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17.01.2011
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Ruedi Matter: Schwarze Zahlen und mehr Polittalk bei SF


(ja) Ruedi Matter, erster Superdirektor des Deutschweizer Radio und Fernsehens, äussert sich in einem Interview gegenüber «Blick am Sonntag» ausführlich über seine Vorhaben im Jahr 2011. Darin kündigt er an, seit 2006 erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben zu wollen. 2009 betrug das Defizit der SRG 47 Millionen Franken und 2010 schon 75 Millionen Franken. Trotz rigoroser Sparmassnahmen will Matter das Programm des Schweizer Fernsehens gezielt ausbauen. Ein Schwerpunkt will er bei den Politiksendungen legen: «Die Politik wird im Wahljahr eine enorme Rolle spielen – bis zu den Bundesratsersatzwahlen im Dezember. Hierzu müssen wir mehr Recherchen abliefern. In den Schweizer Medien kommen Recherchen generell zu kurz», so Matter gegenüber «Blick am Sonntag». Darin ist Matter mit dem neuen SRG-Generaldirektor Roger de Weck einer Meinung.

De Weck hatte in der «NZZ am Sonntag» vor einer Woche sieben Leitlinien für den Service public formuliert, darunter die vermehrte Gewichtung der politischen Recherche: «Die SRG soll die politischen Verhältnisse spiegeln, nicht aber aus Lust am Spektakel selbst zur Polarisierung beitragen», so de Weck. Zwar verspreche das Bewirtschaften von Emotionen mehr Erfolg als das Bemühen, differenziert zu berichten und argumentativ zu debattieren. Umso wichtiger sei der Verfassungsauftrag an die SRG, sachgerecht zu informieren und so die Debatte zu versachlichen. Dabei bekennt sich de Weck zur Tradition der Aufklärung, zur Meinungsvielfalt und zur Kraft des besseren Arguments.

«Es gibt generell ein Bedürfnis nach mehr recherchierten Storys. Darum begrüsse ich Roger de Wecks Vorsatz», so Matter gegenüber «Blick am Sonntag». «Es wird mehr Raum für die Selbstdarstellung der Parteien geben. Aber der grösste Teil wird die journalistische Begleitung der Wahlen sein.» Laut Matter werde im Sommer die Polit-Talksendung zum Wahlherbst starten. Zudem bleibe die «Arena» am Freitagabend weiterhin auf Sendung. «Wer die Sendung moderiert, wird in den nächsten Wochen entschieden», so Matter. Neben den politischen Talksendungen will Matter auch die Auslandberichterstattung neu gewichten und ein Auslandmagazin einführen. Zudem denkt Matter darüber nach, wieder eine Soap im Stil von «Lüthi und Blanc» zu produzieren. Potential, die Kosten zu senken, sieht Matter in der Sportübertragung von Formel 1 Rennen oder Champions League: «Solche Events sind in der Tat teuer. Die Frage ist: Kann man sich als einzelner Sender alle verfügbaren Sportrechte noch leisten?» Die Übertragung der nächsten Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien steht jedoch nicht in Frage: «Die SRG hat bereits 2007 die TV-Rechte der Fussball-WM 2014 erworben», so Matter gegenüber «Blick am Sonntag».


Quellen:

Blick am Sonntag: TV-Boss will neue Schweizer Soap. Zum 1. Mal sagt der neue Chef vom Leutschenbach, was im TV und Radio anders wird. 16.01.2011, S. 2-3.

De Weck, Roger (2011): Sieben Leitlinien für die SRG. In: Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2011: http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/sieben_leitlinien_fuer_die_srg_1.8980508.html


 
 

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