Artikelsuche

Nach Stichwort


Nach Autor


Nach Rubrik


Nach Jahr


08.06.2010
00:00

Mediengewalt und Social Networks senken das Mitgefühl


(ja) Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität von Michigan, USA, zeigt, ist das Mitgefühl der College-Studenten in den letzten 20 bis 30 Jahren um ca. 40 Prozent gesunken. Dramatisch ist die Entwicklung seit der Jahrtausendwende: «We found the biggest drop in empathy after the year 2000», wie Sara Konrath, eine Wissenschaftlerin des Forschungsteams, feststellt. Der Standardtest zur Messung der Empathiefähigkeit wurde unter 14'000 Probanden während der letzten 30 Jahre durchgeführt. Den Ergebnissen zufolge bemühen sich die Studierenden heute weniger, die Sichtweise anderer einzunehmen, und verspüren weniger Mitgefühl für Schwächere. So stimmen die befragten Studierenden im Vergleich zu Gleichaltrigen in den späten 70er Jahren weniger solchen Statements zu wie «I sometimes try to understand my friends better by imagining how things look from their perspective» oder «I often have tender, concerned feelings for people less fortunate than me».

Die Studie erklärt die Abnahme der Empathiefähigkeit unter anderem mit dem Konsum von medialer Gewalt in Videospielen. Denn die Studierenden von heute sind mit Unterhaltungselektronik aufgewachsen und waren demzufolge mehr Mediengewalt ausgesetzt als die Jugendgeneration in den 80er und 90er Jahren. Und wie eine weitere Studie der Universität Michigan zeigt, wird bei der regelmässigen Wahrnehmung von Mediengewalt die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen, abgestumpft. Als weitere Ursache für die Verminderung der Empathiefähigkeit wird das Aufkommen der Social Media betrachtet. Die Leichtigkeit, in Social Networks Freundschaft zu schliessen und bei Problemen einfach abzuschalten, könnte gemäss der Studie die Sozialkompetenz beeinträchtigen. Als dritte Ursache genannt wurde das soziale Klima in einer zunehmend kompetitiven Gesellschaft, die hohe Erwartungen an Erfolg stellt, was auch von Reality Shows noch verstärkt werde. Die Fähigkeit, einander zuzuhören sei in diesem sozialen Umfeld kaum mehr gefragt. Laut Konrath, die auch mit der Psychiatrie-Abteilung der University of Rochester zusammenarbeitet, würden die heutigen College-Studenten als «Generation Me» bezeichnet, da sie so selbstbezogen, narzisstisch, kompetitiv, selbstbewusst und individualistisch sei wie keine Generation der jüngeren Vergangenheit. Vorgestellt wurden die Forschungsergebnisse an der Universität Boston anlässlich des jährlichen Kongresses der «Association for Psychological Science».


Quelle:

University of Michigan (2010): Empathy: College students don't have as much as they used to. 27 May 2010: http://www.ns.umich.edu/htdocs/releases/story.php?id=7724

 


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
Impressum: Judith Arnold, Redaktion Medienheft, Badenerstrasse 69, 8026 Zürich
Website © Medienheft: www.medienheft.ch