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16.09.2010
00:00

Ständerat sagt ja zum Medienführerschein


(ja) Porno auf dem Pausenhof, Mobbing auf Facebook, Spam in der Mailbox: Die Herausforderungen der Medienwelt macht vor Schule und Kinderzimmer keinen Halt. «Jugendliche den gezielten Umgang mit neuen Medien lehren» fordert daher eine Motion von FDP-Nationalrat Rolf Schweiger. Am 16. September hat der Ständerat diese Motion angenommen. Wird sie auch vom Nationalrat gutgeheissen, steht bald das Fach «Medienkompetenz» auf dem Stundenplan. Die Motion Schweiger will, dass Kinder und Jugendliche in der Volksschule frühzeitig und stufengerecht Unterricht in Medienkompetenz erhalten und dabei einen «Medienführerschein» erwerben. Dieser Unterricht soll modular aufgebaut sein und unabhängig von den übrigen Schulfächern angeboten werden. Mit der Erwerbung eines so genannten «Medienführerscheins» sollen die Schülerinnen und Schüler ausweisen, dass sie einen kompetenten Umgang mit den jeweiligen Medien gelernt haben. Die Medienkompetenz soll dabei Computer, CD-ROM und DVD, Internet, Video- und Computerspiele, aber auch klassische Medien wie Film und Fernsehen umfassen.

Nationalrat Schweiger begründet sein Anliegen mit den gestiegenen Anforderungen, Informationen zu verarbeiten. Der verantwortungsvolle Umgang mit Medien sei daher zu einer Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts geworden. «Kinder und Jugendliche werden in der heutigen Zeit verstärkt mit den Informationen und Inhalten der Medien konfrontiert Dies stellt eine ausserordentliche Herausforderung dar, zumal nicht zu jedem Zeitpunkt eine erziehungsberechtigte Person anwesend sein kann.» Ziel sei es, dass Kinder und Jugendliche souverän und eigenverantwortlich mit den Chancen umgehen könnten, die ihnen die neuen Medien bieten würden. Und weiter: «Im Umgang mit den modernen Medien können durch gezielte Förderung und Sensibilisierung der Kinder und Jugendlichen die Herausforderungen und Probleme besser behoben werden als durch einfache Verbote», so Schweiger in seiner Motion.

Der Bundesrat ging in seiner Antwort vom 12. Mai zwar mit dem Motionär einig, dass der Medienkompetenz heute eine grosse Bedeutung zukomme, er sieht jedoch keinen weiteren Handlungsbedarf: Die Schule habe im Lehrplan 21 bereits entsprechende Schwerpunkte gesetzt. Zudem sei es Sache der Eltern, Leitplanken zu setzen. Die Volksschule könne hier nur aufklärend und unterstützend wirken. Die Einführung eines «Medienführerscheins» würde aber kaum verhindern können, dass sich Kinder und Jugendliche mit sogenannt gefährlichen Inhalten konfrontieren bzw. solche konsumieren.

In der Herbstsession ist der Ständerat nun aber mit 22 zu 14 Stimmen der Motion Schweiger gefolgt. Unterstützung fand die Motion laut Schweiger bereits im Vorfeld in Fachkreisen, unter anderem von Beat Zemp, dem Präsidenten des Lehrerverbandes, von Christian Doelker, emeritierter Professor für Medienpädagogik, von Thomas Merz-Abt, Leiter Medienbildung der Pädagogischen Hochschule Zürich, und von Pro Juventute. Überzeugt hat den Ständerat auch die Tatsache, dass in Bayern das Konzept des Medienführerscheins bereits erfolgreich in die Volksschule integriert wurde: «Von den bayrischen Schülern wird der Medienführerschein nicht als Last empfunden, er ist für sie vielmehr Ansporn, er weckt ein sportähnliches Engagement und ist für sie auch Ausdruck für Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit einer für ihr ganzes Leben zentralen Sache», argumentierte Schweiger  im Ständerat.

 

Quellen:

Schweiger, Rolf (2010): Jugendliche den gezielten Umgang mit neuen Medien lehren. Motion 10.3256. In: Curia Vista – Geschäftsdatenbank, 19.03.2010: http://www.parlament.ch/D/Suche/Seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20103256

Amtliches Bulletin (2010): Ständerat – Herbstsession 2010. 10.3256 – Motion Schweiger Rolf. Jugendliche den gezielten Umgang mit neuen Medien lehren: http://www.parlament.ch/ab/frameset/d/s/4815/334071/d_s_4815_334071_334103.htm


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
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