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05.01.2001
00:00 Von: Müller, Matthias

Christliches Satellitenfernsehen
Eine Zusammenstellung von in Europa empfangbaren Sendern

Das Angebot an christlich-religiösen Fernsehprogrammen, die über Satellit in Europa empfangbar sind, hält sich in Grenzen. Auf der Website www.christtv.de sind zehn Sender aufgeführt, die im folgenden Beitrag kurz portraitiert werden.


Von Matthias Müller 

EWTN: eine Initiative von Mutter Angelika

Der weltweit grösste katholische Fernsehsender Eternal Word Television Network EWTN, der aus Birmingham (Alabama/USA) sendet, verfügt seit Ende Oktober 2000 auch über ein Programmfenster in deutscher Sprache. Einer Medienmitteilung ist zu entnehmen, dass eine Serie "Philosophie für jedermann" den Grundfragen der menschlichen Existenz und der Menschenwürde nachgeht, während unter dem Titel "Im Lichte des Glaubens" eine Einführung in verschiedene Glaubensthemen gegeben wird. Zum englischsprachigen 24-Stunden Programmangebot gehören Dokumentarfilme, Nachrichten, Kinder- und Jugendsendungen, Talk-Shows und Spielfilme ebenso wie Sonderreihen zum Katechismus der Kirche, Gottesdienste oder die Live-Übertragung von kirchlichen Grossereignissen.

EWTN geht auf die Initiative von Mutter Angelika, einer Ordensfrau der Armen Klarissen aus dem Jahre 1981 zurück. Das Unternehmen zählt inzwischen 200 Angestellte und erreicht über die modernsten Technologien rund 60 Millionen Haushalte in über 40 Ländern auf sechs Kontinenten. "Mother Angelica" hat in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus Kultstatus erreicht. Zweimal wöchentlich moderiert sie durch ihre eigene Abendshow "Mother Angelica Live". EWTN hat sich seit seiner Gründung zu einem veritablen Multimedia-Unternehmen entwickelt: Sowohl Fernsehen als auch die eigenen Radiosender sind über Internet empfangbar, das mit einem ergänzenden Hintergrundangebot aufwartet. Dazu gehört der eigene "News-Service", in welchem die aktuellen Ereignisse aus dem Vatikan und Geschichten aus aller Welt aus katholischer Perspektive dargestellt werden.

 

GOD Channel: "praktisch, einfach und humoristisch"

Der GOD Channel ist nach eigenen Angaben Europas führender, christlicher 24-Stunden- Familien-Sender. Sein Programm unter dem Motto "Television that watches out for you" vermittelt im 30-Minuten-Takt evangelikal geprägte Fensterprogramme, die teilweise auch in Europa, vor allem Skandinavien, produziert werden. Knapp die Hälfte der Sendungen gehört der Kategorie "Ministries" an. In rhetorisch perfektem Stil wird hier das Evangelium "praktisch, einfach und humoristisch" (Zitat aus dem Trailer zu einem halbstündigen Element) gepredigt - mit viel Redundanz und Drang zur Selbstsuggestion, Ekstase und überschwänglichen Ergriffenheit, mitunter in einer Weise, die an Angst machende Demagogie grenzt. In der übrigen Sendezeit werden täglich Kinderprogramme, Musikvideos und allgemeine Unterhaltung ausgestrahlt. Der GOD Channel steht für ein selbstbewusstes, missionarisches Engagement. Der Sender ist sich seines wunderbaren Einflusses auf seine Zuschauerinnen und Zuschauer sicher: Dank ihm seien Menschen in allen misslichen Lagen zum Glauben gekommen, heisst es auf der Internet-Homepage. In mehreren Ländern Europas ist der GOD Channel bereits über Kabel empfangbar. Diesbezügliche Bestrebungen in der Schweiz seien am Laufen.

 

TBN: "das weltgrösste christliche Medienimperium"

Trinity Broadcasting Network TBN geht auf eine private Initiative von Paul und Jan Crouch zurück. Das Ehepaar hatte 1973 die Idee, ein weltumspannendes christliches Fernsehnetzwerk aufzubauen. Heute ist TBN nach eigenen Angaben "das weltgrösste christliche Medienimperium". Aussenstehende bezeichnen Paul und Jan Crouch als die einflussreichsten charismatischen Führer im "Televangelismus", als "das christliche Equivalent der Medienmongule Rupert Murdoch oder Ted Turner", sie werden als der Inbegriff der evangelikalen Christenheit schlechthin bezeichnet. Entsprechend umstritten ist das Predigerehepaar, das auch als überzeugter Förderer der Beziehungen zwischen der charismatischen Bewegung und der römisch-katholischen Kirche gilt. TBN vefügt über verschiedene Produktionseinrichtungen in den Vereinigten Staaten und führt das "Trinity Music City Church Auditorium", verschiedene Virtual-Reality-Kinos und eine eigene Filmproduktion. Mit Russland gibt es auf dem Globus zur Zeit nur noch einen weissen Fleck, der nicht mit TBN -Programmen über Satellit versorgt wird. Seit 1999 wird Europa über Hotbird-Satelliten in italienischer und englischer Sprache bedient, und selbstverständlich darf auch das Live-Streaming über das Internet nicht fehlen. Die Programmelemente unterscheiden sich von der Zusammensetzung kaum von übrigen Anbietern: Talkshows gehören ebenso dazu wie Lifestyle-Sendungen, Filme, Musik, spezielle Kinderprogramme und natürlich Übertragungen von Lobpreis- und Predigerveranstaltungen. Die Programmstrategie baut auf den drei Säulen "Glaube an Gott", "Liebe zur Familie" und "patriotischer Stolz" auf. "TBN. Wo Herzen berührt und Leben verändert werden" heisst ein Slogan, und ein anderer umschreibt die Abhängigkeit der Zuschauerinnen und Zuschauer vom Sender unumwunden so: "Wenn unsere Zuschauer einen Freund brauchen, haben sie TBN ."

 

Inspiration Network: "Change the world für good"

Das Inspiration Network sendet aus den Vereinigten Staaten und lässt sich keiner spezifischen Denomination zuordnen. Der Sender bietet nach eigenen Angaben ein "innovatives, qualitativ hochstehendes und anregendes Programm, das seinen Mitgliedern einen ausgeglichenen Service bietet, auf ihre Bedürfnisse eingeht und eine wichtige Marktnische füllt". Er versucht, mit Programmelementen, die sich an der Bibel orientieren, eine positive Veränderung zu bewirken in den Werten der Menschen, in ihrem Verhalten und in ihrer Beziehung zu Gott. "Change the world for good" lautet der Leitspruch. Bereicherung des Lebens, Unterhaltung, Ausbildung, Information und Motivation stehen im Zentrum. Die Bezeichnung "christlicher Lifestyle" trifft sein Angebot wohl am ehesten.

 

3ABN: für gesunde Lebensführung

Das von den Siebenten-Tags-Adventisten getragene Three Angels Broadcasting Network 3ABN hat sich den Auftrag gegeben, "der Welt das rettende Angebot Gottes zu verkündigen". Die Überzeugung, "dass ein gesunder Lebensstil die Wahrnehmung auf geistlicher Ebene fördern kann", prägt die Programmelemente. So könnten die Raucherentwöhnungskurse, die vegetarischen Kochvorführungen und Sendungen zur Alkohol- und Drogensucht auch mit dem Slogan umschrieben werden "Bleib gesund und werde Christ". Kindersendungen und Ratgeber zum christlichen Familienleben runden das Angebot ab. 3ABN ist auch über Internet zu empfangen.

 

KTO: Gottesdienste und Diskussionen

Die Diözese von Paris betreibt seit Dezember 1999 den Sender KTO. Mit einem Budget von 30 Millionen FF (rund 7,5 Mio. CHF) produziert er täglich eine einstündige Diskussionssendung im eigenen Studio und überträgt zweimal täglich einen Gottesdienst. Daneben wurden in Zusammenarbeit mit dem "Centro Televisio Vaticano" verschiedene Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr 2000 übertragen. Gebete, Dokumentar- und Spielfilme sowie Musikvideos und Kinderprogramme füllen die restliche Sendezeit zwischen 10 Uhr morgens und Mitternacht aus. KTO finanziert sich über Spenden, Sponsoring und Werbung.

 

Sat2000: Sender der italienischen Bischofskonferenz

Ähnlich gestaltet ist Sat2000, der Fernsehsender der italienischen Bischofskonferenz. Dieser Sender verfolgte die Ereignisse rund ums Jubiläumsjahr ebenfalls aufmerksam. Programmschwerpunkte bilden ausserdem Dokumentarfilme und glaubensbildende Sendungen. Sat2000 ist auch live über Internet empfangbar.

 

Telepace: die Stimme des Papstes

Der ebenfalls italienische Sender Telepace hat sich in den Dienst der katholischen Kirche und der Stimme des Papstes gestellt. Seit 1985 hat Telepace das Privileg, Papst Johannes Paul II. auf seinen internationalen Reisen zu begleiten. 1990 verlegte Telepace auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes seinen Sitz aus der Nähe von Verona nach Rom. Die Mittwochs-Audienzen, der Angelus, der Rosenkranz und die Messen des Papstes werden seit 1996 über Satellit in ganz Europa live übertragen. In der übrigen Zeit werden vorwiegend Dokumentar- und Zeichentrickfilme sowie vereinzelt Magazinsendungen ausgestrahlt.

 

K-TV: deutschsprachiger Kultursender

Als "der erste und einzige deutschsprachige Fernsehsender für anspruchsvolle kulturelle und katholische Themen" bezeichnet sich K-TV, der private schweizerisch-österreichische "Fernsehsender für Kirche und Kultur". Obschon das "K" nach eigenen Angaben nicht für "katholisch", sondern für "Kultur" steht, liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf explizit katholischen Themen: Täglich wird eine Heilige Messe live aus der studioeigenen Kapelle sowie eine Anbetungsstunde und die Aussetzung des Allerheiligsten übertragen. Dazu übernimmt K-TV Direktübertragungen vom vatikanischen Fernsehen, so täglich das Abendgebet vom Petersplatz, am Sonntag das Angelusgebet und am Mittwoch die Papstaudienz. Aus der Programmübersicht geht hervor, dass 50 einstündige Programmelemente, davon zehn für die Jugend, zwischen 10 und 14 Uhr sowie von 16 bis 22 Uhr innerhalb eines Monats wiederholt werden. Das Themenspektrum reicht dabei von "Holzschnitzkunst aus dem Bregenzerwald" über "Versöhnung und Busse, ein Vortrag von Domherr Cassetti" bis zum "Rolls Royce-Museum in Dornbirn". Ausserhalb dieser Sendezeiten wird der Ton von Radio "Horeb" aufgeschaltet. Vorbild für K-TV ist EWTN. Während sich K-TV selbst als "offen für alle weiteren kulturell und christlich eingestellten Anbieter" bezeichnet, verfolgt er eine unmissverständlich konservativ-katholische Linie. So heisst es abschliessend in der Programmübersicht vom Dezember 2000: "Das universale Lehramt der röm.-kath. Kirche ist die sicherste Quelle der Wahrheit über die Geheimnisse unseres Glaubens." K-TV wird ausschliesslich über private Spenden finanziert. Träger ist der schweizerische Förderverein Kephas. Als Chefredaktor amtiert der pensionierte Ostschweizer Priester Hans Buschor.

 

Matthias Müller ist Theologe und Journalist und arbeitet als Redaktor bei der Radioagentur des Katholischen Mediendienstes in Zürich.  


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
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