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18.05.2010
00:00

Roger de Weck ist neuer Generaldirektor der SRG SSR


(SF/ja) Der neue Generaldirektor der SRG SSR idée suisse heisst Roger de Weck. Er wurde vom Verwaltungsrat überraschend gewählt und heute Dienstag, 18. Mai 2010, von der Delegiertenversammlung bestätigt. «Ich freue mich auf die grosse Aufgabe, in die ich meine Erfahrungen aus unterschiedlichen Medien einbringen kann», erklärte Roger de Weck nach seiner Wahl. «In unserem viersprachigen Land hat die SRG SSR den staatspolitischen Auftrag, zum eidgenössischen Zusammenhalt und zur politischen und gesellschaftlichen Meinungsbildung beizutragen. Das ist Service public und service au public.» Diese Verpflichtung wolle er mit Respekt annehmen. Roger de Weck wird sein Amt am 1. Januar 2011 antreten als Nachfolger von Armin Walpen, der 14 Jahre Generaldirektor der SRG SSR war.

«Ein Glücksfall»

An der Medienkonferenz erklärte VR-Präsident Jean-Bernhard Münch, dass der Verwaltungsrat und die Delegiertenversammlung eine integere Persönlichkeit als Generaldirektor gewählt habe, die über weit reichende publizistische und wirtschaftliche Kompetenzen verfüge, um dieses Amt auszufüllen. Mit seiner Affinität zu gesellschaftspolitischen Themen und seiner Verwurzelung in der Schweizer Politik, Wirtschaft und Kultur werde de Weck die SRG beleben. Seine Führungsqualitäten habe der 56-Jährige und einstige Absolvent der HSG unter anderem als Mitglied der Tamedia-Konzernleitung und als Präsident des Stiftungsrats Institut de hautes études internationales et du développement Genf unter Beweis gestellt. In diesen Aufgaben habe er auch seine Fähigkeiten im Change Management ausgewiesen. Zudem verfüge de Weck als ehemaliger Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und der «Zeit» über eine breite publizistische Erfahrungen, die er seit einigen Jahren auch im Schweizer Fernsehen als Moderator einbringe. Münch betrachtet es als Glücksfall, dass man de Weck für dieses Amt habe gewinnen können.

Überraschende Wahl

Die Wahl von Roger de Weck als neuen SRG-Generaldirektor kommt überraschend. Über Wochen wurde über die Nachfolge von Armin Walpen spekuliert. Das Auswahlverfahren sei sorgfältig und unter strengem Persönlichkeitsschutz geführt worden, so VR-Präsident Münch. Insgesamt hätten sich 21 Kandidaten um das Amt beworben. Davon wurden sechs Kandidaten in die engere Auswahl gezogen und dem Ausschuss präsentiert. Vier Kandidaten wurden nochmals eingeladen und zwei davon zum Assessment eingeladen. Schliesslich fiel die Wahl auf Roger de Weck. Wer der zweite Kandidat war, wollte Münch an der Pressekonferenz nicht preisgeben: «Der Datenschutz der Personen, die für das Amt kandidiert haben, bleibt weiterhin gewahrt», so der Verwaltungsratspräsident.

Grosse Pläne trotz Defizite

Roger de Weck wandte sich daraufhin zuerst in Französisch, dann in Deutsch an die Medien. Aufgewachsen in zwei Sprachkulturen sei ihm als neuem Generaldirektor der SRG SSR die Verständigung zwischen den Landesteilen ein Anliegen. «Der Service public ist wichtig für den demokratischen Diskurs», so de Weck, der als Moderator der «Sternstunden» selber schon seit vielen Jahren aktiv zu diesem Diskurs beitrage. Die Medien würden sich in einem Wandel befinden. Und die Art und Weise der Mediennutzung würde sich verändern. Als Publizist des Wortes werde er sich nun mit der Zusammenführung von Ton und Bild beschäftigen, wobei es gelte, die Finanzierung der Programme sicherzustellen. Als Herausforderung nannte er die Finanzen. «Mit roten Zahlen kann man keine rosa Zukunft bestreiten», so de Weck über den Haushalt der SRG SSR, die seit Jahren Defizite schreibt. Entgegen der oft gehörten Kritik der Presse sei das Unternehmen jedoch modern geführt. Zudem sei die SRG mit ihren Trägerschaften in den verschiedenen Regionen breit abgestützt. «Das motiviert mich, in diesem Kontext zu arbeiten», so de Weck.

Es geht um den Standort Schweiz

Auf die Frage von Journalisten, ob er nun zu einer Versachlichung der politischen Diskussion im Schweizer Fernsehen beitragen wolle, antwortete de Weck mit dem Leistungsauftrag der SRG, welche primär die Akzeptanz in den Zielpublika anzustreben habe und nicht Marktanteile verfolgen solle. Auf die Bemerkung hin, dass er von bürgerlicher Seite vermutlich mit einem «Linksvorwurf» zu rechnen habe, blieb de Weck gelassen. Er gehöre keiner Partei an und sei Wechselwähler, was er auch weiterhin zu bleiben gedenke. Und als Publizist mit Leib und Seele werde er sicher auch weiterhin vor der Kamera anzutreffen sein. Zum Programm wollte er sich vor Amtsantritt noch nicht äussern. Auch die Frage, wie er das Verhältnis der SRG zur Presse pflegen wolle, liess er offen. Doch es wurde deutlich, dass de Weck in gewohnt grossen Zügen denkt: «Es geht letztlich um die Gestaltung der gesamten Medienlandschaft im Interesse der Schweiz. Wir sind als Ganzes gesehen ein Standort Schweiz. Es sollte daher nicht um Verteilungskämpfe gehen, sondern um die Ausgestaltung eines Standortes Schweiz gegenüber einer grossen internationalen Konkurrenz. Die SRG ist gross in der Schweiz, aber winzig in der Welt.»

Die SRG SSR hat sechs regionale Unternehmenseinheiten, rund 6000 Beschäftigte, davon rund 5000 Vollzeitstellen, etwas acht Fernsehprogramme in allen Sprachregionen. Derzeit hat die SRG SSR mit einer Unterdeckung von jährlich 54 Millionen zu kämpfen. Der Bundesrat wird voraussichtlich noch vor der Sommerpause entscheiden, ob die Radio- und Fernsehgebühren angepasst werden. VR-Präsident Münch kündigte an, Roger de Weck noch vor seinem Amtsantritt im Januar 2011 in diesen Prozess einzubeziehen.

 

Quellen

SF (2010): Der neue SRG-Chef heisst Roger de Weck. 18. Mai 2010: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/05/18/Schweiz/Der-neue-SRG-Chef-heisst-Roger-de-Weck

SF (2010): Roger de Weck: «Keine rosa Zukunft mit roten Zahlen». 18. Mai 2010: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/05/18/Schweiz/Roger-de-Weck-Mit-roten-Zahlen-hat-man-keine-rosa-Zukunft

SF (2010): Wahl des neuen SRG-Chefs spaltet Parteien. 18. Mai 2010: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/05/18/Schweiz/Wahl-des-neuen-SRG-Chefs-spaltet-Parteien


 
 

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