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12.07.2010
00:00

Kinderfernsehen zeigt verzerrte Bilder


(ja) Das Fernsehen hat grossen Einfluss auf das Weltbild von Kindern. Es ist daher wichtig, dass Kinderprogramme auf die Alltagserfahrungen von Jungen und Mädchen zugeschnitten sind und ihnen Möglichkeiten zur Identifikation bieten. Dies ist jedoch nicht in allen Regionen der Welt der Fall.

Im Rahmen des Kinderfernseh-Festivals «Prix Jeunesse» von Ende Mai bis Anfang Juni in München wurden verschiedene Formate gezeigt und internationale Studien zum Kinderfernsehprogramm weltweit vorgestellt. Dabei hat sich gezeigt, dass die Geschichten, Hauptfiguren und Werte, die im Kinderfernsehen vermittelt werden, von der grossen Traumfabrik Hollywoods geprägt sind. Die US-amerikanische Kultur jedoch, die sich darin widerspiegelt, ist nicht mit der Lebenswelt der Kinder in Afrika oder Lateinamerika vergleichbar. Südafrika beispielsweise hat eines der «weissesten Kinderprogramme weltweit», kritisierte die Festivalleiterin Maya Götz. Der Grund dafür ist, dass im globalisierten TV-Markt wenige Eigenproduktionen hergestellt und stattdessen viele Formate eingekauft werden. «Nur 15 Prozent der Weltbevölkerung sind Weisse, aber im Kinderfernsehen weltweit haben sie einen Anteil von 72 Prozent», so Götz. Ebenfalls überrepräsentiert seien Jungen sowie Kinder aus der wohlhabenden Mittelschicht. Lediglich China zeige mehr asiatische als mitteleuropäische Figuren im Kinderprogramm. Denn dieses wird zum grössten Teil in der Volksrepublik selbst hergestellt.

Am Festival gezeigt wurden auch die guten Beispiele: Der Themenpreis des Festivals erhielt die kolumbianische Produktion «La Lleva», eine Filmreihe, die Kinder aus unterschiedlichen Kulturen des lateinamerikanischen Kontinenten zusammenführt. Ein Junge aus der Hauptstadt Bogotá, der seinen Glauben an Gott lebt und als Messdiener arbeitet, bekommt Besuch von einem dunkelhäutigen Freund aus der Karibik, der sich zuerst betont cool gibt. Sie besuchen gemeinsam einen Gottesdienst und der zunächst skeptische Freund gewinnt neue Erfahrungen. Die Jury begründet ihre Wahl mit der alltagsnahen Geschichte, in der sich jedes Kind wieder finden könnte.


Quelle:

Bärbel, Röben (2010): Nicht alle Kinder lachen über Tortenschlachten – Gutes Kinderfernsehen spiegelt den Alltag von Jungen und Mädchen. In: Welt-Sichten, Nr. 7, S. 48: http://www.welt-sichten.org/artikel/art-07-010/nicht-alle-kinder-lachen-ueber-tortenschlachten.html


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
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