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Kurdisches Filmschaffen im Kampf gegen die kulturelle Unterdrückung
In Kurdistan gibt es keine Filmindustrie. Es existiert kein kurdischer Staat, unter dessen Namen und mit dessen Subventionen und Infrastrukturleistungen kurdische Filme realisiert werden könnten. Aus diesen Gründen gibt es nur wenige Filme von Kurden über Kurden. Die meisten Produktionen sind im Exil entstanden. Allerdings wird auch vom palästinensischen Filmschaffen gesprochen, obschon der Staat Palästina de facto nicht existiert. Es braucht also nicht unbedingt einen Nationalstaat, um das kurdische Filmschaffen zu begründen. In Kurdistan selbst jedoch gibt es aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Situation keine unabhängige Filmindustrie. Die Besetzung Kurdistans schafft eine Situation der Unterdrückung und der Negierung der kulturellen Existenz der Kurden. So hatten die Kurden selbst nie die Möglichkeit, ihr Leben und ihre Geschichte der Unterdrückung zu verfilmen, denn in allen Landesteilen sind neben der kurdischen Kultur und der kurdischen Sprache auch die kinematografische Selbstdarstellung verboten. Zwar hat es in der Vergangenheit kurdische Filmemacher gegeben, die sich am Aufbau der jeweiligen nationalen Filmindustrie der Staaten mit kurdischer Bevölkerung beteiligt haben, doch ihre Werke befassen sich kaum oder nur Verschlüsselt mit der kurdischen Identität. Eine Ausnahme ist Yilmaz Güney. Er hat wesentliches zur Entwicklung des türkischen Kinos beigetragen. Ihm ist es aber auch als Filmemacher, Drehbuchautor und Schauspieler gelungen, das Leben der Kurden in seinem Schaffen zu thematisieren.
Ende der 70er Anfang 80er Jahre kamen viele Kurden nach Europa. Besonders in Schweden wurde ihnen von der Regierung direkte Unterstützung gewährt, so dass dort ein Zentrum kurdischer Kultur aufgebaut werden konnte. Leider ist die Filmbranche im Unterschied zu anderen Kunstbereichen sehr teuer. So sind auch in Schweden die Möglichkeiten kurdischer Filmemacher beschränkt. In Deutschland leben ungefähr 10mal mehr Kurden als in Schweden. In allen europäischen Ländern ist die Förderung für Exilfilme begrenzt. So fehlt den Kurden der nötige institutionelle Hintergrund.
Seit Beginn der 80er Jahre gibt es einige Filmhochschulabsolventen und Emigranten aus Kurdistan, die ihren Beruf ausüben wollen. Die Realisation von Filmen ist jedoch schwierig. Finanzierungsprobleme, Schwierigkeiten bei der sozialen und kulturellen Integration und Geringschätzung des Films als Kunst erschweren die Arbeit. Zudem werden kurdische Filme von der Öffentlichkeit kaum beachtet. Meist wird Kurdistan als ein rückständiges Land der Berge, Dörfer und Bauern dargestellt. Selbst innerhalb der kurdischen Intelligenz ist die Rolle des Films als wichtiger Kulturträger umstritten. Bisher ist es den kurdischen Filmemachern selten gelungen, selbstständige Gruppen zu bilden und damit zu arbeiten. Eine Ausnahme ist Nizammetin Ariç.
Charakteristisch für kurdische Filme ist die Darstellung der politischen und sozialen Wirklichkeit in Kurdistan. Dabei verwenden die Regisseure oft eine verschlüsselte und ästhetisierende Bildsprache.
Nizammetin Ariç; eine Kurzbiographie
N.Z. wird 1956 als Kind einer kurdischen Familie im türkischen Agri geboren. Er entdeckt schon früh seine Liebe zur Musik und singt kurdische Lieder. Aus Angst vor der türkischen Repressionspolitik singt er sie jedoch auf türkisch. Ariç kommt als Kind mit seinen Eltern nach Ankara. Hier kann er als türkischer Musiker, Komponist und Schauspieler Karriere machen. 1980 wagt er bei einem Konzert, die Aufführung eines kurdischen Liebesliedes in kurdischer Sprache. Ein Verfahren wegen Separatismus wird gegen ihn eingeleitet und es droht ihm eine Haftstrafe von 15 Jahren. Nach nur 3 Tagen wird er, wohl wegen seiner Popularität, auf freien Fuss gesetzt. Ein Jahr später ergreift er die Flucht und gelangt 1982 über Syrien nach Berlin. Dort erarbeitet er das Drehbuch zu seinem Film „Ein Lied für Beko“. Der Film wird 1992 in Venedig uraufgeführt und mit zwei Preisen ausgezeichnet. „Ein Lied für Beko“ wird an mehreren Festivals gezeigt und erhält weitere Auszeichnungen.
Zum Film kommt Ariç über die Musik: „Auf jeder meiner bisherigen Kassetten gibt es ein Instrumentalthema mit dem ich eine Geschichte erzähle. Diese Musiken waren schon immer dem nahe, was Filmmusik ist. (..). Filmmusik gibt mir die Möglichkeit, Gefühle musikalisch zu erzählen – im Rhythmus der Bilder. (..). Die Musik hat sehr viel Einfluss auf den Film und die Möglichkeit, das Publikum zu erreichen.“
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