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06.12.2010
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Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik


(ja) Die «Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik», kurz «zfkm», nimmt die ethischen Aspekte der Kommunikation in den Blick. Die Ausgabe 2010 ist der «Ethik der Kommunikationsberufe» gewidmet. Angesprochen sind damit alle Berufe, die kommunikativ in der Öffentlichkeit wirken wie Journalismus, Werbung und Public Relations. Ins Blickfeld gerückt werden aber auch weniger professionelle Kommunikationsformen wie Blogs und Profile im Social Web.

Die Digitalisierung ist nicht ohne Folgen auf die herkömmlichen Massenmedien geblieben. Beobachtet wird beispielsweise eine zunehmende Verflachung der Recherche, weil Quellen teils nur noch online beschafft werden. Die gute Nachricht wiederum lautet, dass neue Medien rasch die Fehler anderer Medien aufspüren und im Internet offenlegen können. Medienkritische Blogs wie bildblog.de sind zweifellos eine Chance für den medienethischen Diskurs. Karsten Weber und Ricarda Drüeke heben das Potenzial der neuen Medien hervor, jene Themen und Akteure in die öffentliche Kommunikation zu integrieren, die von den Massenmedien eher vernachlässigt werden. Ein Beispiel hierfür wäre die Plattform «Indymedia», die sich ausdrücklich als politisches Sprachrohr von Gegenbewegungen zum Mainstream versteht. Eine solche erweiterte Öffentlichkeit birgt allerdings auch die Gefahr der Zersplitterung, was einer Fokussierung der öffentlichen Wahrnehmung wiederum abträglich ist. Unter anderem führt eine Kleinteilung der Öffentlichkeit dazu, dass sich die Menschen online nur noch in den eigenen Kreisen bewegen, die ihre bereits vorhandenen Meinungen bestätigen. Eine Wahrnehmung anderer Perspektiven und ein Austausch von Meinungen findet auf diese Weise immer weniger statt. Zudem halten sich weniger oder nicht professionelle Kommunikatoren kaum an die Standards eines Presserates oder einer Lauterkeitskommission. Ethisch problematische Inhalte häufen sich daher, je mehr unprofessionelle Kommunikatoren sich zu Wort melden. Das zeigt sich nicht zuletzt an den teils persönlichkeitsverletzenden Kommentaren in Blogs oder an den selbstdiskreditierenden Darstellungen im Social Web.

Wie Monika Taddicken ausführt, ist zwar die Selbstoffenbarung, also die Preisgabe privater Informationen, ein Kernbestandteil sozialer Interaktion, sie kann aber auch Angriffsfläche für Mobbing bieten. Und je mehr man im Social Web über sich preisgibt, desto mehr steigt die Vulnerabilität. «Die Verlagerung der Kommunikation ins digitale Netz hat zur Folge, dass die Zugänglichkeit der selbstoffenbarten Informationen über Raum und Zeit hinweg drastisch erhöht wird…», so Taddicken. Mit der Zeit kann dies zu einem Kontrollverlust über die persönlichen Informationen führen – mit unabsehbaren Folgen für die Betroffenen. Eine Statusmeldung bei Twitter, nicht zu Hause zu sein, zusammen mit einer Adressangabe in einem Sozialen Netzwerk, kann für Kriminelle geradezu eine Einladung bedeuten, zu Hause einzubrechen. Unabsehbar sind aber auch die Folgen, wenn Informationen, die zunächst für den engsten Familienkreis gedacht waren, zunehmend auch weitere Kreise z.B. in der Arbeitswelt erreichen. Denn je nach Kontext erhalten Informationen einen anderen Stellenwert – und oft auch Bedeutungen, der gar nicht beabsichtigt waren. Zwar führt die computervermittelte Kommunikation allgemein zu einer gewissen Freizügigkeit im Umgang mit persönlichen Informationen. Doch je weniger Kontrolle über den Kreis der Empfänger besteht, desto weniger lassen sich die Folgen von Kommunikation abschätzen.

Diese und weitere Beiträge sind nachzulesen in der «Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik» (zfkm), die einmal jährlich vom Institut für Informations- und Kommunikationsökologie e.V. (IKÖ) herausgegeben und vom LIT Verlag vertrieben wird. Der Zeitschrift zugrunde liegt die jährliche Tagung des Netzwerks Medienethik, die jeweils gemeinsam mit der Jahrestagung der Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft DGPuK durchgeführt wird. Im Jahr 2010 ist die Zeitschrift bereits zum 12. Mal erschienen und basiert auf der gleichnamigen Tagung «Ethik der Kommunikationsberufe», die am 18. und 19. Februar 2010 an der Hochschule für Philosophie in München stattgefunden hat. Weitere Themen der zfkm waren bisher u.a. «Web 2.0. Neue Kommunikations- und Interaktionsformen als Herausforderung der Medienethik» (2009), «Ethische und normative Dimensionen der politischen Kommunikation» (2008), «Europäische Medienethiken» (2007) und «Bildethik» (2006). Die nächste Tagung des Netzwerks Medienethik und der DGPuK-Fachgruppe Kommunikations- und Medienethik wird am 17. und 18. Februar durchgeführt und thematisiert das Verhältnis von «Medien- und Zivilgesellschaft».


Links:

Jahrestagung Netzwerk Medienethik 2011:
http://www.netzwerk-medienethik.de/jahrestagung/Tagung2011/

«Zeitschrift für Kommunikationsökologie und Medienethik» (zfkm):
http://www.netzwerk-medienethik.de/jahrestagung/dokumentation-der-jahrestagungen-des-netzwerks-medienethik/


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
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