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Beim Illisu-Damm am Tigris in Südostanatolien handelt es sich um das grösste realisierungsbereite Wasserkraftprojekt der Türkei.
Das Illisu-Kraftwerk ist Teil des Südostanatolienprojekts (GAP), eines der weltweit grössten Energie- und Bewässerungsvorhaben. Das GAP sieht vor, die Flüsse Euphrat und Tigris mit Dutzenden von Dämmen zu stauen und 17600 Quadratkilometer Land zu bewässern.
Die Gesamtkosten des GAP werden auf 32 Milliarden Dollar geschätzt.
Die türkische Regierung erteilte im März 1997 einem Konsortium, unter der Leitung der Schweizer Firma Sulzer Hydro, den Auftrag zum Bau des Illisu-Staudamms. Zusätzlich ist die Firma ABB Power Generation daran beteiligt.
Mit Investitionen von 1,2 Milliarden Dollar sind Schweizer Unternehmen und Banken mit Abstand die wichtigsten ausländischen Finanzquellen des GAP.
Die sozialen Konsequenzen des GAP sind jedoch für die vorwiegend kurdische Landbevölkerung verheerend.
Die Projekte modernisieren zwar die Wirtschaft der Region, vor allem aber im Interesse der schmalen, feudalen hauptsächlich türkischen Elite und auf Kosten der weitgehend landlosen Bevölkerung. Den Umsiedlungsopfern (rund 20000 Menschen) wird nur der Besitz von Grundstücken, Häusern, Bäumen etc. entschädigt. Fast alles Land gehört den Dorfvorstehern, denen die Kompensationszahlungen zugute kommen.
Die landlose Bevölkerung, die durch die Umsiedlung ihre Lebensgrundlage verliert, geht in der Praxis leer aus.
Die Auswirkungen des GAP sind sowohl im sozialen als auch im kulturellen Bereich massiv.
Unersetzbare Kulturgüter werden dem Projekt geopfert. Hasankeyf, zum Beispiel, eine an der früheren Seidenstrasse gelegene, archäologisch äusserst wertvolle Kleinstadt am Tigris, soll unter Wasser gesetzt werden. Sie ist die einzige Stadt in Anatolien, die vollständig aus dem Mittelalter erhalten geblieben ist, und steht seit 1978 unter Denkmalschutz.
Der Baubeschluss bezüglich dem Illisu-Projekt muss somit als widerrechtlich bezeichnet werden. Nun stellt sich unweigerlich die Frage: Hat denn die Kultur im Primat der Ökonomie keinen Wert mehr?
Die Erklärung von Bern (EVB) ist eine unabhängige Organisation(Verein) für solidarische Entwicklung.
Seit 1968 informiert sie die schweizerische Öffentlichkeit über die Beziehungen zwischen Süd und Nord und zwischen Ländern in Asien, Afrika, Lateinamerika und der Schweiz.
Die EVB hat heute landesweit rund 18000 Mitglieder und arbeitet unabhängig von Parteien und Institutionen.
Weitere Informationen über die EVB unter www.evb.ch weitere Informationen zum Staudammprojekt unter www.evb.ch/ilisu.htm.
www.mudian.co.uk
(Englisch)
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