Artikelsuche

Nach Stichwort


Nach Autor


Nach Rubrik


Nach Jahr


25.01.2002
00:00 Von: Lesch, Walter

Orte und Nicht-Orte
Strukturen städtischer Kommunikation

Städte sind herausgehobene Orte moderner Kommunikationstechnik und Laboratorien der künftigen Medienentwicklung, die sich von den räumlichen Strukturen traditioneller Versammlungsöffentlichkeit mehr und mehr lösen wird. Zwischen dem vertrauten Topos des urbanen Raums und der U-Topie einer virtuellen Welt liegt das Spannungsfeld für eine Zeitdiagnose, die den mit städtischen Lebensformen verbundenen Sehnsüchten und Befürchtungen auf die Spur zu kommen versucht.


Von Walter Lesch 

Zur Verständigung sind wir auf eine gemeinsame Sprache sowie auf allen Beteiligten zugängliche Treffpunkte angewiesen: auf Gemeinplätze (lieux communs), die in der unübersichtlichen Fülle der Zeichen und Botschaften leicht entdeckt und entziffert werden können, um als konkrete Anlässe und Orte des Kommunizierens zu dienen. Städte sind solche Foren der Begegnung und des Austauschs. In einer Kultur, die vor allem originelle Kreationen honoriert, haben Gemeinplätze den schlechten Ruf des Konventionellen und Abgedroschenen, das vom Genie besser zu meiden sei. Die avantgardistische Kunst verabschiedete sich vom Kanon des Überlieferten, um durch Tabubrüche und gezielte Provokationen Neues hervorzubringen, das dann freilich auch wieder auf dem Markt der Städte angepriesen wurde. Vor diesem Hintergrund hat sich ein Diskurs über städtische Öffentlichkeiten mit unvermeidlichen und mit vermeintlichen Untiefen auseinander zu setzen, die sich aus der historischen Verknüpfung von Stadtkultur und Medienkommunikation ergeben. Denn zunächst einmal ist es eine Binsenweisheit, dass Städte Verdichtungsräume für Politik, Wirtschaft und Kultur sind. Städte sind bevorzugte Orte der Medienindustrie, weil sie nicht nur die Produktionsmittel bereitstellen, sondern auch die Themen und Akteure der Kommunikation hervorbringen. Sie sind Bühne und Publikum zugleich - Gesamtkunstwerke, die von den Stadtbewohnern und ihren Besuchern nicht nur von aussen betrachtet werden, sondern in denen diese auch produzierend und konsumierend eine ebenso unterstützende wie kritische Rolle spielen.

 

Treffpunkte und Zerstreuung

Diese sinnliche Erfahrbarkeit von Kommunikation im realen Raum macht einen wesentlichen Teil der Faszination städtischen Lebens aus und ist nicht selten Anlass für eine nostalgische Rückbesinnung auf eine urbane Kultur, deren Weiterentwicklung nach Auffassung mancher Beobachter heute nicht mehr garantiert ist. Es gibt einerseits die bekannten Krisensymptome von grösseren Städten: Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung, Hektik, Gewalt, Vereinsamung, Anonymität. Andererseits eröffnen die neuen Medien wie das Internet vielversprechende Aussichten auf Kommunikations­kanäle und Arbeitsmöglichkeiten ausserhalb der städtischen Zentren, was ebenso eine Entlastung wie eine Entwertung der Anziehungskraft von Städten bedeuten kann. Genau daraus resultiert die Ambivalenz in der Bewertung von neuen Technologien, deren Wirkungsmöglichkeiten sich vom unverwechselbaren Ort städtischen Lebens lösen, um in den virtuellen Raum flexibler Nicht-Orte auszuwandern (vgl. Rötzer 1997), wobei die Vorliebe für städtische Metaphern (Telepolis, Cybercity, digitale Stadt) auffallend ist.

Die neuen Perspektiven des Virtuellen haben zugleich einen befreienden und einen verunsichernden Effekt. Sie befreien von der sklavischen Gebundenheit an Orte, deren unbestreitbare Vorteile immer schon von unangenehmen Nebenwirkungen begleitet waren. Man kann nicht alles haben: die zentrale Wohnlage in der City und die Oase der Ruhe. Städtisches Leben ist ganz wesentlich durch Mobilität und Beschleunigung gekennzeichnet (vgl. zu diesem Motiv in der Bildkunst die Interpretation von Fernand Légers "La ville", von Moos 1999), was nicht jedem gefällt. Auf der anderen Seite gibt es selbst bei den Kritikern des Stadtlebens eine affektive Verbundenheit mit den steinernen Strukturen sowie mit Stahl, Glas und Beton einer Stadt, die all ihren Schattenseiten zum Trotz so etwas wie "Heimat" werden kann. Stadtgründungen (vgl. Woitrin 1987) und komplette Umgestaltungen stellen eher die Ausnahme dar. In der Regel finden wir Städte als bereits vorstrukturierte Räume vor, deren "Text" wir uns aneignen, um ihn zu verstehen und um unseren Platz in diesem Gewebe zu finden. Als mitverantwortliche Bürgerinnen und Bürger (vgl. zur citoyenneté die Texte von Baudrillard u.a. 1991) werden wir Teil einer Geschichte, die längst vor uns begonnen hat und die uns nicht gleichgültig bleiben kann. Die kommunale Bürgerschaft gilt aus guten Gründen als die Keimzelle politischer Mitbestimmungsrechte. Die Stadtkultur bietet beides: die Chance zum Untertauchen in die Anonymität der Masse und zur aktiven persönlichen Identifikation mit einem sozialen Gebilde, das zu den komplexesten Formen des Zusammenlebens gehört und deshalb schon immer ein bevorzugter Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung war. 

 

Modernität und Urbanität

Aus dem soziologischen Interesse an der Grossstadt ist die Stadtsoziologie als eine ausdifferenzierte Teildisziplin entstanden, die sich auf erste Ansätze bei den Gründerfiguren des Faches berufen kann, etwa auf Max Webers bekannte Arbeit "Die Stadt" von 1920, die noch stark mit dem Gegensatz von Stadt und Land arbeitet. Eine heutige Typologie der Siedlungsformen wird feine Abstufungen zwischen Städten, suburbanen Räumen und Agglomerationen berücksichtigen müssen und die Grenzen zwischen dem Urbanen und dem Provinziellen nicht mehr so eindeutig ziehen können. Es gibt grössere Städte, die kulturell eine gähnende Langeweile verbreiten, und kleinräumigere Strukturen, die alles andere als provinziell sind (vgl. Schoonbrodt/Maréchal 2000). Urbanität ist also nicht unbedingt eine Frage der Einwohnerzahl, sondern ein Habitus, der sich aus einem ganz bestimmten Umgang mit dem Raum als Faktor sozialer Interaktion ergibt. Städtische Räume eignen sich zu einem möglichst umfassenden Austausch nicht nur von Waren, sondern auch von Denk- und Lebensstilen, die sich wechselseitig inspirieren und einem intellektuellen Stillstand vorbeugen. Die Kommunikation in multikulturell zusammengesetzten Städten zeichnet sich nicht zuletzt durch die Offenheit für Fremde aus, die auf dem Weg der Arbeitsmigration oder auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung vorübergehend oder dauerhaft in die Städte gelangen (vgl. Milon 1999).

Es ist interessant, dass die Philosophie sich mit dem Nachdenken über die Stadt eher zurückgehalten hat (vgl. jedoch die Anthologie von Ansay/Schoonbrodt 1989; ferner Paetzold 1990 und Waldenfels 1990). Dabei ist das Philosophieren seit der Antike ein typisch städtisches Phänomen, das auf die Freiräume, Anregungen und Institutionen urbaner Kultur angewiesen ist: von der griechischen Agora bis zu den modernen Formen der Öffentlichkeit. Selbstverständlich gab es auch immer starke Gegenströmungen einer zivilisationskritischen Einstellung, die sich etwa bei Nietzsche oder bei Heidegger finden lässt. Zu Heideggers eigenwilligem Denken auf Feld- und Holzwegen gehört das Schwarzwald-Ambiente wie gewisse Stimmungen von Berlin und Paris zu Walter Benjamins Werk. Dass die Stadt nicht nur ein Ort guten Lebens ist, sondern eine störanfällige und unter Umständen auch lebensgefährliche Konstruktion, wurde in unserer Zeit vor allem von verschiedenen Spielarten ökologisch motivierter Fortschrittskritik eindringlich betont. Es kann aus philosophischer Sicht also gar kein einstimmiges und naives Lob der Stadt geben.

Dennoch hat die Stadt zwischen Lust und Frust moderner Lebensformen ihre Position als wichtigster Siedlungsraum behalten (vgl. Spiegel special Nr. 12/1998, ZEIT-Punkte Nr. 6/1999, die Kursbücher 112 und 137 und Le genre humain 34), wobei allerdings weltweit gesehen drastische Unterschiede zu verzeichnen sind. Die Riesenstädte in den Ländern des Südens sind wohl kaum Inbegriff von Lebensqualität, sondern Ausdruck einer politisch, wirtschaftlich und demographisch krisenhaften Entwicklung, die auf weitere Konflikte zusteuert. Von besonderer Art sind auch die nordamerikanischen Grossstädte, die zwar in mancher Hinsicht - nicht zuletzt durch eine starke Präsenz in Filmen - eine Vorbildfunktion übernommen haben, denen aber die mehrere Jahrhunderte umfassende historische Dimension europäischer Zentren fehlt. Auch ohne eurozentrische Nabelschau dürfte es gerechtfertigt sein, die Kontinuität zwischen mittelalterlichen Städtegründungen und modernen Formen, die auf diesem Muster aufbauen, zu unterstreichen und als einen Aspekt von Lebensqualität zu würdigen (vgl. Le Goff 1997; vgl. auch den kurzen Überblick von Weill 1997, die Architekturgeschichte von Pevsner 1997 und den Pariser Ausstellungskatalog von Dethier/Guilheux 1994). Aus historischer Sicht liegt in den mittelalterlichen Städten und in den Stadtrepubliken der Renaissance der Ursprung bürgerlichen Selbstbewusstseins im Kampf gegen Fremdbestimmung. Die daraus erwachsene Strukturierung privater und öffentlicher Räume hat durch die Industrialisierung einen tiefgreifenden Wandel erfahren (vgl. Hoffmann-Axthelm 1993, Pinson 1996).

Mit den modernen Fertigungsmethoden wurde es möglich, die Bauverfahren zu beschleunigen und zu standardisieren, so dass mit seriellen Formen die Funktionsbestimmung von Gebäuden in den Mittelpunkt rückte. Das geschah um den Preis, dass die Bauwerke des sogenannten internationalen Stils zu einer Einebnung architektonischer Individualität und Regionalität führten. Es kann daher nicht überraschen, dass gerade die Architektur zum theoretischen Gegenstand einer intensiven Auseinandersetzung um die Moderne wurde, als in den 70er Jahren erste Ansätze zu einem "postmodernen" Bauen öffentliche Beachtung fanden und Polemiken auslösten. In Abgrenzung zum seelenlosen Funktionalismus (Behälterarchitektur) sollte eine neue Formensprache entwickelt werden, um die Städte bunter und interessanter zu machen. Das geschah zum Teil mit stilistischen Anspielungen auf vergangene Epochen, deren Formenelemente als Zitate in neue Entwürfe eingebaut wurden, ohne einen alten Stil vollständig nachzuahmen.

Von Verfechtern der normativen Gehalte einer aufklärerischen Moderne wurde diese augenzwinkernde Neuorientierung als Herausforderung verstanden, die zu einer Debatte führte, die aus einem Abstand von ein bis zwei Jahrzehnten mit grösserer Gelassenheit betrachtet werden kann. Insbesondere Jürgen Habermas hatte sich zum vehementen Anwalt einer modernen Architektur gemacht, obwohl er so manche Scheusslichkeit des Funktionalismus gar nicht leugnen konnte und wollte. Architektur sei nun einmal die anspruchsvolle Gratwanderung zwischen ästhetischem Anspruch und reiner Nutzenorientierung. Gerade diese Verbindung sei aber in der klassischen Moderne gelungen. "In der modernen Architektur hat sich, in einem glücklichen Augenblick, der ästhetische Eigensinn des Konstruktivismus mit der Zweckgebundenheit eines strengen Funktionalismus getroffen und zwanglos verbunden" (Habermas 1985: 28). Dahinter steht leider ein sehr eindimensionales Konzept von Moderne, das sich allein in der zweifellos verdienstvollen Bauhaus-Architektur manifestiert. Dabei ist nicht einzusehen, warum Ornament wirklich ein Verbrechen sein sollte und warum hinter jeder Historisierung durch stilistische Mischformen die finsteren Mächte des Neokonservativismus zu wittern sind. 

 

Stadt als Bühne und Lebensform

Für die von Habermas entwickelte Theorie der (politischen) Öffentlichkeit spielen Zitate und künstlerische Inszenierungen im Vergleich zu den Verfahren einer demokratischen Urteilsbildung und Entscheidungsfindung aus guten Gründen eine untergeordnete Rolle. Wer primär an der Begründung von moralischen oder politischen Geltungsansprüchen interessiert ist, neigt dazu, von den expressiven Bestandteilen der Kultur zu abstrahieren, um eine möglichst neutrale Prozedur zur Herstellung gerechter Strukturen und kontrollierter Macht zu entwickeln. Da dies ein unbestreitbares Anliegen ist, sind alternative Theorien der Öffentlichkeit eigentlich nicht als Gegenentwürfe zum politischen Ideal anzusehen, sondern vielmehr als komplementäre Aspekte in eine umfassende Theorie der Moderne einzubeziehen. Das gilt etwa von den Büchern Richard Sennetts, die immer wieder um das Thema der Stadtkultur kreisen und beklagen, dass wir von einer panischen Angst befallen seien, uns im öffentlichen Raum zu präsentieren. Sennett fordert eine "Kultur der Selbstpreisgabe", die dazu beitragen soll, dem Verlust sozialer Kontakte in einer nichtssagenden, neutralisierenden städtischen Umwelt entgegenzuwirken und Handeln und Sehen in ein neues Gleichgewicht zu bringen (vgl. den Originaltitel "The Conscience of the Eye", Sennett 1991). 

 

Re-Visionen der Moderne

Die von Sennett formulierte Kritik an den Kommunikationsformen der Moderne zielt nicht auf eine Revision im Sinne einer konservativen Rückbesinnung auf vormoderne und antiemanzipatorische Werte. Im Gegenteil! Seine Re-Vision meint im wörtlichen Sinn eine Wiedergewinnung einer visuellen Kultur, in der auch körperliche Ausdrucksformen ihren Platz haben. Nichts anderes wollen auch die interessantesten Vertreter eines postmodernen Bauens, das sich vom internationalen Einheitsstil der Moderne durch eine grössere Pluralität und Kontextsensibilität abhebt. Unter Verwendung der von Heinrich Klotz vorgeschlagenen Definitionen könnte man sagen, dass die postmoderne Architektur Funktionalität mit Fiktionalität zu verbinden sucht und so eine Poetisierung der Technik möglich macht. Nicht die autonome geometrische Form ist das Grundmuster, sondern die fragile Individualität eines Gebäudes, das mit seiner Umgebung in Beziehung steht und historische Verbindungen herstellt, um diese eventuell auch wieder ironisch zu brechen (vgl. Klotz 1988). Damit ist der monumentale Anspruch moderner Endgültigkeit und Klarheit ins Wanken gebracht.

Eine in dieser Art revidierte und erneuerte Moderne hätte vor allem den Vorteil, den städtischen Raum nicht als ein neutrales Gefäss für wechselnde Inhalte zu konzipieren, sondern als eine Plattform, auf der die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens in ihrer ganzen Fülle und Dramatik sichtbar werden. Eine solche Zurückgewinnung von Inhalten könnte sich auf alternative Projekte des Bauens und der Gestaltung städtischer Räume unter Berücksichtigung der jeweiligen Gegebenheiten eigentlich nur stimulierend auswirken und die Bühne urbanen Lebens und Kommunizierens attraktiver machen. 

 

Ethisch-ästhetische Perspektivenwechsel

Jede Ethik der Kommunikation ist untrennbar mit einer Wahrnehmungskunst verbunden, mit deren Hilfe wir im Text der Stadt lesen lernen und die Spuren entziffern, die jene hinterlassen, die sich vor uns oder mit uns in Lebenswelten und Systemen bewegen (vgl. Lesch 1999). Dabei geht es um eine präzise Wahrnehmung von Wirklichkeit, aber auch um eine Rekonstruktion von Fiktionen und Mythen, von denen unser Bild der Stadt nicht weniger geprägt ist als durch die harten Fakten (vgl. etwa für Paris die grosse literaturwissenschaftliche Studie von Stierle 1993). Der Blick des Flaneurs ist zwar zunächst von gezielten Handlungsabläufen abgekoppelt; aber er ist, falls er nicht bei einer melancholischen Betrachtung des unwiderruflich Vergangenen verharrt, eine Voraussetzung für eine Urteilsbildung, die neue Möglichkeiten des Mitgestaltens freisetzt. Auch in der sozialethischen Methodenlehre steht vor dem Urteilen und Handeln das Sehen, das sich ja nicht auf empirische Befunde beschränken muss, sondern auf eine umfassende Wahrnehmung zurückgreifen kann. 

 

U-Topien der Kommunikationsgesellschaft

Bleibt am Ende also doch ein nostalgischer Blick auf die moderne Stadt, deren Bedrohung durch neue Kommunikationsformen wir hilflos beklagen, eine verzweifelte Beschwörung des Gemeinplatzes der in urbanen Netzen verorteten (warmen) Kommunikationsgemeinschaft angesichts der Ortlosigkeit einer hochtechnisierten (kalten) Kommunikationsgesellschaft? Es geht in der Tat um nicht weniger als um die Bewohnbarkeit eines gesellschaftlichen Raumes, dessen Zukunft nicht unwesentlich von der kommunikativen Qualität städtischer Ballungsräume abhängen wird. Die Gestaltung von Orten mit hoher Lebensqualität ist durchaus an die Entwicklung von Nicht-Orten (non-lieux) gekoppelt, die effiziente Infrastrukturleistungen erbringen (beispielsweise Verkehrssysteme, Bahnhöfe, Flughäfen) und gar nicht den Anspruch erheben, verständigungsorientiertes Handeln unmittelbar zu fördern (zur Entfaltung des Konzepts der "Orte" und "Nicht-Orte" vgl. Augé 1992). Wir werden uns wohl an eine Koexistenz von traditionellen, geschichtlich gewachsenen Orten und technisch erzeugten Nicht-Orten gewöhnen müssen, um uns der Werkzeuge der Kommunikation so zu bedienen, dass die humanen Gehalte des Kommunizierens weiterhin kultiviert werden - auch beim Träumen von Städten, die wir noch nicht gesehen haben (vgl. Calvinos fiktive Stadtporträts in "Le città invisibile" von 1972), deren Bilder wir aber bereits in unserer Einbildungskraft mit uns tragen (vgl. zu einer phantasievollen Theorie des Kommunikationszeitalters und der Ortsveränderungen das allegorische Buch von Serres 1995).

 

Walter Lesch ist nach elfjähriger Tätigkeit an der Universität Freiburg/Schweiz seit 1999 Professor für philosophische und theologische Ethik an der Katholischen Universität Löwen in Louvain-la-Neuve/Belgien, einer "ville nouvelle" in der Nähe von Brüssel.

 

Literatur:

Ansay, Pierre / Schoonbrodt, René (1989): Penser la ville. Choix de textes philosophiques. Brüssel: Éditions des Archives d’Architecture Moderne.

Augé, Marc (1992): Non-Lieux. Introduction à une anthropologie de la surmodernité. Paris: Éditions du Seuil.

Baudrillard, Jean et al. (1991): Citoyenneté et urbanité. Paris: Éditions Esprit.

Calvino, Italo (1997): Die unsichtbaren Städte. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 9. Aufl. (Orig.: Le città invisibili. Turin: Einaudi 1972).

Dethier, Jean / Guiheux, Alain (Hrsg.) (1994): La Ville. Art et architecture en Europe 1870-1993. Paris: Éditions du Centre Georges Pompidou.

Habermas, Jürgen (1985): Die Neue Unübersichtlichkeit (Kleine Politische Schriften V). Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Hoffmann-Axthelm, Dieter (1993): Die dritte Stadt. Bausteine eines neuen Gründungsvertrages. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Klotz, Heinrich (1988): Moderne und Postmoderne. In: Welsch, Wolfgang (Hrsg.): Wege aus der Moderne. Schlüsseltexte der Postmoderne-Diskussion. Weinheim: VCH, Acta Humaniora, S. 99-109.

Kursbuch 112 (1993): Städte bauen. Berlin: Rowohlt, Juni 1993.

Kursbuch 137 (1999): Berlin. Metropole. Berlin: Rowohlt, September 1999.

Le genre human 34 (1999): Lumières sur la ville. Paris: Seuil, April 1999.

Le Goff, Jacques (1997): Pour l’amour des villes. Paris: Les éditions Textuel 1997 (dt. Ausg.: Die Liebe zur Stadt. Eine Erkundung vom Mittelalter bis zur Jahrtausendwende. Frankfurt a.M. / New York: Campus 1998).

Lesch, Walter (1999): Architektonische Spurensuche in Berlin und Paris. In: Orientierung 63 (1999) Nr. 20, S. 221-224.

Milon, Alain (1999): L’étranger dans la ville. Du rap au graff mural. Paris: Presses Universitaires de France 1999.

Paetzold, Heinz (1990): Philosophie der Stadt. Architektur und Stadtleben. In: Ders.: Profile der Ästhetik. Der Status von Kunst und Architektur in der Postmoderne. Wien: Passagen-Verlag, S. 151-170.

Pevsner, Nikolaus (1997): Europäische Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag zur Architektur seit 1960 von Winfried Nerdinger. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 8., erw. Aufl..

Pinson, Daniel (1996): Architecture et modernité. Paris: Flammarion.

Rötzer, Florian (1997): Die Telepolis. Urbanität im digitalen Zeitalter. Mannheim: Bollmann.

Schoonbrodt, René / Maréchal, Luc (2000): La ville, même petite. Brüssel: Labor.

Sennett, Richard (1991): Civitas. Die Grossstadt und die Kultur des Unterschieds. Frankfurt a.M.: S. Fischer (Orig.: The Conscience of the Eye. The Design and Social Life of Cities. New York: Alfred A. Knopf, Inc. 1990).

Serres, Michel (1995): Die Legende der Engel. Frankfurt a.M. / Leipzig: Insel (Orig.: La légende des anges. Paris: Flammarion 1993).

Spiegel special (1998): Leben in der Stadt. Lust oder Frust. Nr. 12/1998.

Stierle, Karlheinz (1993): Der Mythos von Paris. Zeichen und Bewusstsein der Stadt. München / Wien: Hanser.

von Moos, Stanislaus (1999): Fernand Léger: La ville. Zeitdruck, Grossstadt, Wahrnehmung. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch Verlag.

Waldenfels, Bernhard (1990): Gleichzeitigkeit des Ungleichartigen. Moderne Ordnung im Spiegel der Grossstadt. In: Ders.: Der Stachel des Fremden. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 243-261.

Weber, Max (1920/21): Die Stadt. Eine soziologische Untersuchung. In: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 47, 1920/21, Heft 1, S. 621-772.

Weill, Michel (1997): L’urbanisme. Toulouse: Éditions Milan.

Woitrin, Michel (1987): Louvain-la-Neuve et Louvain-en-Woluwe. Le grand dessin. Paris / Gembloux: Éditions Duculot.

ZEIT-Punkte (1999): Bauen für das 21. Jahrhundert. Nr. 6/1999.


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
Impressum: Judith Arnold, Redaktion Medienheft, Badenerstrasse 69, 8026 Zürich
Website © Medienheft: www.medienheft.ch