14. Februar 2003

Einen Mausklick von mir entfernt

Die Entstehung von Partnerbeziehungen online

Evelina Bühler-Ilieva

Der Valentinstag ist der Tag der Liebenden. Doch wer nicht frisch verliebt ist, eine intakte Beziehung oder ein schlechtes Gewissen hat, begegnet diesem Tag eher mit Gleichgültigkeit. Dabei war es im alten Rom einst Brauch, Mitte Februar den Einsamen zum Liebesglück zu verhelfen, indem die Namen von jungen Frauen auf Zettel geschrieben, und die Männer das Liebeslos für ein Jahr ziehen konnten. Etwas verfeinerte Methoden bieten heute Datingportale im Internet, wobei definierbare Profile des gewünschten Partners und Kontaktmöglichkeiten über E-Mail erste Tuchfühlung mit möglichen Geliebten erlauben. Wie aber steht es nun mit dem Liebesglück? Bietet das Internet tatsächlich den virtuellen Begegnungsraum für künftige Lebenspartner? In Zusammenarbeit mit dem Team von PartnerWinner.ch führte eine Forschungsgruppe am Soziologischen Institut der Universität Zürich eine Umfrage zum Thema "Liebesbeziehungen online" durch. Evelina Bühler fasst erste Ergebnisse ihres Dissertationsprojekts zusammen.

Gibt es "Liebe auf den ersten Klick"? Kann man sich online verlieben, ohne die betreffende Person im realen Leben je gesehen zu haben? Und ist eine im Internet entstandene Beziehung überhaupt echt? Für viele bieten Datingportale die "ultimative" Plattform, um einen Partner zu finden - eine "Gelegenheitsstruktur", die als Ergänzung zu herkömmlichen Gelegenheitsstrukturen für Bekanntschaften betrachtet werden kann. Im Reich der Online-Beziehungen besteht zudem die Möglichkeit, sich virtuelle Identitäten wie eine oder mehrere Masken überzustülpen, die nach Lust und Laune an- und wieder ausgezogen werden können. Auf einem Datingportal bewegt man sich ausschliesslich in einem künstlich geschaffenen Umfeld von digitalen "Traumpartnern", die genauestens konstruierbar und auffindbar sind. Die Entfernung vom eigenen, "wahren Selbst" ist aber selten gross, denn laut eines Benutzers des Portals PartnerWinner.ch ist es wichtig "die entstehende Internet-Beziehung möglichst schnell in die reale Welt zu transportieren. So können sich weniger unrealistische Fantasiegebilde entwickeln."

 

Boom der Datingportale in der "Single-Gesellschaft"?

Es zeichnet sich ein deutlicher Trend ab: Die Zahl der Real-Life-Liebesvermittler, wie Heiratsvermittlungsinstitute und Single-Clubs, geht zurück, dafür boomt die Cyberspace-Partnersuche. In Deutschland nutzen laut einer EMNID-Umfrage des Online-Dienstes "America Online" 9.8 Millionen Menschen das Internet, um Kontakte zu knüpfen. In Europa sollen 38% der Alleinstehenden das Netz für die Partnersuche nutzen. Peter Sloterdijk hatte bestimmt Recht, als er feststellte, dass die "Gesellschaft als Ganzes zu einem Paarungswettbewerb oder Paarlaufwettbewerb wird". Parallel dazu wird das Single-Dasein nicht selten als die "prototypische Lebensform" verherrlicht, die den Anforderungen des gegenwärtigen Arbeitsmarktes entspreche und individuelle Entwicklungsverläufe fördere. Trotz der steigenden Zahl allein lebender Frauen und Männer bestreitet aber der Zürcher Soziologe Francois Höpflinger (2001) die Annahme, dass sich die Gesellschaft zu einer "Gesellschaft von Singles" entwickle - beträgt doch der Anteil permanent allein lebender Frauen und Männer in den meisten Ländern weniger als 5%. Das Single-Dasein wird als möglicher Lebensabschnitt in Kauf genommen, ist aber keineswegs als Dauerzustand zu verstehen. Viele Personen leben zwar zeitweise alleine, sind aber dennoch in Partnerbeziehungen involviert. Die populäre Bezeichnung von Hoffmann-Nowotny (1995), die "Single-Gesellschaft" als die Lebensform der Zukunft, muss neu überdacht werden.

 

PartnerWinner.ch als soziologisches Forschungsobjekt

Ist das Medium Internet die neu gefundene Gelegenheitsstruktur, in welcher Paar-Beziehungen entstehen, sich entwickeln und wieder auflösen können? Wie häufig entstehen romantische Online-Beziehungen? Wie schnell entstehen daraus feste Paarbeziehungen? Welche Typen von Menschen tendieren dazu, im Cyberspace romantische Kontakte zu suchen? Sind Grenzen zwischen dem On- und dem Offline-Leben bestimmbar? In Zusammenarbeit mit dem Team von PartnerWinner.ch führte ein Forschungsteam am Soziologischen Institut der Universität Zürich mit Prof. Hans Geser, lic. phil. Christoph Lüscher und lic. phil. Evelina Bühler eine Umfrage zum Thema "Liebesbeziehungen online" durch. Der Titel der Studie lautet "Die Entstehung von Partnerbeziehungen online". Während zwei Monaten, vom 11. Februar bis 8. April 2002, nahmen 4110 deutschsprachige Benutzerinnen und Benutzer der Website www.partnerwinner.ch an der ersten Internetstudie auf einem deutschsprachigen Datingportal teil. Mit 18.24 Millionen Page Impressions und 135'000 registrierten BenutzerInnen im Mai 2002 (davon 108'000 in der Deutschschweiz und 27'000 in der Romandie) ist PartnerWinner.ch die grösste Dating-Plattform der Schweiz. Neu schreiben sich pro Monat 8'500 Personen ein, was im Durchschnitt 275 Neuanmeldungen pro Tag entspricht. Im Oktober 2002 zählte die Site von PartnerWinner.ch 337'000 eindeutige Besucher mit 738'000 Anwendersitzungen, die im Durchschnitt 12 Minuten und 4 Sekunden dauerten.

Die Benutzer können auf PartnerWinner.ch umfangreiche virtuelle Identitäten (Profile) "konstruieren", was die Plattform besonders attraktiv für die Untersuchung von sozialen Beziehungen macht. Einen ersten Kontakt knüpft man über das interne E-Mail-System der Site. Durch dieses System, das die Kommunikation zwischen zwei Personen unter Wahrung der Anonymität beider ermöglicht, wird die "Exklusivität der Kontaktbereitschaft" (Luhmann) garantiert, die in öffentlichen Situationen oft fehlt: "Ein entscheidender Vorteil ist, dass sich auf einer solchen Plattform Menschen treffen, die auch auf der Suche sind. Im realen Leben sieht man ja nicht, wer nun frei ist oder nicht", wie ein Umfrage-Teilnehmer feststellte. Hinzu kommt noch die erstmalige Gelegenheit, einen Menschen von "innen nach aussen" kennen zu lernen und dabei beliebig lange anonym und körperlos zu bleiben. So meinte eine anderer Teilnehmerin der Umfrage: "Virtuelle Kontakte finde ich viel besser, weil mehr Gespräche geführt werden und das Herz und die Einstellung des anderen stärker zum Bewusstsein kommen. Im Realen hat man viel zu schnell ein Vorurteil - nur weil sein Aussehen nicht so super ist". Im Folgenden werden einige Erkenntnisse über die Entstehungsmechanismen von Paarbeziehungen im Internet vorgestellt, wie sie durch statistisch gesicherte Zahlen über die Einstellungen und Erwartungen der Benutzerinnen und Benutzer von PartnerWinner.ch gewonnen werden konnten.

 

Der Wiederort Cyberspace

"Der Cyberspace gewinnt an Bedeutung als ein Ort, wo man seinen Partner fürs Leben finden kann", lautete die Hauptthese der Studie. Diese These hat sich bestätigt, wie die Wortmeldungen von Befragten illustrieren:

"In der Öffentlichkeit wird frau ja immer weniger von Männern angesprochen."

"Gerade in der Schweiz ist es schwierig, auf der Strasse, in Cafés etc. Leute kennen zu lernen, insofern sie nicht schon irgendwie mit dem Bekanntenkreis verknüpft sind."

"Es ist mir im PartnerWinner auch bewusst geworden, dass es offensichtlich nicht nur mein Problem ist, neue Menschen kennen zu lernen, sondern, dass das ein ziemlich weit verbreitetes Problem ist und dass offensichtlich vor allem oder vermehrt junge Leute sehr einsam sind."

Laut Umfrage befindet sich das neue Medium Internet an der Spitze in der Ratingliste aller Orte, wo romantische Bekanntschaften geknüpft werden können: 17.4% der Nutzer von PartnerWinner.ch sind der Meinung, dass der Arbeitsplatz der wahrscheinlichste Ort ist, wo man seinen Partner finden kann. Mit 17.1% folgt aber bereits die Angabe "im Internet", mit 15% "in der Disco, im Ausgang". Traditionelle Institutionen der Partnersuche wie Schule oder Universität werden nur von 6.4% der Befragten genannt. Ebenfalls mit einer Wahrscheinlichkeit von 6.4% findet man seinen Partner "zufällig auf der Strasse oder im Tram".

Als Vorteile des Online-Datings wurde die Anonymität genannt (75%), dass man "weniger Hemmungen hat" (50%) und "unverbindliche Kontakte möglich sind" (47%). So sagte ein Teilnehmer der Befragung: "Die Anonymität bietet für einen Anfang den maximalen Schutz, und ich kann selbst entscheiden, wann und bei wem ich mich öffne und persönliche Details preisgebe". Als Nachteile des Online-Datings wurde genannt, dass man "alles schreiben kann" (70%), "den anderen nicht sieht oder spürt" (36%) und dass es nicht möglich ist, sich ein Bild des anderen zu machen (25%). Männer betonten, dass man weniger Hemmungen hat und dass auch scheue Leute Kontakt finden, Frauen hingegen, dass man sich "einfach ausloggen kann, wenn einem etwas nicht passt".

Klare Grenzen zwischen Cyberspace und realem Leben können kaum gezogen werden, oder in den Worten eines Befragten: "Ich stelle fest, dass sich das reale Lebensverhalten im Internet gleich wiederspiegelt". Entsprechend konnte die Studie aufzeigen, dass im Internet aufgebaute Beziehungen so "echt" wie herkömmliche Beziehungen sind, da sie ihre anfängliche, rein "virtuelle" Natur ziemlich schnell hinter sich lassen, um ein unentbehrlicher Teil des realen Lebens zu werden. Zudem können virtuelle Internetbeziehungen sehr reale Auswirkungen auf das Leben haben, wie dies ein Teilnehmer der Umfrage schilderte: "Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine im Internet aufgebaute Beziehung, verbunden mit Telefonaten und schriftlichem Kontakt, bei ihrer Auflösung denselben realen Liebeskummer auslösen kann, wie das Scheitern einer 'realen' Beziehung. Man hält es zwar nicht für möglich, es ist aber so".

Die "Erfolgsquote" der PartnerWinner.ch-BenutzerInnen war beachtlich. Fast ein Viertel der befragten Personen (23%) konnten eine feste Liebesbeziehung aufbauen. Die Hälfte dieser Beziehungen (12%) waren zum Zeitpunkt der Befragung immer noch intakt. Dabei konnten mit dem Untersuchungsdesign der Studie längst nicht alle Personen erfasst werden, die in ihrer Partnersuche erfolgreich waren. Denn es ist mit grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass viele "Erfolgreiche" nicht mehr auf dem Datingportal verkehren und daher auch von der Internetbefragung nicht mehr erreicht werden konnten. Die "echte" Erfolgsquote liegt vermutlich viel höher, als die in der Studie ermittelte. Spekulationen über diese "Dunkelziffer" anzustellen wäre aber vermessen. Dass die Partnersuche bei den Erfolgreichen auch die "ultimative" war, bezeugt die Tatsache, dass 71% der Befragten glaubten, den Partner fürs Leben gefunden zu haben. Dabei waren Frauen um 9 % erfolgreicher als Männer: 28% aller Frauen konnten einen Liebespartner finden. Jede sechste Frau bzw. jeder zehnte Mann berichtete, dass ihre auf PartnerWinner.ch entstandene Beziehung während der Befragung intakt war.

 

Porträt des typischen Online-Daters

Wer aber sucht romantische Beziehungen im Cyberspace? Auf diese triviale Frage hat die sozialwissenschaftliche Forschung erst wenige Ergebnisse geliefert. Zudem wurden vorwiegend Chaträume untersucht, wo Beziehungen spontan entstehen. Demgegenüber wurden Settings, wo InternetnutzerInnen gezielt nach romantischen Bindungen streben, bisher vernachlässigt. Eine Ausnahme bildet eine repräsentative kanadische Studie über Online-Dating von Brym und Lenton im Jahr 2001.

In der Zürcher Studie unterscheiden sich die Befragten nach Alter, Geschlecht und Zivilstand nicht signifikant von den Nutzern des Portals insgesamt, wie ein Vergleich mit der Profil-Datenbank von PartnerWinner.ch zeigt. Die Ergebnisse der Studie dürfen daher als repräsentativ für die Grundgesamtgesamtheit aller PartnerWinner.ch-Benutzer bezeichnet werden. Das Durchschnittsalter der BenutzerInnen beträgt 34.3 Jahre. Zum Zeitpunkt der Umfrage waren 38% der Benutzer Frauen. PartnerWinner.ch ist zudem eine Plattform der Heterosexuellen (94%). Schweizerischer Herkunft sind 89%, bei den Ausländern besetzen die Deutschen mit 4.5% den ersten Platz. Aus dem Kanton Zürich kommen 38%, weitere 13% kommen aus dem Kanton Bern. Dass nicht viel Zeit für die Partnersuche bleibt, belegen die Beschäftigungszahlen: 77% arbeiten, jeder Zweite ist zu 100% erwerbstätig, zudem leistet jeder Fünfte Arbeit in Überzeit. 15% der Partnersuchenden, davon drei Viertel Männer, verdienen im Jahr über 100’000 Schweizer Franken brutto. Berufe in der IT-Branche hat ein Fünftel der Personen, auch diese sind vorwiegend männlich.

Neben soziodemographischen Daten hat die Zürcher Studie auch nach den Motivationen für die Benutzung von PartnerWinner.ch und nach dem persönlichen Liebeskonzept der Partnersuchenden gefragt: Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, eine "dauerhafte Liebesbeziehung" zu suchen, für 6% war es sogar "Heirat und Familiengründung". Männer legten mehr Wert auf erotische oder sexuelle Kontakte, Frauen hingegen auf E-Mail-Bekanntschaften und Partner für Freizeit und Hobbys. Auf unsere Bitte, ihre Vorstellung von Liebe mit drei Worten frei assoziativ zu beschreiben, haben die Partnersuchenden überraschend, aber übereinstimmend das Wort "Vertrauen" gewählt, und zwar mit 1598 Nennungen (45%), gefolgt von "Treue" (630 Nennungen, bzw. 18%) und "Geborgenheit" (500 Nennungen, bzw. 14%). Ebenfalls häufig genannt wurden "Ehrlichkeit", "Zärtlichkeit", "Sex", "Respekt", "Glück", "Zuneigung" und "Verständnis". "Leidenschaft" folgte erst an zwölfter Stelle.

 

Die Unterschiede der Partnersuchenden nach Geschlecht

Die Unterschiede in der untersuchten PartnerWinner.ch-Population nach Geschlecht sind gross: Zwar müssen Frauen bei ihrer Partnersuche mit weniger Konkurrenz rechnen, da Männer mit 62% in der Überzahl sind. Wie die Umfrage aber zeigte, unterschieden sich die Geschlechter bezüglich Lebenssituation und Partnersuche-Verhalten erheblich, was ebenfalls einen Einfluss auf die Chance hat, einen Partner zu finden: Männer waren beispielsweise zu 77% kinderlos und besassen den Vorteil einer höheren Bildung und eines höheren Einkommens, dafür waren Frauen in ihrem Alltag weniger durch ihre Erwerbstätigkeit belastet: 25% der Männer berichteten, über 100% zu arbeiten gegenüber 12% der Frauen. Die Berufscharakteristik der Befragten machte zudem eine ungleiche Verteilung bestimmter sozialer Kompetenzen deutlich, die zum Knüpfen von (virtuellen) Beziehungen nützlich sind: Männer dominierten in IT- oder technischen Berufen, Frauen in der Organisation und Verwaltung, im Ausbildungsbereich oder im medizinischen Sektor. Allerdings nutzten Frauen das Internet vermehrt zu Kommunikationszwecken. Obwohl viele Frauen das Medium erst seit einem Jahr kannten und im Schnitt kürzere Zeit eingeloggt waren als die Männer, verstanden sie es offenbar besser, das Potential des Mediums für persönliche Kontakte auszunutzen.

Die Bereitschaft der Frauen, neue Beziehungen aufzunehmen, war paradoxerweise weniger ausgeprägt. Allerdings interagierten Männer weit weniger intensiv mit ihren E-Mail-Bekanntschaften und zeigten sich weniger mutig, ihre virtuellen Bekanntschaften im realen Leben kennen zu lernen. Fast doppelt so viele Frauen wie Männer waren imstande, sich virtuell zu verlieben, und sie haben auch kürzere Zeit dafür gebraucht: Für 15% des weiblichen und 7% des männlichen Geschlechts dauerte es weniger als 10 Tage. Frauen präsentierten sich zudem als erfahrener in Beziehungsangelegenheiten und berichteten häufiger von früheren Beziehungen, die im Internet entstanden sind. Männlich waren ganze 84% der "dauerhaften Singles", in der Studie definiert als ledige Personen, die älter als 24 Jahre sind und noch nie in ihrem Leben eine feste Beziehung hatten. Frauen redeten zudem doppelt so häufig wie Männer mit ihren engsten Freunden über Cyberdating. Männer hatten offensichtlich grössere Mühe darüber zu erzählen, dies sogar, nachdem sie fündig geworden waren. Selbst dann trauten sich sechsmal weniger Männer als Frauen, das "Tabu" zu brechen.

Die meisten der befragten "Cyberdater" waren erfahrene Internetkenner: 42% hatten seit drei bis fünf Jahren Erfahrung mit dem Internet. Trotzdem scheinen sie, zumindest nach eigener Einschätzung, keine Internetsüchtige zu sein: Jeder Zweite hielt sich lediglich eine bis fünf Stunden pro Woche privat im Cyberspace auf. 41% kannten andere Datingportale im Netz, bei den Chaträumen waren es nur 30%. Jeder Fünfte hatte schon einmal ein Kontaktinserat in der Presse aufgegeben und 9% waren schon bei Partnervermittlungsinstituten. Diese recht langen "Partnersuche-Karrieren" sind teilweise damit zu erklären, dass immerhin 15% der Benutzerinnen und Benutzer noch nie in ihrem Leben eine feste Liebesbeziehung hatten. Die "Unerfahrenen" sind im Durchschnitt 27 Jahre alt und wohnen entweder bei den Eltern oder alleine. Bezeichnenderweise gaben 17% aller Befragten an, eine Beziehung im Internet gehabt zu haben, bevor sie auf PartnerWinner.ch stiessen.

 

"Liebe auf den ersten Klick"?

Wer bei PartnerWinner.ch fündig wurde, hat nicht lange auf die Liebe warten müssen: 29% waren weniger als einen Monat auf PartnerWinner.ch. Jeder Zehnte gab ausserdem an, den richtigen Partner gefunden zu haben, darunter doppelt so viele Frauen wie Männer. Es gibt sie also, die Liebe auf den ersten Klick, zumindest die Liebe nach dem ersten E-Mail: 4% der Befragten haben sich "bereits nach dem ersten Mail" verliebt. Kaum verwunderlich, denn immerhin haben sich 12% während des E-Mail-Schreibens ineinander verliebt, noch bevor sie sich im realen Leben getroffen haben.

Schliesslich konnte die Studie aufzeigen, dass die Einstellungen der BenutzerInnen von PartnerWinner.ch für den Erfolg der Partnersuche wichtiger sind als soziodemographische Faktoren. Dies erstaunt kaum. Zwar ist es sicher schwieriger für einen 55-jährigen Techniker mit bescheidenem Einkommen und zwei Kindern eine Liebesbeziehung über PartnerWinner.ch aufzubauen als für eine 34-jährige, ledige und gut verdienende Akademikerin. Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung, Zivilstand, Beruf und Lebensform würden aber eine erheblich kleinere Rolle spielen, wenn die Menschen von der Effizienz des Internets als Instrument zur Partnersuche überzeugt wären. Auf die Vorgabe "Ich kann meinen Traumpartner im Internet schneller finden als im realen Leben", meinte ein Teilnehmer der Befragung: "Ich glaube, bei der Partnersuche, egal welcher Art, kommt es vor allem auf die persönliche Einstellung an, ob man Erfolg hat oder nicht. So gesehen unterscheidet sich die Suche auf dem Internet gar nicht so sehr von der im realen Leben". Ähnlich äusserte sich ein anderer Teilnehmer: "Ich gehe davon aus, dass jemand, der ein Problem hat, eine Bindung zu finden, auch hier keine finden kann. Womöglich hat er eine grosse Auswahl, doch im inneren Auge suchen viele einfach den falschen Partner".

Das persönliche Verhalten im virtuellen Raum - ob man E-Mails schreibt, telefoniert oder Fotos austauscht, um eine Bekanntschaft zu vertiefen - spielte für den Erfolg der Partnersuche eine wichtige Rolle. Wichtig waren zudem persönliche Erfahrungen mit bisherigen Beziehungen sowie die ursprüngliche Motivation für die Partnersuche. Das individuelle Verhalten im realen Leben erwies sich als für den Erfolg mitbestimmend: Die Anzahl der Dates im realen Leben und die Qualität der dabei gesammelten Erfahrungen waren für die Erfolgswahrscheinlichkeit mitverantwortlich. Allerdings kann unsere Studie nur teilweise erklären, weshalb bestimmte Personen die Liebe im Internet finden, andere hingegen nicht. Fest steht aber, dass die Liebesglückwahrscheinlichkeit durch ein Medium wie dem Internet generell erhöht wird. Ein Befragungsteilnehmer meinte dazu: "Es ist auch ein Experiment, Personen zu kontaktieren, die sich vielleicht nicht in ähnlichen Milieus bewegen, die aber genauso faszinierend, spannend und herzlich sind wie Leute aus dem Freundeskreis". Das Liebesglück bleibt trotzdem ungewiss, da "(...) Partnersuche ein Stück weit auch immer Glückssache" bleibt, wie ein anderer Teilnehmer treffend bemerkte. Wenig überraschend befinden sich die Skeptiker der Portal-BenutzerInnen unter den Erfolglosen. Die Liebe bleibt nach wie vor - um es in den Worten Luhmanns zu sagen - eine ziemlich grosse Unwahrscheinlichkeit, die nicht voraussagbar ist. Oder, wie es ein Teilnehmer der Umfrage formulierte: "PartnerWinner ist wie ein Fenster für den Zufall. Und Zufall ist, was einem zufällt".

Evelina Bühler-Ilieva ist Assistentin am Soziologischen Institut der Universität Zürich und hat die Studie "Die Entstehung von Partnerbeziehungen online" in Zusammenarbeit mit dem Soziologen Christoph Lüscher durchgeführt. Ausführliche Forschungsresultate des Dissertationsprojekts befinden sich im Internet unter: http://www.suz.unizh.ch/partnerwinner

 

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Literatur:

Glauer, Andrea / Steinlin, Gaudenz / Tschirren, Karin (1999): Singles. Über Lust und Frust der Ungepaarten. Seminararbeit, Universität Bern:
http://www.soziologie.ch/resources/texts/docs/singles.pdf 

Höpflinger, Francois (2001): Beruf und Familie - zwei Lebensbereiche, ein Leben. (o.O):
http://www.mypage.bluewin.ch/hoepf/fhtop/fhfamil1f.html 

Hoffmann-Nowotny, H. J. (1996): Die Gesellschaft auf dem Weg zur individualistischen Selbstauflösung? In: Perret, Meinrad et al. (Hrsg.): Familie im Wandel. Bern: Huber Fribourg, Universitätsverlag, S. 3-17.

Luhmann, Niklas (1994): Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Brym, Robert J. / Lenton, Rhonda L. (2001): Love Online. A Report on Digital Dating in Canada:
http://www.nelson.com/nelson/harcourt/sociology/newsociety3e/loveonline.pdf 





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