26. Januar 2001

Städte im World Wide Web

Hintergrund und Überblick

Judith Arnold

Immer mehr Städte finden im World Wide Web eine digitale Entsprechung. Während einige noch bescheiden auf sich hinweisen, haben andere bereits eine ausgefeilte Plattform für Information, Austausch und Begegnung geschaffen. Der folgende Beitrag erläutert die Hintergründe und bietet einen Überblick über die virtuellen Städte der Schweiz.

Städte können statisch als räumliche Verdichtungen von Bauten oder dynamisch als Ballungszentren sozialer Austauschbeziehungen begriffen werden. Welchen Stellenwert der Kommunikation bei der Ausbildung von Städten zugemessen wird, ist angesichts der Entstehung von Gemeinschaften im Internet von neuem Interesse. Während die Städte an Öffentlichkeit verlieren, bilden sich im Internet neue Formen von Urbanität aus. Dabei kann das Internet an sich begriffen werden als die fortschreitende Vernetzung urbaner Strukturen. Die Verdoppelung der Städte im World Wide Web durch ihr digitales Abbild scheint nur eine logische Folge zu sein.

 

Digital, cyber und virtuell

Stadtverwaltungen, aber auch "Netcommunities", Unternehmen oder fiktive Städte sind mit einer Website im Internet vertreten. Viele nehmen die Metapher der Stadt für sich in Anspruch, und so kursieren Begriffe wie "digitale Stadt, virtuelle Stadt, Internetstadt, Telepolis, Cyber City" und dergleichen mehr. Noch nicht vollständig durchgesetzt hat sich die Unterscheidung zwischen "Virtual" und "Cyber Cities", wonach erstere ein Abbild der "realen" Welt sind und letztere nicht.

Die Grenzen zwischen Virtual und Cyber Cities können fliessend sein und nicht selten existiert eine Stadt in zwei- oder gar mehrfacher Ausprägung wie beispielsweise Berlin ( www.berlin.de, www.das-berlin.de). Luzern wiederum ist sowohl textorieniert (www. stadtluzern.ch) als auch dreidimensional im Internet vertreten (www.lucerne-by-byte.ch). Denn je nachdem, ob die Stadt nun als Baukörper oder als sozialer Raum verstanden wird, stellen sich andere Erwartungen an ihre digitale Modellierung. Bei textbasierten Modellen liegt die Qualität in der Information und den Kommunikationsformen, während die dreidimensionalen Modelle zwar eindrücklich sind, interaktive Möglichkeiten aber oft vermissen lassen. Am variantenreichsten nehmen sich die "Cyber Cities" wie "FunCity", "Dreistadt" oder "city4all" aus, da sie durch multimediale Effekte und ausgefeilte Interaktionsangebote ihre "Gemeinden" erst bilden müssen. Man mag nun einwenden, dass es sich hierbei um "Netcommunities", nicht aber um Städte handelt. Tatsächlich aber nahm die Entstehung der digitalen Städte ihren Anfang im Bestreben, über das Internet virtuelle Gemeinschaften zu bilden.

 

Anfang und Ende der virtuellen Stadt

Pionier in Europa war das Projekt "Internationale Stadt Berlin", das 1994 aus der Taufe gehoben wurde. Das Ziel von elf Programmierern, Medienwissenschafter und Künstler war, allen Menschen einen Zugang zum damals noch exklusiven Internet zu gewähren. Sie wollten Begegnungen, Bürgerinitiativen und neue Kunstformen fördern, indem sie ihre Plattform zur Verfügung stellten und Module für Projektarbeit entwickelten. Bald aber begannen sich Online-Dienste zu etablieren und es entstanden Projekte, welche die Idee der digitalen Stadt kommerziell zu vermarkten wussten. Dazu gehört auch "De digitale Stad Amsterdam", die 1994 fast zeitgleich mit der "Internationalen Stadt Berlin" konzipiert wurde. Amsterdam orientierte sich zwar ebenfalls am Vorbild der "Free-Nets" in Canada und den USA, integrierte aber von Anfang an das Angebot von Wirtschaft und Verwaltung. Aufgrund dieser Entwicklung verlor die "Internationale Stadt Berlin" für die Betreiber ihren Sinn und sie schlossen 1998 vorübergehend ihre Tore.

 

Die Stadt als Marke

Digitale Städte wurden fortan nicht nur von Enthusiasten, sondern auch von Stadtverwaltungen, Fremdenverkehrsverbänden, ortsansässige Hochschulen, Medien oder dem regionalen Gewerbe aufgebaut. Unvergleichlichen Support erhält derzeit San Francisco mit seinem Projekt "Next Generation Cities", wobei High-Tech-Unternehmen Module entwickeln, die später als Prototypen auf andere virtuelle Städte übertragen werden können. Unter den renommierten Partnern befindet sich das Unternehmen "Fujitsu", das seit 1990 Betreiber von "Habitat" ist, der 1985 in Tokyo entwickelten und ersten Cyber City überhaupt.

Weit verbreitet ist heute das Modell der sogenannten PPP, der "Public-Private-Partnership", wobei das städtische Angebot finanziert und ergänzt wird durch jenes der Wirtschaft oder der betreibenden Online-Dienste. Testfall hierfür war "berlin.de", das 1999 in Partnerschaft mit der Daimler-Chrysler-Tochter "debis" und dem Handelskonzern "Metro Holding AG" aufgebaut wurde. Heute wird der regionale Onlinedienst betrieben von der "berlin.de new media GmbH & Co. KG" in Public-Private-Partnership mit dem Land Berlin. Stadtverwaltungen verschreiben sich seither immer mehr dem Geist der Corporate Identity, während die Stadt selbst zur Marke wird. Fraglich ist, ob Privatpersonen sich an der Gestaltung virtueller Städte noch beteiligen können, oder ob der Bürger nun zum Kunden wird. Sicher ist, dass nur jene virtuellen Städte ein stabiles Fundament haben, die sich auf eine "reale" Stadt beziehen und möglichst viele ihrer Aspekte modellieren. Das schliesst die Wirtschaft ebenso mit ein, wie die Politik oder die Vielfalt der städtischen Kultur. In aller Munde ist heute "E-Government", eine Vision, wonach dereinst Verwaltungstätigkeiten, Bürgerrechte und -pflichten elektronisch wahrgenommen werden können.

 

Überblick

Eine Übersicht über die derzeit im Internet vertretenen Städte bietet "BADAC", die Datenbank der Kantone und Städte. Von den Städten, die mindestens 10 000 Einwohner haben, betreiben 95 von insgesamt 110 eine offizielle Homepage. Altstätten, Herisau, Horw, Illnau-Effretikon, Köniz, Küsnacht, Le Locle, Littau, Lugano, Münchenstein, Muri bei Bern, Pratteln, Regensdorf, Schlieren und Wohlen im Aargau sind derzeit noch nicht im Internet vertreten. Ein ausführliches Verzeichnis aller kommunalen Websites bietet das "Institut de hautes études en administration publique" IDHEAP unter der Adresse www.gov.ch. Gemäss diesem Verzeichnis haben ca. 2580 von insgesamt 2899 Schweizer Gemeinden einen offiziellen Internetauftritt. Darüber hinaus gibt es das Stadt-Netz von "Mediatime", ein Projekt, das die Städte über direkte und gegenseitige Links vernetzen will. Das Verzeichnis führt bisher 576 Gemeinden auf, wobei 37 doppelt oder mehrfach verzeichnet sind: Das kann einerseits auf schlechte Wartung und andererseits auf die zahlreichen parallelen Angebote von Tourismusverbänden, Online-Diensten und regionalen Unternehmen zurückgeführt werden. Ein Überblick über die kommunalen Websites bieten auch Kataloge wie "Bellnet", wobei diese ebenfalls mehr als nur die offiziellen Websites aufführen. Zudem sind die Gemeinden auf einigen kantonalen Websites verzeichnet und auch diverse Online-Medien führen ein regionales Städteverzeichnis. Beispiele hierfür ist die Online-Ausgabe der Aargauer Zeitung.

 

Stadtrundgang

Bevor nun ein Stadtrundgang unternommen wird, soll erst geklärt werden, was eine virtuelle Stadt positiv auszeichnet. Wichtig ist sicher das Erscheinungsbild, wobei nicht nur die Attraktivität sondern auch die übersichtliche Darstellung eine Rolle spielt. Die Informationen selbst sollten nicht nur in der Fülle, sondern auch in der Vielfalt und der Relevanz überzeugen. Im Weiteren sind die Kommunikationsformen zentral: Nicht nur E-Mail-Adressen der Behörden, sondern auch Begegnungsräume wie Gästebücher oder politische Foren sollten eingerichtet sein. Im Zeitalter des E-Government steigen zudem die Erwartungen, Dokumente zu laden und Transaktionen online tätigen zu können. Wünschenswert ist auch die Möglichkeit der Partizipation, indem Externe an der Gestaltung offizieller Websites mitwirken und ihr eigenes Angebot präsentieren können. 

Um einen Überblick über die virtuellen Städte der Schweiz zu geben, werden im Folgenden die Websites der Kantonshauptorte vorgestellt. Diese haben sehr unterschiedliche Angebote, wobei einige zum Zeitpunkt der ersten Auswertung Anfang Jahr noch nicht im Internet vertreten waren: Appenzell und Sarnen hatten erst eine Homepage auf der kantonalen Website, Chur lediglich ein touristisches Angebot, und Herisau existierte noch nicht im World Wide Web. Stans kündigte seinen Internetauftritt auf Ende Januar an. Mittlerweile haben Sarnen und Stans eine eigene Website, während Chur für seinen neuen Auftritt sogar den "Eugen" für den besten E-Governmentauftritt 2001 erhalten hat (vgl. unten). Die Website von Herisau ist bei der Firma i-web.ch in Arbeit.

(Die städtischen Websites sind einer laufenden Veränderung unterworfen. Einige Beobachtungen von Anfang Jahr 2001 sind daher nicht mehr gültig. Wo grosse Veränderungen an den Websites vorgenommen wurden, wird dies vermerkt.)

Aarau hat ein ansprechendes, aber unspektakuläres Erscheinungsbild. Die Gliederung scheint anfänglich klar, ist aber bei näherer Betrachtung nicht immer einsichtig. Kontakt kann nur mit dem Webmaster aufgenommen werden. Ein Forum sowie die Bestellmöglichkeit von Formularen fehlen. Zudem verwirrt die tiefe Hierarchie, indem Stichworte immer erst zu weiteren Stichworten führen. 

Altdorf präsentiert sich patriotisch mit dem Adler als Wappentier und dem Denkmal des Wilhelm Tell. Die Informationen sind jedoch umfangreich und übersichtlich gegliedert. Protokolle der letzten Gemeindeversammlung sind ebenso zu finden, wie Beratungsstellen, Statistiken und ein Archiv. Zudem wird die Möglichkeit zur Partizipation geboten, indem Veranstaltungen von privater Seite per Eingabemaske angemeldet werden können. 

Die Website der Kulturstadt Basel ist in Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei des Kantons Basel-Stadt, dem Rechenzentrum der Universität Basel und der Schule für Gestaltung entstanden. Das Konzept verfolgt eine ähnliche Idee wie Amsterdam, insofern alle eingeladen sind, sich am Informationsangebot zu beteiligen. Die Rubriken sind daher recht vielseitig und führen zahlreiche Links zu Tourismus, Verkehr, Wirtschaft, Bildung, Kultur und Vereine. Eine Verlinkung auf der städtischen Homepage kann per Eingabemaske beantragt werden. Demgegenüber ist die Präsentation der Bürgergemeinde Basel auf der kantonalen Website integriert und kommt einer didaktischen Selbstdarstellung gleich. Es finden sich Links zu Traktanden und Beschlüssen des Gemeinderats. Feedback ist per E-Mail möglich, ein Forum jedoch fehlt. Der Transaktions-Service beschränkt sich derzeit auf die Bestellung eines Heimatscheins.

(Die Website von Basel wurde im Verlauf des Jahres 2001 neu konzipiert; Anm. d. Red.)

Die Website von Bellinzona kommt recht hausbacken daher. Das Informationsangebot ist bescheiden und es werden lediglich die Adressen von Behörden und Verwaltung aufgeführt. Ein Diskussionsforum fehlt, ebenso die Möglichkeit zum Laden oder Versenden von Formularen. Der Service beschränkt sich derzeit auf einige Vorlagen zur Erstellung von amtlichen Geschäftsbriefen. 

Bern hat ein umfangreiches Angebot, allerdings nur in deutscher Sprache. Das Erscheindungsbild ist professionell und die Informationen mit Links und Registern übersichtlich strukturiert. Eine Zusammenstellung der meistgestellten Fragen und ihren Antworten (FAQ) bietet rasche Hilfe im Verkehr mit den Ämtern. Zudem sind die Informationen intern gut verlinkt und die Kontaktadressen führen direkt zu den bearbeitenden Stellen. Das grosse Informationsangebot kann zusätzlich per Suchmaschine eingesehen werden. Feedback ist per Eingabemaske möglich und ein Gästebuch bietet Raum für Begegnungen. Formulare können geladen und vereinzelt online ausgefüllt werden. Per Eingabemaske kann zudem die Verlinkung der eigenen Homepage beantragt werden. 

Delémont hat einen sehr bescheidenen Auftritt mit einem kurzen Portrait der Stadt, einigen Bilder und Hinweise auf Veranstaltungen. Unter der Rubrik Verwaltung werden die Adressen der öffentlichen Dienste aufgeführt. 

(Die Website von Delémont wurde im Verlauf des Jahres 2001 neu konzipiert; Anm. d. Red.)

Der Auftritt von Frauenfeld ist nüchtern und führt ein durchschnittliches aber übersichtliches Angebot. Angaben über Veranstaltungen und Vereine werden aufgenommen und in einer Datenbank verwaltet. Politische Informationen wie Protokolle werden publiziert, und Links zu den entsprechenden Ämtern ermöglichen eine direkte Kontaktaufnahme. Formulare können zum Teil geladen und versendet werden, ein politisches Forum oder ein Gästebuch existiert hingegen nicht. 

Fribourg hat sein Informationsangebot hierarchisch strukturiert, was zwar übersichtlich aber umständlich ist. Auch hier sind Links für direkte Kontaktaufnahme vorhanden, während ein Forum fehlt. Dafür ist ein Online-Schalter im Aufbau begriffen, und es können Dokumente geladen und Formulare online ausgefüllt werden. 

Die Homepage von Glarus zeigt eine effektvolle Animation. Die Website selbst ist farblich ansprechend und mit Registern übersichtlich gestaltet. Ein Kurzportrait liefert Informationen zu Geografie, Lage und Geschichte von Glarus, während die Rubriken Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Freizeit und Kultur, Bildung, Tourismus und Jugend zu umfangreichen Untermenus führen. Die Verwaltung wird mit E-Mail-Adressen vorgestellt, was rasche Kontaktaufnahme mit den einzelnen Ämtern ermöglicht. Beim Gemeinderat fehlt dieser Service. Dafür wird das Leitbild vorgestellt und ein Online-Schalter ermöglicht Transaktionen mit dem Bauamt oder der Einwohnerkontrolle. 

Genf hat ein futuristisches Erscheinungsbild und präsentiert sich als internationale Stadt in all ihren Facetten - sowohl in französischer als auch in englischer und Sprache. Die Navigation ist zwar gut, aber das äusserst umfangreiche Angebot zu Kultur, Geschichte, Soziales, Technik und Politik kann auch über die "site map" kaum überblickt werden. Nebst Informationen zu Verwaltung und Behörden finden sich Dokumente zu den aktuellen politischen Debatten. Amtliche Korrespondenz wird eingehend erklärt, wobei die erforderlichen Dokumente bereitgestellt und die Kontaktadressen aufgeführt werden. Eine Abwicklung online ist aber erst teilweise möglich. Kontakt kann per E-Mail aufgenommen werden, ein Forum oder Gästebuch existiert hingegen nicht. 

Die Website von Lausanne ist nach amerikanischem Vorbild gestaltet. Sie umfasst Informationen zu Tourismus, Sport, Kultur und den öffentlichen Diensten. Behörden und Verwaltung werden mit Adressen, Dokumenten und weiterführenden Links eingehend vorgestellt. Vorbildlich sind zudem die internen Homepages einzelner Dienste, wie zum Beispiel diejenige der Polizei. Politisch informieren kann man sich über das "Journal communal", welches die Traktanden und Beschlüsse des letzten Monats aufführt. Ein Gästebuch ist vorhanden, ein politisches Forum hingegen nicht.

(Die Website von Lausanne wurde im Verlauf des Jahres 2001 neu konzipiert; Anm. d. Red.)

Die Betreiber der Website von Liestal sind die Stadtverwaltung, der Gewerbeverein und die Interessegemeinschaft Liestal IGL. Die Informationen können über Register abgerufen werden, wobei diese farblich voneinander abgehoben sind. Die Mitglieder des Stadt- und Gemeinderates sind namentlich und mit Partei aufgeführt, während sich das Angebot der Verwaltung beschränkt auf nicht verlinkte Adressen. Weitere Rubriken betreffen Gewerbe und Freizeit. Die häufig gestellten Fragen beziehen sich auf die Website als Online-Dienst. Feedback kann über Eingabemaske gegeben werden und ein Chatroom dient dem persönlichen Austausch. Formulare stehen derzeit noch nicht zur Verfügung. 

Die Stadt Luzern hat sich dem Konzept der "Corporate Identity" verschrieben und stellt dieses detailliert auf der Homepage vor. Die Website selbst ist ein Produkt dieser Strategie, was sich am professionellen Design und den ausgebauten Kommunikationsmöglichkeiten zeigt. Luzern präsentiert sich als Wohn-, Kongress- und Festivalstadt, wobei jeder dieser Aspekte über Untermenus zu zahlreichen Informationen führt. Unter Wohnstadt werden die Räte und die Amtsstellen vorgestellt, welche mit Kontaktadressen gut verlinkt sind. Zu den Sitzungen werden die Medienmitteilungen und Sitzungsdaten, aber noch keine Protokolle publiziert. Einige Formulare können geladen und zum Teil online ausgefüllt werden. Als Begegnungsräume sind ein Gästebuch und ein Diskussionsforum in der Technik einer Newsgroup eingerichtet. Die partiell moderierten Diskussionen betreffen beispielsweise die Stadtplanung oder die öffentlichen Dienstleistungen, wobei die Beiträge überwiegend kritisch sind. Über einen standardisierten Fragebogen kann die Website beurteilt werden. Partizipationsmöglichkeiten sind allerdings noch nicht gegeben. 

Die Stadt Neuchâtel hat einen künstlerisch-poetischen Auftritt und wird in vier Sprachen unter verschiedenen Aspekten vorgestellt. Unter anderem wird über die Informationsgesellschaft und das Verhältnis zwischen Staat und Bürger philosophiert. Ein wichtiges Thema ist derzeit die Expo.02, die in Neuchâtel präsent sein wird. Die städtischen Informationen beschränken sich auf die Nennung der Mitglieder von Behörden und Verwaltung ohne E-Mail-Adressen. Ein Forum existiert nicht, dafür aber die Kontaktmöglichkeit via E-Mail. Bestellt werden können literarische Editionen über Neuchâtel, nicht aber Dokumente und Formulare. 

Das Navigationssystem der Website von Schaffhausen ist leider etwas umständlich. Auffallend ist aber das ausgebaute Kommunikationsangebot: Bei den einzelnen Amtsstellen der Stadtverwaltung werden Kontaktpersonen mit E-Mail-Adressen aufgeführt. Die Mitglieder des grossen Stadtrates werden mit ihrer Parteizugehörigkeit und vereinzelt ebenfalls mit E-Mail-Adressen vorgestellt. Der Regierung kann Lob und Kritik per Eingabemaske oder persönlich per E-Mail erteilt werden. Zudem werden die Protokolle der Sitzungen jeweils im Word- und pdf-Format publiziert. Weitere nützliche Hinweise sind für Neuzuzügler und Einwohner übersichtlich zusammengestellt. Zudem bieten die Ämter zahlreiche Hilfestellungen und vereinzelt auch Online-Formulare. Nebst Links zu Bildung, Kultur, Tourismus, Sport und Wirtschaft werden auch einige Online-Dienste wie Wohnungs- und Stellensuche angeboten.

(Die Website von Schaffhausen wurde im Verlauf des Jahres 2001 neu konzipiert; Anm. d. Red.)

Die Website von Schwyz ist grau unterlegt, während sich die Menus durch starke, farbige Effekte abheben. Das Navigationssystem ist zwar gut, aber durch längere Ladezeiten etwas schwerfällig. Aufgeführt werden Rubriken wie Bildung, Freizeit, Kirchen, Marktdaten und Parkplätze, wobei das Gewerbe mit einer Linkliste vertreten ist. Vorbildlich sind die Informationen zu Abstimmungen und Wahlen. Die Mitglieder des Gemeinderats werden mit Bild und E-Mail-Adressen vorgestellt und die Amtsstellen mit Kontaktpersonen aufgeführt. Ein Forum oder Gästebuch existiert noch nicht. Demgegenüber ist ein Online-Schalter im Aufbau begriffen, und es wird auf das gute Angebot des Kantons verwiesen. 

Sion hat einen nüchternen Auftritt und ein durchschnittliches Informationsangebot. Verwaltung, Behörden und Parteien werden zwar vorgestellt, jedoch ohne weiterführende Links. Unter der Rubrik Autorité politiques werden auch die Kirchen vorgestellt. Öffentliche Mitteilungen werden publiziert, jedoch nicht die Traktanden und Protokolle der Sitzungen. Darüber hinaus finden sich die üblichen Links zu Bildung, Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Kultur, Gesundheitswesen und Veranstaltungen. Die Kommunikationsmöglichkeit beschränkt sich derzeit auf E-Mail-Kontakt, und Formulare können noch nicht geladen werden. 

Die klar strukturierte Website von Solothurn bietet knappe Informationen zur Stadt und den Behörden. Die Ämter der Stadtverwaltung werden mit verlinkten Adressen aufgeführt und bieten übersichtliche Hilfestellungen. Dokumente oder Formulare sind noch nicht verfügbar. Das Gästebuch besteht seit einem Jahr und führt vorwiegend persönliche Grüsse. In der Linksammlung ist unter anderem der viersprachige Städteführer und die Homepages der Solothurner Film- und Literaturtage aufgelistet. 

St. Gallen hat einen sehr dezenten und ansprechenden Internetauftritt mit einem guten Navigationssystem. Aktuelle Informationen wie die Entwürfe für Vernehmlassungen werden direkt auf der Homepage platziert. Ebenso werden die Daten und Traktanden der Sitzungen bekannt gegeben. Die einzelnen Amtsstellen sind auf einem Stadtplan verzeichnet und können über diesen direkt aufgerufen werden. Zudem stehen vereinzelt Formulare zur Verfügung, die online ausgefüllt werden können. Der Stadtrat wird persönlich mit Bild und der Gemeinderat nach der Sitzordnung im Parlament vorgestellt. Dabei besteht die Möglichkeit, per E-Mail Kontakt aufzunehmen. Statistisches Material bietet einen Überblick über Wirtschaft und Gewerbe, wobei Kontaktadressen zur Wirtschaftsförderung aufgeführt sind. Die Rubriken Verkehr, Bildung, Kultur, Freizeit und Soziales führen ebenfalls interessante Informationen. Was noch fehlt, ist ein öffentliches Forum. 

Die Stadt Zug hat mit Registern und Untermenus eine sehr übersichtliche Homepage. Der Stadtrat wird mit Bild und der Gemeinderat mit einer interaktiven Grafik vorgestellt. Für die verschiedenen Ämter werden Kontaktadressen aufgeführt, und vereinzelt können Formulare und Dokumente geladen werden. Insgesamt sind die Informationen vielfältig aber dennoch knapp gehalten, so auch bei den Rubriken Kultur, Tourismus und Wirtschaft. Das "Forum" beschränkt sich auf aktuelle Mitteilungen, wobei Rückmeldung mittels Eingabemaske möglich ist. 

Hinter der locker gestalteten Homepage von Zürich verbirgt sich eine klar strukturierte Website. Die Rubriken zu Politik, öffentliche Dienste, Verkehr, Wirtschaft, Gesundheit, Soziales, Freizeit, Stadtplanung, Bildung und Sport führen umfangreiche Informationen, wobei Private eine Verlinkung auf der städtischen Homepage beantragen können. Gemeinderat, Stadtrat und Verwaltung werden mit Adressen und Kontaktpersonen eingehend vorgestellt. Dabei werden die Sitzungsdaten, Traktandenlisten und Protokolle der Gemeinderatssitzungen sowie die Medienmitteilungen und Weisungen des Stadtrats publiziert. Die Ämter bieten nebst umfangreichen Hilfestellungen auch Merkblätter und weiterführende Links. Einige Formulare können zudem geladen oder auch online ausgefüllt werden. Ansprechpartner können direkt per E-Mail kontaktiert werden, während für anspruchsvollere Anliegen ein Ombudsmann zur Verfügung steht. Ein Gästebuch oder ein politisches Forum existiert hingegen nicht.

 

Fazit

Der Überblick zeigt noch grosse Unterschiede zwischen den virtuellen Städten der Kantonshauptorte. Die Grösse einer Stadt oder ihr politischer Stellenwert scheint weniger für Professionalität zu garantieren als ein starker Tourismus oder die Zusammenarbeit mit Informatik-Unternehmen. Während das Informationsangebot bei den meisten gut bis sehr gut ausgebaut ist und auch E-Mail-Kontakt zu den Selbstverständlichkeiten gehört, mangelt es an politischen Foren und Begegnungsräumen. Nur gerade Bern, Liestal, Luzern, Schaffhausen, Solothurn und Zug führen ein Gästebuch und Luzern steht mit seinem politischen Forum alleine da. Demgegenüber gibt es nur noch wenige Verwaltungen, die ihre Website exklusiv gestalten - wie Genf, Luzern oder Sion. Die meisten bauen ihr Angebot gemeinsam mit Kultur und Wirtschaft auf, wie die Stadt Basel, oder sie öffnen ihre Plattform für entsprechende Verlinkung. Viele behaupten, Formulare für Transaktionen bereitzustellen. Diese können zwar oft geladen und auf dem Postweg bestellt, selten aber online ausgefüllt werden. Zudem sind die Dokumente oft verstreut und tief in der Hierarchie der Websites versenkt. Die Transaktionsmöglichkeiten sind also noch bescheiden, und veritable Online-Schalter - wie bei Fribourg oder Glarus - erst vereinzelt im Aufbau begriffen.

Der Umstand, dass einige der ländlichen Kantonshauptorte noch nicht virtuell vertreten sind, lässt vermuten, dass der Internetauftritt eine Budgetfrage ist. Allerdings haben auch die grossen Zentren nicht immer ein überzeugendes Angebot. Das zeigt auch die Auswertung der Bedag Informatik, die im Jahr 2000 erstmals den Informatik-Medienpreis "Eugen" für den besten E-Government-Auftritt verliehen hat. Nebst der Stadt Winterthur, die den ersten Preis gewonnen hat, rangieren kleine Gemeinden wie Bilten, Bülach, Naters, Neuendorf, Oberglatt und Spreitenbach unter den Top Ten. Ein ähnliches Bild zeichnete bereits 1999 eine Studie, die am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern durchgeführt wurde. Von einem Abbild der "realen" Welt im Internet kann also noch keine Rede sein.

Was peripher begann, soll mit dem "Guichet virtuel" zentral ausgebaut werden. Unter der Adresse www.ch.ch sollen bis Ende 2001 Informationen auf Bundes-, Kantons- und Gemeinde-Ebene bereitgestellt und später auch Transaktionen ermöglicht werden. Man mag dies mit Hintergrund der ursprünglichen Idee der virtuellen Stadt und der dezentralen Anlage des Internets als Bruch begreifen. Angesichts der vorherrschenden Unübersichtlichkeit bleibt aber zu hoffen, dass möglichst viele dieses ehrgeizige Projekt unterstützen. Denn die elektronische Vernetzung und die dadurch notwendige Standardisierung der Internet-Dienste könnten einiges zur Transparenz, "Kundenfreundlichkeit" und Effizienz der Verwaltung beitragen. Wie die Auswertungen der "logfiles" von städtischen Websites zeigen, werden aber zur Zeit noch vorwiegend Veranstaltungskalender und Gewerbeverzeichnisse frequentiert. Es darf also nicht vergessen werden, dass Kultur, Tourismus und Gewerbe wesentliche Bestandteile des städtischen Lebens bilden. Sie sind entscheidend an der Herausbildung urbaner Räume beteiligt. Nur, wenn auch diese Strukturen auf den offiziellen Websites eine Entsprechung finden, werden sich die virtuellen Städte beleben.

 

Judith Arnold ist Studentin der Publizistikwissenschaft und Redaktorin des Medienhefts

Druckversion:    pdf    (Version vom 26. Januar)

Ein Text über städtische Öffentlichkeiten ist im Dossier 17 erschienen.

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