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„Yol“–  von Yilmaz Güney und Serif Gören (Türkei 1982)

Im Magazin des Tages Anzeigers vom 22. Mai 1982 erschien ein ausführlicher Artikel von Martin Schaub zur Entstehungsgeschichte des in Cannes mit der Goldenen Palme preisgekrönten Films „Yol“. Schaub spricht von Yilmaz Güney als türkischem Regisseur und er charakterisiert den Film folgendermassen: „Er hat keine Nationalität, weil der Autor keinen Pass hat. Er hat keine Nationalität, aber er hat eine Heimat. Yol ist ein türkischer Film durch und durch...“

Der Film ist in Zusammenarbeit mit der Zürcher Filmverleih- und -produktionsfirma Cactus entstanden. Die Firma hatte bereits 1979 die Verleihrechte für „Sürü“ übernommen, nachdem der Film am Filmfestival in Locarno mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet worden war. Als nächstes wurde der andere Güney Film „Düsman – der Feind“ von Zeki Ökten in der Schweiz fertiggestellt. „Yol“ wurde auf ähnliche Weise in der Türkei gedreht (diesmal jedoch von Serif Gören), und das belichtete Material in der  Schweiz anschliessend bearbeitet. Der Unterschied besteht darin, dass Yilmaz Güney bei der Fertigstellung selber dabei sein konnte. Kurz nach dem Militärputsch der 80er Jahre kehrte Güney nach einem „Urlaub auf Ehrenwort“ nicht mehr ins Gefängnis zurück, sondern flüchtete nach Frankreich. Während der Zeit im Gefängnis hat Güney äusserst detaillierte Drehbücher verfasst, die dann von Zeki Ökten und später von Serif Gören verfilmt wurden. Obwohl Ökten und Gören die Regisseure waren, wird immer von Güney – Filmen gesprochen, denn der Meister hatte vom Gefängnis aus das Sagen. Seine Drehbücher halten jede einzelne Einstellung fest und enthalten viele Anmerkungen zum Spiel der Schauspieler. Zudem hatte er Schauplätze und Details genaustens mit den Regisseuren abgesprochen.

Güney hat das Thema der Kurden bewusst aufgenommen, weil er wusste, dass dieser Film, wenn überhaupt, im Ausland gesehen werden würde. In einem Interview nannte er es eine nationale und demokratische Verpflichtung, sein Volk der Welt ins Gedächtnis zu rufen. Die Filmbesprechung ist zwar voll des Lobes für diese engagierte Milieustudie, verkennt aber die Wichtigkeit des Films hinsichtlich der Kurden. Güney hatte in einem Interview geäussert, dass er bereits beim Schreiben des Drehbuches wusste, dass "Yol" in der Türkei nicht gezeigt werden würde. Deshalb habe er aus dem Film etwas Besonderes machen wollen, das explizit für die europäischen Zuschauer bestimmt sei. Der Film wurde von der Kritik zwar als hochstehender und politisch brisanter Film wahrgenommen, das Thema des kurdischen Volkes wurde jedoch von den Rezensenten nicht genügend herausgearbeitet. Die einzelnen Geschichten der fünf Männer, die während dem Urlaub auf Ehrenwort in ihre kurdischen Dörfer zurückkehren, wird zwar analysiert, es wird jedoch nicht gesagt, wie wichtig es ist, dass sich Güney gewagt hat, sein Volk als solches in einem Film darzustellen. Der Erfolg seiner Filme steht in einem gewissen Widerspruch zu Güneys Aussageabsicht und seiner Erklärung zu den Filmen.

Da es in der Türkei nicht möglich ist, Gedanken und Kritiken frei zu äussern, hat Güney die Zensurkommission zu umgehen versucht. Deshalb sah er sich gezwungen, viel mit Symbolen und Bildern zu arbeiten, um sein Gedankengut durchsickern zu lassen. Dass dies ein gewisses Vorwissen braucht, war er sich voll bewusst: „Im Grunde genommen muss man meine Filme und mein Leben als ein Ganzes betrachten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Filme für sich allein verstanden würden.“ Trotz der Faszination, die Güneys Filme wegen ihrer Ästhetik auf europäische Zuschauer ausüben, ist es schwierig, die Bedeutungen seiner unzähligen Symbole zu erfassen und zu verstehen.

 


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