die Redaktionen müssten künftig in der Lage sein, «mehr zu machen für die Vermittlung und Zurverfügungstellung von Programmen im Internet». Dies kommentiert «Der Sonntag» als «eine weitere Kampfansage an die Verleger». Diese würden die Ausbaupläne der SRG mit «Argusaugen» beobachten. «Schliesslich werden die Portale mit Gebührenmillionen finanziert». Ähnlich äussert sich auch der «Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller in seinem Kommentar: «Für die Konsumenten mag dieser Ausbau auf den ersten Blick erfreulich sein, politisch aber ist er hoch brisant, denn langfristig könnte er die Meinungsvielfalt in der Schweiz gefährden», kritisiert Müller die Ausbaupläne der SRG im Internet. «Die SRG kann sich dank ihren Gebührengeldern (1,1 Milliarden Franken pro Jahr) ein tolles Online-Portal leisten. Private Medienhäuser hingegen müssen das Geld erst auf dem Markt verdienen», so Müller. Zudem würden die meisten Internetportale der Zeitungen rote Zahlen schreiben.

Der Konflikt zwischen den privaten Medien und der gebührenfinanzierten SRG ist nicht neu. Er existiert, seit die SRG Hintergrundinformationen und Sendungen als Podcasts und Video-Streams im Internet bereitstellt (vgl. Arnold). Zwar ist hierzulande das Online-Angebot des Service-public-Senders im Vergleich zum Ausland eher zögerlich und in bescheidenem Ausmass erfolgt (vgl. Trappel 2006). Dennoch kritisieren die Verleger eine Marktverzerrung, da die SRG mit ihren gebührenfinanzierten Inhalten die kommerziellen Angebote im Internet mit ungleichen Spiessen konkurrenzieren würde.

Das Radio- und Fernsehgesetz, das 2005 revidiert wurde, hält fest, dass ein Online-Angebot der SRG zum Leistungsauftrag des Service-public-Senders gehöre, dass sie mit ihrem Angebot jedoch auf die übrigen Marktteilnehmer Rücksicht zu nehmen hätte. Zum Ausgleich wurde der SRG bis anhin Werbung auf den SRG-Portal verboten. Die SRG hat dieses Verbot jedoch mit Werbung im Vor- oder Abspann von Video-Streams immer wieder aufgeweicht. Im Dezember sagte der Bundesrat, dass er sich an seiner Sitzung vom 18. Juni 2010 im Grundsatz dafür ausgesprochen habe, dass die SRG im Online-Angebot Werbung platzieren könne. Eine definitive Zulassung solcher Werbung sei aber noch nicht erfolgt (vgl. Curia Vista). «Ein umfassendes Online-Angebot, finanziert mit Gebühren und womöglich bald noch mit Werbung, ist wettbewerbsverzerrend und droht die Privaten zu erdrücken», kritisiert Chefredaktor Patrik Müller in der aktuellen Ausgabe des «Sonntag».

 

Quellen:

Arnold Judith (2006): Service public Online im Spannungsfeld Schweiz, Deutschland und Grossbritannien im Vergleich. In: Medienheft Dossier Nr. 25: Service public Online, 18.07.2006, S. 25-37: http://www.medienheft.ch/uploads/media/d25_ArnoldJudith.pdf

Curia Vista: Online-Werbung der SRG. Antwort des Bundesrates vom 06.12.2010 auf die Frage von Leutenegger Filippo: http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20105506 

Der Sonntag: SRG-Chefs kündigen Internet-Offensive an. Sandro Brotz und Kurt-Emil Merki in Der Sonntag, 16.01.2011, S. 1.

Der Sonntag: Internes Video – Das haben die neuen Chefs vor. Sandro Brotz in Der Sonntag, 16.01.2011, S. 2-3.

Latzer, Michael et al. (2009): SRG Online Beobachtung - Konzessionskonformität von Webseiten und elektronischen Verbindungen. Studie im Auftrag von BAKOM – Bundesamt für Kommunikation. Zürich, August 2009. Verfügbar unter: http://www.bakom.admin.ch/themen/radio_tv/00509/01188/03240/index.html?lang=de

Netzwoche: Online-Werbung der SRG schadet Privatwirtschaft. 16.09.2010: http://www.netzwoche.ch/de-CH/News/2010/09/16/Online-Werbung-der-SRG-schadet-Privatwirtschaft.aspx

Trappel, Josef (2006): Service public Online – Grundlagen und Strategien Schweiz, Frankreich und Österreich im Vergleich. In: Medienheft Dossier Nr. 25: Service public Online, 18.07.2006, S. 16-24: http://www.medienheft.ch/uploads/media/d25_TrappelJosef.pdf


 
 

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