Artikelsuche

Nach Stichwort


Nach Autor


Nach Rubrik


Nach Jahr


15.02.2010
00:00

Kinder und Jugendliche im Internet


(MP/ja) Wer heute mit den neuen Medien aufwächst, zählt zu den „digital Natives“. Während die Elterngeneration das Computer-Handwerk noch mühsam erwerben musste, kommen die Kinder heute schon früh in Kontakt mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien. Medienwissenschaftler gehen davon aus, dass diese frühe Gewöhnung an Multimedia, schnelle Information und Multitasking sich auf die Denkmuster der jungen Generation auswirken wird. Wie eine aktuelle Studie von Stefan Warth, Silke Schneider und Daniel Schmeisser in der neuesten Ausgabe von „Media Perspektiven“ (1/2010) zeigt, liegt die Forschung mit dieser Vermutung richtig:

Bereits ab sechs Jahren beginnen Kinder am Computer zu spielen und lernen dabei basale Fertigkeiten im Umgang mit der Maus. Weitere Funktionen des Computers oder des Internets bleiben in diesem Alter allerdings noch verborgen. Die Acht- bis Zehnjährigen sind schon genügend vertraut mit Lesen und Schreiben, um sich mit der Tastatur zurechtzufinden und im Internet erste Streifzüge zu unternehmen. In diesem Alter stehen aber oft die Eltern noch unterstützend zur Seite. Entscheidend ist das Alter zwischen dem elften und dem dreizehnten Lebensjahr. In diesem Alter beginnen sich die Jugendlichen zunehmend selbstständig im Internet zu bewegen und eignen sich sukzessive weitere Fertigkeiten im Umgang mit den neuen Medien an. Bei Problemen helfen nicht mehr die Eltern, sondern ältere Geschwister und Freunde. Vor allem Suchmaschinen und Bookmarks erfreuen sich in diesem Alter wachsender Beliebtheit, wobei vor allem die Mädchen bereits erste Erfahrungen mit sozialen Netzwerken sammeln. In der Pubertät schliesslich bleibt nichts mehr verborgen: Die 14- bis 16-Jährigen surfen auf spezialisierten Websites, eignen sich alleine oder in Peergroups neue Fertigkeiten an und betätigen sich auch aktiv in Social Networks wie SchülerVZ. Die Jugendlichen experimentieren mit Identitätsprofilen und lernen spielerisch die Verhaltensregeln in virtuellen Gemeinschaften kennen. In diesem Alter haben die „digital Natives“ ihre Eltern im Umgang mit den neuen Medien meist überholt, zumindest was der Umgang mit dem Web 2.0 anbelangt.

Zu berücksichtigen ist, dass die Nutzungshäufigkeit nicht mit der Nutzungsqualität gleichzusetzen ist. Die Forscher haben daher 40 Jungen und Mädchen zwischen 6 und 16 Jahren zu ihrer Motivation im Umgang mit den neuen Medien interviewt und sie beim Surfen im Internet beobachtet. Zudem wurden die Eltern über die Internet-Nutzung der Kinder befragt. Ergebnis: Die Nutzungsgewohnheiten widerspiegeln die entwicklungsbedingten Bedürfnisse der Kinder: Der anfängliche Unterhaltungswert des Internet weicht zuerst einem wachsenden Informationsbedürfnis und dann einem wachsenden sozialen Bedürfnis nach Austausch mit den Peergroups. Die Medienkompetenz steigt mit dem Alter und das Surfen wird zielgerichteter und zweckmässiger.

Eine überraschende Erkenntnis aus der Studie ist, dass der Kompetenzunterschied zwischen den „digital Natives“ und der Elterngeneration über alle Anwendungen hinweg betrachtet nicht so gross sein dürfte, wie gemeinhin angenommen wird. Wie die Studie von Stefan Warth, Silke Schneider und Daniel Schmeisser zeigt, neigen jüngere Kinder dazu, ihre Kompetenzen mit den neuen Medien zu überschätzen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Computeranwendungen während den letzten Jahren immer einfacher wurden und die grafische Bedienungsoberfläche heutzutage intuitiv zugänglich ist. Vergleichsweise komplexe Vorgänge, die früher noch selbstverständlich beherrscht wurden, wie das Anlegen eines Pfades oder das Durchforsten einer Ordnerstruktur, können heute bereits Schwierigkeiten verursachen. So hatten Jugendliche teils Mühe, eine CD ROM zu nutzen oder sich in einer Ordnerstruktur zurechtzufinden.

Überraschend ist zudem, dass sich die Zahl der regelmässig angesteuerten Websites bei den „digital Natives“ in einem engen Rahmen bewegt: Bei den Sechs- bis Siebenjährigen sind es höchstens zwei Seiten, bei den Acht- bis Zehnjährigen bis drei Seiten und bei den Elf- bis Dreizehnjährigen zwischen drei und fünf Seiten. Erst ab 14 Jahren werden fünf und mehr Seiten regelmässig im Internet besucht. Aus medienpädagogischer Sicht scheint daher ein kinder- und jugendgerechtes Internetangebot sehr wichtig zu sein. Neben Unterhaltungsangeboten beliebt sind Wissensseiten wie Wikipedia, die beim Lösen der Hausaufgaben helfen, wobei die einfache und zugängliche Aufbereitung von Informationen zur weiterführenden Recherche ermutigt. Insofern fördert der frühe Umgang mit den neuen Medien tatsächlich den selbstständigen Wissenserwerb.

 

Quelle:

Schneider, Silke /Schmeißer, Daniel/ Schneider, Silke/ Warth, Stefan (2010): User-Experience von Kindern im Internet. Zur Rolle des Internets bei den "Digital Natives". In: Media Perspektiven, 1/2010, S. 19-27: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/01-2010_Warth.pdf


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
Impressum: Judith Arnold, Redaktion Medienheft, Badenerstrasse 69, 8026 Zürich
Website © Medienheft: www.medienheft.ch