Artikelsuche

Nach Stichwort


Nach Autor


Nach Rubrik


Nach Jahr


18.03.2010
00:00

Gewaltverherrlichende Killergames werden für Minderjährige verboten


(ja) Der Ständerat hat die Motion Hochreutener und die Motion Allemann mit 27 zu 1 bzw. 19 zu 12 Stimmen angenommen, nachdem sich schon der Erstrat im Juni letzten Jahres für strengere Bedingungen in der Verbreitung von so genannten Killergames ausgesprochen hat. Damit ist der Bundesrat angewiesen, ein Gesetz auszuarbeiten, das den Verkauf von gewaltbeinhaltenden Computer- und Videospielen ab 16 und 18 Jahre an Kinder und Jugendliche verbietet. Zudem wird der Bundesrat beauftragt, dem Parlament eine gesetzliche Grundlage vorzulegen, wie die Herstellung, Anpreisung, Einfuhr, kommerzielle Vertreibung und Weitergabe von gewaltverherrlichenden Spielen unterbunden werden kann, in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen.

Wie Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf an der Sessionssitzung vom 18. März im Ständerat verlauten liess, werde dies ein Rating durch eine staatlich anerkannte Kontrollstelle auf Bundesebene bedeuten. Dafür jedoch brauche es eine Verfassungsänderung, da nach geltendem Recht die Kantone für die Präventivmassnahmen zur Gewährleistung des Jugendschutzes zuständig sind.

Der Ständerat hat die Motionen Hochreutener und Allemann entgegen der Empfehlung des Bundesrates angenommen, der den Artikel 135 im Strafgesetzbuch, welcher bereits heute ein absolutes Verbot von exzessiven Gewaltdarstellungen ohne wissenschaftlichen oder kulturellen Wert vorsieht, für ausreichend hält. Wie ein Musterprozess gegen eine Filiale von Media Markt, angestrengt durch den Berner SP-Grossrat Roland Näf, unlängst gezeigt hat, kommt aber der so genannte „Brutalo-Artikel“ in der Gerichtspraxis faktisch nicht zur Anwendung. In der Mehrheit sieht der Ständerat Handlungsbedarf und will mit der Annahme der Motionen Hochreutener und Allemann ein Zeichen setzen, damit der Jugendschutz besser gewahrt wird.

Die Vereinigung gegen mediale Gewalt (VGMG) befürwortet das Verbot von gewaltverherrlichenden Video- und Computerspielen: „Mit dem Entscheid für klare Grenzen in Bezug auf die massive Gewalt in gewissen Videospielen zwingt der Ständerat den zögerlichen Bundesrat zum Handeln“, so die Vereinigung in einer Medienmitteilung. Darüber hinaus gibt sich die VGMG überzeugt, dass nur ein Mehrpunkteprogramm eine Senkung des Konsums medialer Gewalt bewirken könne, und fordert von Bund und Kantonen eine Aufklärung und Beratung der Eltern, die Förderung von Medienkompetenz sowie ein mehrstufiges Regulierungssystem, wie es in Deutschland bereits Praxis ist.

Kritisch sind die Reaktionen in der Gaming Branche. Zwar steht die Swiss Interactive Entertainment Association (SIEA) nach wie vor klar hinter einem strikt umgesetzten Verkaufsverbot von Gewaltspielen für Kinder und Jugendliche sowie gesetzlich verbindlichen Alterslimiten. Ein generelles Verbot von so genannten Killerspielen, wie es die nun angenommene Motion Allemann verlangt, lehnt die SIEA jedoch ab: „Ein generelles Verbot schafft Auslegungsschwierigkeiten, welche Titel unter das Verbot fallen“, sagt die SIEA, die auf ihre aktuelle Praxis der Selbstregulierung verweist. Demnach würde ein Verhaltenscodex kombiniert mit den Altersempfehlungen nach der Norm der Pan European Game Information (Pegi) bereits heute einen wirksamen Jugendschutz im Handel von elektronischen Spielen gewährleisten.


Quellen:

Session Ständerat, Sitzung vom 18.03.2010:
http://www.parlament.ch/ab/frameset/d/s/4813/324564/d_s_4813_324564_324861.htm

SIEA (2010): Gaming Branche: Strikter Jugendschutz ja, generelles Verbot nein. Medienmitteilung der Swiss Interactive Entertainment Association, 18.03.2010: http://www.siea.ch/wordpress/wp-content/files/20100318_PM_SIEA_DE.pdf

VGMG (2010): Killergames – Ständerat ebnet den Weg für Massnahmen gegen die Gewaltverherrlichung am Bildschirm. Medienmitteilung der Vereinigung gegen mediale Gewalt (VGMG), 18. März 2010: http://www.vgmg.ch/artikel_presse/MM_entscheid_staenderat_18_3_10.pdf


Weiterführende Quellen:

Bundesrat der Schweizerischen Eidgenossenschaft (2009): Jugend und Gewalt. Wirksame Prävention in den Bereichen Familie, Schule, Sozialraum und Medien. Bericht des Bundesrates vom 20.05.2009 in Erfüllung der Postulate Leuthard (03.3298) vom 17. Juni 2003, Amherd (06.3646) vom 6. Dezember 2006 und Galladé (07.3665) vom 4. Oktober 2007: http://www.news-service.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/15741.pdf

Steiner, Oliver (2009): Neue Medien und Gewalt. Überblick zur Forschungslage hinsichtlich der Nutzung Neuer Medien durch Kinder und Jugendliche und der Wirkung gewaltdarstellender Inhalte z. Hd. des Bundesamtes für Sozialversicherungen, 01.12.2008. Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für soziale Arbeit, Institut für Kinder- und Jugendhilfe, Basel: http://www.bch-folio.ch/public/001/folio-d/0268b_Neue_Medien_und_Gewalt.pdf

Verein gegen Mediengewalt (2010): Killergames – Ständrat ebnet den Weg für Massnahmen gegen die Gewaltverherrlichung am Bildschirm. 13.03.2010: http://www.vgmg.ch/artikel_presse/MM_entscheid_staenderat_18_3_10.pdf

 


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
Impressum: Judith Arnold, Redaktion Medienheft, Badenerstrasse 69, 8026 Zürich
Website © Medienheft: www.medienheft.ch