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27.10.2008
08:46

Wirtschaftsjournalismus in der Krise


(ja) Peter Ziegler, ehemaliger Chefredaktor des „Bund“, kritisiert im "Tages-Anzeiger" vom 27. Oktober den Wirtschaftsjournalismus in der Finanzkrise. Ziegler gibt es zu denken, „wie hurtig gar mancher Wirtschaftsjournalist die Wende vom Der-Markt-löst-alles-Fundamentalismus zum Zivilisiert-den-Kapitalismus-Liberalismus vollzogen hat“. Laut Ziegler wäre mehr Selbstkritik angebracht gewesen. Erstens sei die Wirtschaftsberichterstattung vor der Krise zu stark auf „Big Business“ und „Big Guys“ konzentriert gewesen und habe die echt wertschöpfenden Industrieunternehmen und die KMU stiefmütterlich behandelt – ein Analysten-Journalismus, den laut Ziegler vor allem die „Tagesschau“ (SF) und das Finanzblatt „Cash“ betrieben hätten. Da sei von „Fit-Trimmen“, „Umstrukturieren“ und „Fusionieren“ die Rede gewesen, ohne auf die Folgen für die Arbeiter und Angestellten einzugehen. Stattdessen hätte eine massenmediale Ausblendung des „Büezers“ stattgefunden. Zweitens hätten es die PR-Abteilungen der börsenkotierten Unternehmen geschafft, einen so grossen Erwartungsdruck auf die Analysten auszuüben, dass die Erfolgsmeldungen der PR in "Gefälligkeitsinterviews" und "gloriose Chefporträts" gemündet hätten. „Damit diese Scheinrealitäten überhaupt erst entstehen können, braucht es PR-Leute, welche die Medien mit System bearbeiten, und Journalisten, die auf die Manipulationen hereinfallen“, so Ziegler. Schuld daran seien nicht zuletzt die „demotivierenden Sparrunden, die den Redaktionen die Ressourcen für tiefgehende Recherchen und solide Reportagen genommen haben“, so Ziegler. Unter solchen Arbeitsbedingungen würde die Versuchung steigen, zum bereitliegenden PR-Text zu greifen. Drittens hätten die NZZ und die „Weltwoche“ den politischen Diskurs in den letzten Jahren nicht unwesentlich geprägt. Doch während der Chefredaktor der NZZ zur Krise nichts Relevantes zu sagen habe, sei die Weltwoche zu ideologisch geworden und habe an der Wirklichkeit vorbeigeschrieben.

 


 
 

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