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15.09.2010
00:00

Service public im privaten Regional-Fernsehen


(ja) Die regionalen Fernsehsender, die laut Konzession einen Beitrag zum regionalen Service public leisten sollen, erfüllen ihren Leistungsauftrag unterschiedlich. Zu diesem Schluss kommt das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) gestützt auf eine Studie, die von der Universität Fribourg im Auftrag des BAKOM durchgeführt wurde. Demnach schwankt der Umfang der regionalen Nachrichtensendungen zwischen zwölf und 26 Minuten abzüglich Wetter-, Sport- und Börsennachrichten. Am geringsten ist der Umfang der Kernnachrichten beim Sender «Léman Bleu», am grössten bei «TeleTicino». Der Tessiner Sender ist auch Spitzenreiter, wenn es um den Anteil von Hardnews geht. Ganze 50 Prozent der wöchentlichen Sendezeit von «TeleTicino» entfallen auf die Politik. Mit fast 100 Prozent regionalen Nachrichten wird der Tessiner Sender auch dem Anspruch gerecht, einen Service public für die Region zu leisten. Ebenfalls einen hohen Regionalbezug haben «Canal 9 /Kanal 9», «Tele Basel» und «Tele Bielingue», bei denen fast 90 Prozent der Nachrichten aus der Region stammt. Auch was die Aktualität anbelangt, gehört der Tessiner Privatsender zu den besten: 60 Prozent der Nachrichten von «TeleTicino» sind tagesaktuell. Dieser hohe Anteil wird nur vom Sender «Léman Bleu» übertroffen mit 64 Prozent, gefolgt von «TeleM1» mit 61 Prozent. Letzterer kann jedoch wenig punkten, wenn es um Hardnews geht. Gut 60 Prozent der wöchentlichen Sendezeit von «Tele M1» wird für Human-Touch-Themen aufgewendet. Zudem berichtet «Tele M1» häufig über nationale und internationale Themen, was auf Kosten des regionalen Service public geht. So haben bis zu 25 Prozent der Sendezeit und rund die Hälfte aller Beiträge auf «Tele M1» keinen Bezug zum Sendegebiet.

Mangelnder Regionalbezug, zu viele Human-Touch-Themen und zu wenig Aktualität entsprechen nicht dem Leistungsauftrag der konzessionierten Privatsender, die im Gegenzug zu den erhaltenen Gebührengeldern verpflichtet sind, einen regionalen Service public zu leisten. Entsprechend kritisch fällt das Urteil des BAKOM zur Freiburger Studie aus: «Insgesamt betrachtet leistet die regionalen Fernsehsender zwar einen Beitrag zum regionalen Service public. Die sendespezifischen Unterschiede sind jedoch gross. So ist z. B. ein Berichterstattungsanteil von über 50 Prozent an Human-Touch-Themen im Lichte des Leistungsauftrags problematisch. Gleiches gilt für die Ausstrahlung von überwiegend nicht tagesaktuellen Beiträgen.» Das BAKOM will nun die Resultate dieser ersten Programmbeobachtungsstudie mit den Verantwortlichen diskutieren. Ziel dieser Gespräche sei es, die problematischen Punkte mit den Veranstaltern zu analysieren und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. «Aufsichtsrechtliche Schritte werden erst ins Auge gefasst, wenn sich auf Dauer keine Verbesserungen einstellen sollten», so das BAKOM in seiner Medienmitteilung weiter. Das Gesetz sieht für solche Fälle Massnahmen vor, die von einer formellen Feststellung einer Konzessionsverletzung über die Kürzung von Gebührenanteilen bis hin zum Konzessionsentzug reichen können.


Quelle:

BAKOM (2010): Service public im privaten Regional-TV unterschiedlich umgesetzt. Medienmitteilung vom 15.09.2010.


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
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