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22.10.2010
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Internet: Zwölf Prozent der Kinder machen schlechte Erfahrungen


(ja) Die Europäische Union hat eine aktuelle Studie präsentiert, die das Nutzungsverhalten von Kindern im Internet untersucht. Dazu wurden über 23’000 Kinder zwischen neun und 16 Jahren aus 25 europäischen Ländern zu ihrer Online-Nutzung befragt. Ergebnis: «Das Internet nimmt heute einen zentralen Stellenwert im Leben der Kinder überall in Europa ein», bilanziert Sonia Livingstone, Professorin für Kommunikationswissenschaft und Leiterin der Studie. Demnach würden die Kinder das Internet für vielfältige Aktivitäten nutzen, um Hausaufgaben zu machen, zu spielen, Videos anzuschauen oder um Nachrichten zu versenden.

Kritische Bilanz: Zwölf Prozent der Kinder machen laut Studie mit dem Internet schlechte Erfahrungen. Insgesamt 39 Prozent der Kinder seien bereits einem oder mehreren Online-Risiken begegnet, darunter Pornographie, Mobbing im Internet (genannt Online oder «Cyber Bullying»), Belästigung mit sexuellen Nachrichten oder Bildern (genannt «Sexting») oder Missbrauch persönlicher Daten. Kinder in Estland, Litauen, Tschechien und Schweden seien dabei am meisten gefährdet, solche negativen Erfahrungen zu machen. Am wenigsten gefährdet seien Kinder in der Türkei, in Portugal und in Italien.

Unabhängig von negativen Erfahrungen im Internet würden die Kinder unterschiedlich darauf reagieren. Unangenehm davon berührt fühlten sich laut Studie vor allem Kinder aus Dänemark (26%), Estland (25%), Rumänien und Schweden (je 21%). Weniger davon betroffen fühlten sich Kinder aus Italien (6%), Portugal (7%) und Deutschland (8%). Laut Professor Uwe Hasebrink, Direktor des Hans-Bredow-Instituts, machen nur acht Prozent aller Kinder in Deutschland negative Erfahrungen mit dem Internet, was unter dem europäischen Durchschnitt liegt. «Damit sind sie weniger gefährdet, nutzen aber auch die Chancen des Internets nur in begrenztem Masse», so Hasebrink.

«Obwohl es beunruigend ist, dass einige Kinder negative Erfahrungen machen, müssen die Risiken gegen die Vorteile abgewogen werden», findet auch Sonia Livingstone, Leiterin und Co-Autorin der Studie. Handlungsbedarf bestehe vor allem im Elternhaus. So hat die Studie gezeigt, dass sich viele Eltern nicht der Online-Risiken bewusst seien und die Kinder nur unzureichend im Internet begleiten würden. Zum Beispiel behauptete rund die Hälfte der Eltern jener Kinder, die bereits einmal online gemobbt wurden, dass ihrem Kind Derartiges noch nie passiert sei. «Künftige Massnahmen zur Förderung eines sicheren Umgangs mit dem Internet sollen sich daher insbesondere an diese Gruppe richten», fordert Uwe Hasebrink, der die Studie für Deutschland durchgeführt hat.


Quellen:

Hans Bredow Institut (2010): Jedes achte Kind macht im Internet schlechte Erfahrungen. In: http://www.hans-bredow-institut.de/de/leitartikel/jedes-achte-kind-macht-im-internet-schlechte-erfahrungen

Livingstone, Sonia / Haddon, Leslie et al. (2010): Risks and safety on the internet. The perspective of European children. Initial findings from the EU Kids Online. Herausgegeben von der Europäischen Union in Kooperation mit der London School of Economics and Political Science.
survey of 9-16 year olds and their parents: http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/520 

London School of Economics and Political Science (2010): EU Kids Online: http://www2.lse.ac.uk/media@lse/research/EUKidsOnline/Home.aspx


 
 

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