Artikelsuche

Nach Stichwort


Nach Autor


Nach Rubrik


Nach Jahr


14.07.2010
00:00

Die Katholische Kirche erhält «Verschlossene Auster»


(nr/epd/ja) Der Negativpreis «Verschlossene Auster», die von der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche an den «Informationsblockierer des Jahres» vergeben wird, geht 2010 an die katholische Kirche für ihren Umgang mit dem Missbrauchsskandal.

Das Netzwerk Recherche begründet ihren Entscheid wie folgt: «Die Deutschen Bischöfe geben bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle nur die Tatsachen zu, die sich nicht mehr leugnen lassen. Die katholische Kirche respektiert den Anspruch der Öffentlichkeit auf frühzeitige und vollständige Information nicht und widerspricht damit ihren eigenen Werte-Postulaten nach Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit», sagte Prof. Dr. Thomas Leif, Vorsitzender des Netzwerks Recherche. «Jahrzehntelang wurde geschwiegen, pädophile Pfarrer wurden trotz bekannter Fälle des sexuellen Missbrauchs immer wieder geschützt», so das Netzwerk Recherche in einer Pressemitteilung. «Die Täter missbrauchten nicht nur die Körper und Seelen ihrer Opfer, sondern auch ihre Machtpositionen. Den Aussagen der missbrauchten Opfer wurde weniger Glauben geschenkt als den Priestern. Die Täter, die als Pfarrer autoritäre Instanzen sind, konnten auf diese Weise ein Schweigekartell errichten, das von der Kirche geduldet wurde.»

Einen Hauptvorwurf richtet das Netzwerk Recherche, das sich für die Medien- und Meinungsfreiheit sowie für das Recht der Öffentlichkeit auf Information einsetzt, auf die mangelnde Kommunikation und den blockierten Umgang der katholischen Kirche mit den Medien. «Die katholische Kirche zeigte trotz vieler Medienberichte nur selten Bereitschaft zur Aufklärung: stattdessen wurden recherchierende Journalisten behindert und Berichterstattung sogar mit rechtlichen Mitteln – Abmahnungen und Unterlassungserklärungen – verhindert», so das Netzwerk Recherche in seiner Kritik. Erst als der Skandal nicht mehr nur als «bedauerliche Einzelfälle» zu leugnen gewesen wäre, habe die katholische Kirche reagiert, wenn auch meist zögerlich und zaghaft. Trotz massiven Forderungen aus Politik und Öffentlichkeit nach einer rückhaltlosen Aufklärung und Bestrafung der Täter, habe die katholische Kirche an einer internen Aufarbeitung festgehalten. «Die innerkirchlichen 'Aufklärungs'-Maßnahmen behindern bis heute in manchen Fällen sogar die staatsanwaltlichen Ermittlungen», so das Netzwerk Recherche. Statt Aufklärung zu leisten, hätten die Kirchenvertreter auf die Berichterstattung mit Medienschelte reagiert.

Den Negativpreis nahm Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, entgegen und sagte, dass sich die Kirche der Kritik stellen werde. «Wir haben Kommunikationsfehler gemacht», so Kopp. Die Auszeichnung sei eine kritische Würdigung für die gesamte Institution Kirche, die sich im Zuge des Missbrauchsskandals in der grössten Krise seit 1945 befinde. «Wir haben zu lange uns schützend vor die Täter gestellt und nicht nach den Opfern geschaut», so Kopp. Der überwiegende Teil der durch die Medien geäusserten Kritik sei berechtigt gewesen.

 

Quellen:

Netzwerk Recherche e. V. (nr): «Verschlossene Auster» geht an die katholische Kirche – Bischofskonferenz nimmt die Auszeichnung für die Informationsblockade entgegen:
http://jahreskonferenz.netzwerkrecherche.de/

epd medien (2010): Katholische Kirche erhält Negativpreis «Verschlossene Auster». In: epd medien Nr. 54, S. 16, 14.07.2010


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
Impressum: Judith Arnold, Redaktion Medienheft, Badenerstrasse 69, 8026 Zürich
Website © Medienheft: www.medienheft.ch