Artikelsuche

Nach Stichwort


Nach Autor


Nach Rubrik


Nach Jahr


13.06.2008
00:00

Presserat stützt Berichte über pädophile Priester


(ja) Wie der Presserat am 13. Juni an seiner Jahreskonferenz in Bern bekannt gab, hält er die Berichterstattung über einen mutmasslich pädophilen Priester gerechtfertigt, der sich nach zahlreichen Medienberichten Anfang Jahr das Leben genommen hat. Der Missbrauchsfall aus den 80er Jahren war bereits zum Zeitpunkt seiner Anklage 2001 verjährt, weshalb die Behörden nicht darauf eingetreten sind. Innerhalb der katholischen Kirche reagierte man mit einer Versetzung des beschuldigten Priesters von Freiburg nach Neuenburg, wo keine weiteren Vorfälle bekannt wurden. Zwei psychiatrische Gutachten kamen zum Schluss, dass sich der Priester im Griff habe. Nach Bekanntwerden des Vorwurfs jedoch berichteten mehrere Medien vor allem in der Westschweiz über diesen und andere Vorfälle von Pädophilie in der katholischen Kirche. Zudem rief ein privater Blogger dazu auf, die Identität des beschuldigten Priesters aufzudecken. Dieser nahm sich in der Folge das Leben. Als Grund nannte er in seinem Abschiedsbrief die „mediale Jagd“, die er nicht länger ertragen habe. Der Presserat, der diese Kritik aufgegriffen hat, kommt nun zum Schluss, dass die Medien angemessen über das Thema berichtet hätten. Zwar hätten beschuldigte oder verurteilte Personen das Recht, dass sie nach einer gewissen Zeit von den Medien in Ruhe gelassen würden. Ein Recht auf Vergessen gälte aber nicht absolut. Im Fall des Neuenburger Priesters habe ein Zusammenhang zwischen dem Strafverfahren und der aktuellen priesterlichen Tätigkeit in einer Kirchgemeinde bestanden, weshalb ein öffentliches Interesse vorhanden gewesen sei, so Dominique von Burg, Präsident des Presserats. Die katholische Kirche sei zudem nicht unschuldig daran, dass eine gewisse Dynamik entstanden sei, da die Kirche die pädophilen Vorfälle marginalisiert oder sogar unter Stillschweigen verdeckt hätte. Gerade bei der katholischen Kirche, die sich eine besondere moralische, soziale und pädagogische Autorität zuschreibe, bestehe ein Interesse der Öffentlichkeit darüber, wie diese Institution mit dem Verdacht auf pädophile Handlungen von Priestern umgehe, so von Burg. Im fraglichen Fall hätten die Westschweizer Medien eine Grundfrage aufgegriffen und eine Diskussion ausgelöst, die nicht in einen reinen „Sensationsjournalismus“ gemündet hätte. Die Medien hätten verhältnismässig berichtet und auch die Identität des Priesters diskret behandelt. Kritisch bewertete von Burg hingegen den Westschweizer Blogger, der zu einer eigentlichen Treibjagd gegen den verdächtigten Priester aufgerufen habe. Zwar sei es richtig gewesen, dass die Medien über diesen Blog als soziales Phänomen berichtet hätten; sie sollten aber darauf achten, sich von Blogs nicht instrumentalisieren zu lassen, so der Presserat.

 


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
Impressum: Judith Arnold, Redaktion Medienheft, Badenerstrasse 69, 8026 Zürich
Website © Medienheft: www.medienheft.ch