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08. März 2002 Rassismus - Relikt oder Realität? Katharina Jakob Auf wirtschaftlicher Ebene finden Zusammenschlüsse über Landesgrenzen
und Kontinente hinweg statt - wie aber verhält es sich auf der
gesellschaftlichen Ebene? Die Globalisierung eint zweifellos die Welt, jedoch
bleiben hierarchische und ausgrenzende Strukturen bestehen. Das Thema
Einwanderungspolitik ist in den westeuropäischen Staaten ein Dauerbrenner,
und Ängste vor dem Fremden führen zu Feindseligkeiten, die
rechtspopulistischen Gruppierungen Aufwind geben. SVP-Plakatkampagne "Kosovo-Albaner Nein" Das Plakat "Kosovo-Albaner Nein" wurde von der Stadtzürcher SVP
während der Abstimmungskampagne im Juni 1998 zum Projekt der Caritas zur
Integration von niedergelassenen Kosovo-Albanern geschaltet. Die massive und
aufwendige Kampagne seitens der SVP konnte sich schliesslich mit ihrer
Nein-Parole an der Urne durchsetzen. Auf dem Plakat waren die Worte
"Kontaktnetz für" viel kleiner als der Rest geschrieben, so dass
Passanten bei einer flüchtigen Betrachtung nur die Botschaft
"Kosovo-Albaner Nein" wahrnehmen konnten. Hat die Zürcher SVP
damit zu Hass gegen Kosovo-Albaner und zur Diskriminierung aufgerufen? In
einem Gerichtsverfahren waren die urteilenden Richter nicht dieser Meinung,
und die Verantwortlichen für die Plakat-Kampagne "Kosovo-Albaner
Nein" wurden freigesprochen. Die Kläger, Vertreter der Demokratischen
Juristinnen und Juristen Zürich (DJZ), wollten daraufhin gegen das Urteil in
Berufung gehen. Bisher ist aber noch keine Klage beim Zürcher Obergericht
eingegangen. Abgrenzung von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit Wo hört Ausländerfeindlichkeit auf und wo beginnt Rassismus? Eine Differenzierung hat Cintia Meier-Mesquita in ihrem Buch "Rassismus und antirassistische Erziehung" (1999) vorgenommen. In der Alltagssprache werden die Begriffe Ausländerfeindlichkeit und Rassismus oft miteinander verwechselt; aus diesem Grund ist eine klare Abgrenzung notwendig. Ausländerfeindlichkeit bezieht sich auf eine feindselige Haltung gegenüber ausländischen Bürgerinnen und Bürgern. Diese können Franzosen, Deutsche, Schweden oder Amerikaner sein, also grundsätzlich alle Personen, die hierzulande nicht im Besitz des Schweizer Passes sind. Rassismus hingegen impliziert eine Diskriminierung aufgrund von sichtbaren körperlichen oder unsichtbaren (vermeintlichen oder tatsächlichen) biologischen Eigenschaften. Darüber hinaus werden auch andere Aspekte für die Konstruktion von "Rasse" herangezogen, z.B. die Religion oder die Kultur, und zum Zeck der "Rassenkonstruktion" biologisiert. Wird die Kultur als Merkmal verwendet, so wird von Kulturrassismus gesprochen. Die Zuordnung von Menschen aufgrund naturalisierter Merkmale hat eine lange Geschichte, wie die Konstruktion der "arischen" bzw. "jüdischen Rasse" zeigt. Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sind zwei Ausschliessungspraktiken,
die oftmals schwierig zu unterscheiden sind, da sich der Begriff Rassismus
nicht ausschliesslich auf biologische Merkmale bezieht, sondern zum Zweck der
Rassenkonstruktion auch nicht-biologische Merkmale "biologisiert".
Wird Rassismus als Ideologie verstanden, werden Menschen und ihre sozialen
Beziehungen auf eine entstellte Weise dargestellt und Behauptungen über
Menschen in einer Art propagiert, die Ausgrenzungspraktiken rechtfertigen. Rassismus in der Kriminalberichterstattung In der Kriminalberichterstattung sowie in Polizeimeldungen,
Fahndungsaufrufen, Gerichtsberichten und Zusatzrecherchen zu Unglücksfällen
und Verbrechen kommt es wiederholt vor, dass Personen auf diskriminierende
Weise dargestellt werden. So hat die Medienwissenschafterin Nadja Fischer in
einer Seminararbeit die Darstellung von "ausländischen" und
"inländischen" Straftätern in der Kriminalberichterstattung
untersucht und eine Inhaltsanalyse des "Tagesanzeiger" und
"Blick" vorgenommen. Sie kam zum Ergebnis, dass beide Printmedien
von rassistischem Gedankengut durchsetzt seien. Die Analyse, welche auf 129
Artikeln im Zeitraum des Jahres 1999 basiert, besagt, dass gerade im
"Blick" Ausländer/innen diskriminiert wurden, indem suggeriert
wurde, dass ausländische Kriminelle genuin kriminell und daher gefährlicher
als Schweizer Straftäter seien. Für letztere wird auf Seiten der
JournalistInnen mehr Verständnis für die Gründe der kriminellen Handlung
entgegengebracht. Der "Tages-Anzeiger" mache zwar weniger eine
"Wir-Sie"-Kategorisierung, jedoch einen bedeutenden Unterschied bei
der Beschreibung von einheimischen und ausländischen Delinquenten.
Ausländer/innen würden oft klar und eindeutig beschrieben, was bei
Schweizer/innen mehrheitlich weniger der Fall sei. Der Presserat hat zu
dieser Problematik Stellung genommen und festgestellt, dass trotz
Anti-Rassismus-Strafnorm und berufsethischer Normen (JournalistInnen-Codex)
immer wieder diskriminierende Formulierungen in der Kriminalberichterstattung
und in den Leserbriefen auftauchen. Aus diesem Grund sollten Medienschaffende
darauf achten, so der Presserat, dass in der Berichterstattung über
Gerichtsverhandlungen, Pressekonferenzen der Polizei, etc. nicht einzelne
Menschen oder Gruppierungen durch die Medien diskriminiert werden. Medien
sollten so differenziert wie möglich über Kriminalität berichten,
Pauschalisierungen vermeiden und die Herkunft von Delinquenten nur angeben,
falls diese in einem Zusammenhang mit der Tat steht. "Achtung Verachtung" Sind verantwortliches Handeln in der Gesellschaft und die Achtung der
Menschenwürde erlernbar? Ein neues Lehrmittel soll an Berner Schulen das
Thema Rassismus und Rechtsextremismus thematisieren. Das neue Lehrmittel
"Achtung Verachtung" ist aus Besorgnis über die zunehmenden
Gewaltakte mit einem rechtsextremen Hintergrund entstanden und möchte
Jugendliche ab der 7. Klasse für dieses Thema sensibilisieren. Offene und
versteckte Formen von Rassismus sollen bewusst gemacht und bekämpft werden
mit dem Ziel, dass Begegnungen mit fremden Menschen vorurteilsfrei, angstfrei
und offen verlaufen können. Die Erziehung zur Toleranz und zur Achtung vor
dem Mitmenschen ist unter anderem auch ein Lehrauftrag der Bildungsanstalten.
Aber im Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus sind Eltern genauso
gefragt, wie Gemeinden, politische Parteien und die Medien. Katharina Jakob ist Studentin der Gesellschaftswissenschaften an der Universität Fribourg. Druckversion: pdf (Zur
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Reader)
Literatur: Beyeler, Rahel / Treu, Luise / Zimmermann, Maria (2001): Achtung Verachtung. Verlag Pestalozzianum Zürich. Fischer, Nadja (1999): Ihr Mörder: ein Einheimischer. Die Darstellung von "ausländischen" und "inländischen" Straftätern in der Kriminalberichterstattung. Eine inhaltsanalytische Untersuchung von "Tagesanzeiger" und "Blick". Basel, unveröffentlichte Seminararbeit. Meier-Mesquita, Cintia (1999): Rassismus und antirassistische Erziehung. Universitätsverlag Freiburg.
Fachartikel: Annan, Kofi / Robinson, Mary / Matsuura, Koïchiro (2001): Pressefreiheit - ein unentbehrliches Instrument gegen Rassismus. Gemeinsame Erklärung zum Welttag der Pressefreiheit, 3. Mai 2001. Bähler, Regula (2001): Wie steht es um die Meinungsfreiheit in den Medien? Referat anlässlich der Tagung "Meinungsfreiheit in den Medien", veranstaltet von "Menschenrechte Schweiz" MERS, Bern, 16.11.2001, Bern. Blumentritt, Martin (1998): Zehn Thesen zum Verhältnis von Rassenbegriff
und Rassismus, Stand 7. April 1998. Doetz, Jürgen (2001): Coregulierung zwischen Selbstkontrolle und staatlicher Aufsicht. Veranstaltung des Instituts für Europäisches Medienrecht im Rahmen der Medientage München 2001. Freiwillige Selbstkontrolle versus staatliche Aufsicht. Impulsreferat von Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation. ENRA (1999): Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit durch
Legislativmassnahmen auf europäischer Ebene. Redaktion: Isabelle Chopin,
Stand November 1999: Fachschaftsinitiative am Otto-Suhr-Institut (o. J.): Von biologistischem
zu kulturalistischem Rassismus: Jäger, Siegfried (2000): Gewalt in den Medien am Beispiel von Rassismus
und Rechtsextremismus. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung.
Stand 29. Nov. 2000. Marheinecke, Martin (2000): "Menschenrassen gibt es nicht!" Bringen die Ergebnisse der Genforschung das Ende des Rassismus? August 2000. Memmi, Albert (1992): Rassismus. Hamburg. S. 151: Netz gegen Rassismus, für gleiche Rechte (2000): Vorschlag für einen
Aktionsplan gegen Rassismus für die Bundesrepublik Deutschland. Netz gegen
Rassismus, für gleiche Rechte, Koordinierungsstelle DGB-Bundesvorstand, Abt.
Internationales, Referat Migration, beschlossen am 28. März 2000: Niggli, Marcel A. (2001): Grenzen der Meinungsäusserungsfreiheit? Verletzung der Menschenwürde als Grenze für die Meinungsäusserungsfreiheit. Resumé des Beitrags am Seminar vom 20. April 2001. Projektgruppe "Internet-Zensur" (1999): Die Alternative zur
Zensur: Selbstkontrolle. Semesterarbeit im Rahmen der Projektgruppe
"Internet-Zensur", Medien- und kommunikationswissenschaftliche
Vorlesung "Elektronische Medien" von Prof. Dr. Thomas A. Bauer.
Stand vom 1.10.1999: Rosenthal, David (2000): Neue Wege zur Bekämpfung von Web-Rassismus. Rosenthal, David (2000): Current problems and
possible strategies for combating racism on the Internet. Working Paper. Arbeitspapier zur Bekämpfung von Rassismus im
Internet, im Auftrag des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte,
14.04.2000: UNESCO-Erklärung gegen den "Rasse"-Begriff. Übersetzt aus dem
Englischen von Prof. Dr. Uwe Karrmann. In: Mitteilungen. Dokumentationsarchiv
des Österreichischen Widerstandes, 129, Dezember 1996, S. 4: Wissenschaftliche Arbeitsgruppe der internationalen UNESCO-Konferenz "Gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung" (1995): Stellungnahme zur Rassenfrage anlässlich der Konferenz vom 8. und 9. Juni 1995 in Stadtschlaining, Österreich. Zabel, Mürra (2001): Die EMRK und die Meinungsfreiheit: Zur Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (ECHR) in Strassburg "Wir gehen nach Strassburg!" Referat anlässlich der Tagung "Meinungsfreiheit in den Medien", veranstaltet von "Menschenrechte Schweiz" MERS Bern, 16.11.2001, Bern. Zechner, Rosa (2001): Komplexe Verhältnisse - Rassismus und Sexismus. In: Frauensolidarität 77, 3/2001, S. 4f.: www.frauensolidaritaet.org/inhalt/zechner.htm Zimmermann, Judith (2001): Kompetenz versus Betroffenheit. Einige
interessante Diskurse zu Sexismus und Rassismus beim
Antirassismus-Studientag. In: Frauensolidarität 77, 3/2001, S. 19f..
Organisationen: Aktion Kinder des Holocaust Anti-Defamation League Augen auf Crosspoint Anti Racism D.I.R, Dokumentations- und Informationszentrum für Rassismusforschung
e.V. Eidgenössische Kommission gegen Rassismus European Network Against Racism: Fachstelle für Rassismusbekämpfung: Hate Watch humanrights.ch Initiative Dialog: LICRA, Ligue Internationale Contre le Racisme et l'Antisémitisme Simon Wiesenthal Center Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus: The Hate Directory The Nizkor Project UNO Hochkommissariat für Menschenrechte World Conference Against Racism:
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