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05.02.2008
00:00

Presserat prüft die Medienrolle nach Priester-Suizid


(NZZ/ja) Nachdem sich ein 45-jähriger Neuenburger Priester das Leben genommen hat, untersucht der Presserat die Rolle der Medien. Diese hatten im Vorfeld wiederholt über einen Fall von Pädophilie berichtet, in welchen der Priester involviert gewesen sein soll. Der Fall kam 2001 zur Anzeige, war aber zu diesem Zeitpunkt bereits verjährt. Die Situation nahm eine Eigendynamik an, nachdem ein privater Blogger zur Identifizierung des Priesters aufgerufen hatte. Darüber berichteten die Medien wie „Le Matin Bleu“ zwar kritisch, verliehen dem Blog aber zusätzliche Aufmerksamkeit. In der Folge hat sich der beschuldigte Priester am vergangenen Sonntag mit seiner Armeewaffe erschossen. In seinem Abschiedsbrief erwähnte er nach Aussagen eines Familienangehörigen explizit „die mediale Jagd“, die er nicht länger ertragen habe. Angesichts dieser tragischen Entwicklung greift der Presserat diese Kritik von sich aus auf, um die Rolle der Medien zu prüfen. Für Dominique von Burg, Präsident des Presserats, sei es durchaus denkbar, dass die Medien in diesem Fall zu weit gegangen seien. Dabei verwies er auf die Gefahr des Anprangerns und auf das Recht auf Vergessen angesichts verjährter Fälle hin. Die Medien müssten in allen Verbrechensfällen Vorsicht walten lassen und ethische Regeln einhalten, so von Burg. Dabei dürfe auch die Verantwortung gegenüber den Verdächtigen nicht vergessen werden. Zudem bewertete es von Burg als fragwürdig, dass nicht nur klassische Medien, sondern auch Blogger das Thema im Internet aufgegriffen hätten, die nicht wie Journalisten agierten.


 
 

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