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02.05.2011
00:00 Von: Berger, Roman

Informationswüste USA

Amerikas Medienlandschaft verwandelt sich in eine Informationswüste. Qualitätsmedien existieren noch als Oasen. Bürgerorganisationen kämpfen für Medienreform und gegen die Kommunikationsindustrie, die auch das Internet kontrollieren will. Auf dem Spiel steht die Demokratie.


Von Roman Berger, Boston

Das gibt es nur in den USA. Mehrere tausend Vertreter von Bürgerorganisationen aus dem ganzen Land treffen sich während drei Tagen mit Journalisten und Experten von Amerikas führenden Universitäten. Und dabei ist das Thema der Konferenz, «Medien – Technologie – Demokratie», auf den ersten Blick alles andere als aufregend. In Wirklichkeit geht es aber um brisante Fragen, die für die Zukunft der Demokratie in den USA entscheidend sind: Die «alten» Medien sind in der Krise und verschwinden. Können «neue» Medien sie rechtzeitig ersetzen? Wie kann sich der Bürger noch informieren, wenn eine einst blühende Medienlandschaft zu einer Informationswüste verkommt? Hat der «gute» Journalismus überhaupt noch eine Chance? Die Abgeordnete Nancy Pelosi, die nach einer schweren Niederlage der Demokraten bei den Nachwahlen im Repräsentantenhaus nur noch eine Minderheit anführt, rief die Konferenzteilnehmer auf, trotz allem den Mut nicht zu verlieren. (1)

«Wir sind in der Opposition stark geworden», erklärt Craig Aaron die erstaunliche Entwicklung einer 2003 gegründeten Bürgerbewegung für Medienreform, die sich kürzlich in Boston zum fünften Mal zu einer nationalen Konferenz getroffen hat. Aaron, der in Boston zum zweiten Präsidenten von «Free Press» gewählt worden ist, erinnert: «In den USA finden immer wieder die gleichen Prozesse statt. Medien (Zeitungen, Radio, Fernsehen), welche die demokratische Entwicklung hätten fördern sollen, werden Opfer von wirtschaftlichen Konzentrationsprozessen, die unsere Freiheit und Demokratie gefährden.»

«Consolidation» und «going public» (an die Börse gehen) heissen in den USA die Vorgänge, die in den letzten Jahrzehnten einst berühmte Zeitungsverlage im Familienbesitz in das Portfolio einer Handvoll branchenfremder Megakonzerne brachten, für die die Medien nur noch einen kleinen Teil des Geschäftes ausmachen. Die von Wall Street diktierten hohen Profitraten sind für sie wichtiger als Investitionen in einen besseren Journalismus. Hier begann der Einbruch des Qualitätsjournalismus, der durch das Internet nur noch beschleunigt wurde. Liberalisierte Regeln für «cross-ownership» erlauben es Verlagen, im gleichen Markt gleichzeitig Zeitungen, Radio und Fernsehstationen zu besitzen. So entstanden «one-voice cities», Städte, die von Medienmonopolen beherrscht werden. Ganze Regionen verwandelten sich in Informationswüsten, weil die lokalen Medien (TV und Radio) immer mehr mit «Konserven» aus nationalen Verlagsketten abgefüllt werden.


Nur noch Meinungen statt Fakten

Konzentration und Kommerzialisierung der Medien haben den Journalismus ausgehöhlt. Gleichzeitig nahm im Journalismus eine gefährliche Gewaltrhetorik überhand. Begonnen hat diese Entwicklung, als 1987 unter Berufung auf die im ersten Verfassungszusatz garantierte Presse- und Meinungsfreiheit die «ausgewogene Berichterstattung» (Fairness Doctrine) aufgehoben wurde. Diese Deregulierung hat in den populären Radio- und Fernsehtalkshows zu einer beispiellosen Verrohung des politischen Diskurses geführt. Auf die politischen Folgen der Krise des Journalismus hat Präsident Barack Obama aufmerksam gemacht: «Wenn Nachrichten nur noch in der Bloggersphere verbreitet werden, wenn statt gewissenhafter Überprüfung von Fakten nur noch Meinungen überhandnehmen und Ereignisse nicht mehr im Kontext dargestellt werden, dann werden sich die Leute nur noch anschreien. Das gegenseitige Verstehen bleibt auf der Strecke.»

Ein kompromissloser Kampf findet zurzeit um das Internet statt. Auch das «Netz», das einmal als superdemokratisches Medium angekündigt wurde, droht wie die «alten» Medien in den Sog wirtschaftlicher Interessen zu geraten. Kabelnetzmonopolisten wie Comstat und Telecomfirmen wie AT&T kämpfen für eine strikte Marktlösung: Wir investieren Hunderte Milliarden von Dollars, um den immensen Datenverkehr bewältigen zu können. Wer das Netz mehr nutzt, soll mehr bezahlen. Der Markt soll entscheiden. Wir brauchen keine Netz-Polizisten. Regulierungen hindern nur die wirtschaftliche Entwicklung.


Netzneutralität nicht garantiert

Bürgerorganisationen wie «Free Press» vertreten die Gegenposition: Zugang zum Internet ist ein Bürgerrecht, denn ohne Internet können Menschen im Alltag nicht mehr funktionieren. Deshalb müssen alle Bürger zu gleichen Bedingungen Zugang haben (Netzneutralität). Im Internet darf es kein Zweiklassensystem geben und der Staat darf nicht zulassen, dass Giganten wie AT&T und Comstat über unterschiedliche Durchleitungsgebühren auch den «Content» im Internet steuern können. Kritiker zweifeln, ob die grossen Internetprovider wirklich an Markt und Wettbewerb interessiert sind, wenn man bedenkt, dass die USA in der Breitband-Versorgung abgeschlagen auf Platz 16 liegen und dass mehr als die Hälfte der schwarzen und spanisch sprechenden Amerikaner keinen Zugang zum Internet haben.

Barack Obama hat sich als Präsidentschaftskandidat für «Netzneutralität» ausgesprochen. Regierung und Kongress stehen aber unter dem Druck einer einflussreichen Lobby. So figuriert beispielsweise AT&T bei den ausgewiesenen Wahlspenden an zweiter Stelle. AT&T und die übrigen Telecomfirmen profitieren vom «Drehtür-Effekt», einem typischen Phänomen der Verfilzung von Politik und Wirtschaft. Fast 300 ehemalige Regierungsangestellte sind laut Angaben der Sunlight Foundation (2) heute für diese Lobby tätig. Nicht genug: Michael Powell, bis 2008 Vorsitzender der staatlichen Federal Communications Commission (FCC), welche die Medien regulieren muss, ist inzwischen Präsident der «National Cable and Telecommunication Association», der Dachorganisation der Kommunikationsindustrie geworden. Für diese mächtigen Akteure stehen nicht nur Milliardengeschäfte auf dem Spiel, sie wollen auch die Weichen stellen, die entscheiden, wer in der  «Informationsgesellschaft» des 21. Jahrhunderts das Sagen hat.

«Immerhin ist es uns gelungen, den Begriff Netzneutralität unter die Leute zu bringen. In der Öffentlichkeit wird langsam verstanden, dass Netzneutralität nicht ein schweizerisches Tennisturnier ist.» So berichtet Craig Aaron ironisch über den Erfolg von «Free Press» gegenüber der geballten Lobby-Macht der Kommunikationsindustrie.


Verdeckte Formen der Konzentration

Die Gegenstrategie von «Free Press» und anderen «Graswurzel-Organisationen» ist vorge-geben: Druck von unten aufbauen und das Publikum auf lokaler Ebene abholen, also dort, wo das Austrocknen der Information am meisten zu spüren ist. Wie dünn in den Gemeinden der Informationsfluss geworden ist, wurde in Boston am Beispiel neuer verdeckter Formen der Medienkonzentration aufgezeigt, die sich so abspielt: Auf nationaler Ebene sind die grossen Fernsehanstalten Fox News, ABC, NBC, CBS usw. Konkurrenten. Auf lokaler Ebene schliessen die gleichen Ketten Partnerschaften für die gemeinsame Benützung der Infrastruktur und Produktion von News. Konkret heisst das: Die Redaktionen sprechen sich ab, über welche Anlässe berichtet wird oder nicht. Zu Pressekonferenzen des Bürgermeisters oder des Präsidenten der Handelskammer geht nur noch ein Reporter. An den Abendnachrichten zeigen alle Kanäle unter ihren Logos die gleiche Videoreportage. Hier werden Kosten gespart auf Kosten der Bevölkerung, die über das Geschehen in ihrer Gemeinde nur noch bruchstückhaft oder überhaupt nicht mehr informiert wird. (3)


Der dringende Ruf nach «local news»

«Nachrichten und Informationen sind für Gemeinden ebenso wichtig wie sauberes Wasser und saubere Luft», heisst es in einer umfassenden Studie der privaten «Knight Foundation» über die Herausforderungen der US-Medien im digitalen Zeitalter (4). Der Befund einer überparteilichen Kommission entwirft ein beunruhigendes Szenarium. Amerika befinde sich an «einer kritischen Wende in der Geschichte der Kommunikation», die bereits erkennbaren Folgen seien «dramatisch» und «nicht absehbar». Die Zeit erfordere ein «neues Denken» und «aggressives Handeln, um die «Informationsmöglichkeiten für alle Amerikaner zu verbessern». Ohne «informierte Gemeinden» sei die Demokratie in Gefahr, ein neues «Media-Ecosystem» müsse aufgebaut werden.

Bereits gibt es Hunderte von Internet-Plattformen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind: «Hyper-Local»-Sites für Nachbarschaften und kleine Gemeinden, zum Beispiel die Website «the rapidian.org», die mit anderen Plattformen zum «Community Media Center» gehört. Die landesweit bekannte «MinnPost.com» beschäftigt sieben Journalisten, die bei den zwei grossen, in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Tageszeitungen von Minneapolis («Star Tribune» und «Pioneer Press») ihren Arbeitsplatz verloren haben. Es gibt aber in den USA noch keine unabhängige Online-Plattform, die im Stil einer grossen Metropolitanzeitung über eine gut ausgebaute Redaktion verfügt und auf einen Verleger vertrauen kann, der dem Druck von politischen und wirtschaftlichen Interessen widerstehen könnte.

Auf den Punkt bringt es Tom Glaisyser, der an der Medienstudie der «Knight Foundation» mitgearbeitet hat: «Es gibt wohl viele innovative Projekte aber die meisten sind nicht nachhaltig finanziert.» Oder mit anderen Worten: Die Informationswüste Amerika kann nur überwunden werden, wenn die Frage beantwortet wird: Wie kann das neue «Media-Ecosystem» bewässert und gedüngt werden?

Zweifellos werden die «New York Times», die «Washington Post» – beide mussten ihre Redaktionen massiv reduzieren – oder Rupert Murdochs «Wall Street Journal» als Oasen für ein Elitepublikum überleben. Von der Elite finanziert sind auch Online-Publikationen wie «Pro Publica», die vor kurzem bereits ihren zweiten Pulitzerpreis erhalten hat, oder das «Center for Public Integrity». Sie unternehmen aufwendige Recherchen, die sich auch Zeitungen wie die «New York Times» nicht mehr leisten können. Aber auch in den USA versteht man, dass diese von Mäzenen finanzierten Projekte nur Notlösungen sind. Langfristig darf der Recherchier-Journalismus, die «Vierte Gewalt», nicht von der Gunst einiger reicher Sponsoren abhängig sein.


Informationskrise verlangt öffentliche Mittel

Das langjährige Mitglied der FCC, Michael J. Copps (5) sowie die Studie der Knight-Foundation kommen zu ähnlichen Schlüssen: Die Informationskrise in den USA kann nur mit mehr öffentlichen Mitteln überwunden werden. Ihre Thesen:

- Das auf Werbung basierende Geschäftsmodell, das den Journalismus während mehrerer Jahrzehnte zu einem höchst profitablen Business gemacht hat, wird sich im 21. Jahrhundert nicht mehr wiederholen.

- Auch nach der massiven Ausdünnung der amerikanischen Zeitungsredaktionen gibt es nicht genügend privates Kapital aus Werbung, Abonnenten, Spenden oder von grossen Sponsoren, um einen Journalismus mit qualitativ hochstehender lokaler, nationaler und internationaler Berichterstattung zu finanzieren. Auch im Internet gibt es keine wirtschaftliche Basis für guten, umfassenden Nachrichtenjournalismus.

- Journalismus ist ein öffentliches Gut und muss – in erster Dringlichkeit – auf lokaler und regionaler Ebene durch öffentliche Mittel unterstützt werden.

Diese Auffassungen und Forderungen stehen im Gegenwind zur herrschenden politischen Grosswetterlage in Washington: Nicht mehr, sondern (noch) weniger oder überhaupt keine Steuergelder für die öffentlich unterstützten Medien (das Radio NPR und der TV-Kanal PBS) heisst die im Kongress vorherrschende Devise. Bereits jetzt lassen sich die USA die Unterstützung der Pressefreiheit nur bescheidene 450 Millionen Dollars im Jahr kosten. Zum Vergleich: Allein das Pentagon gibt mehr als zehnmal so viel (4,7 Milliarden) für Eigenwerbung beziehungsweise Propaganda aus. Pro Kopf der Bevölkerung umgerechnet erhalten NPR und PBS ganze 1,4 Dollar oder etwa hundertmal weniger, was Grossbritannien oder Dänemark ausgeben.


Wie entstand die demokratische Presse?

Die freieste Presse existiere in jenen Ländern, die am meisten staatliche Subventionen erhalte, so entgegnen Verfechter von mehr öffentlichen Mitteln den konservativen Kommentatoren, die beim Wort Staatshilfe sofort den Marxismus und Maoismus an die Wand malen. Sie zitieren Bewertungslisten der unverdächtigen amerikanischen NGO «Freedom House» sowie des konservativen «Economist». Robert W. McChesney (University of Illinois) und John Nichols (The Nation) erinnern die Amerikaner an ihre Geschichte (6): «Der amerikanische Journalismus ist nicht ein Produkt des freien Marktes, sondern eines Mischsystems von privater und öffentlicher Unterstützung. In den ersten 100 Jahren der US-Geschichte, als es noch keine Werbung gab, ist eine demokratische Presse nur dank staatlicher Subventionen entstanden.» Auch die US-Demokratie sei nicht einfach in den Köpfen der Gründerväter entstanden. Sie sei erst durch die Vermittlung der Medien möglich geworden, die für eine breitere Öffentlichkeit Informationen und Diskussionen von politischen Vorstellungen und Parteien aufbereitet und verbreitet hätten. Die Autoren McChesney und Nichols zitieren Thomas Jefferson: «Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen einer Regierung ohne Zeitungen oder Zeitungen ohne Regierung, ich würde Letzteres wählen. Aber ich will, dass jeder Bürger diese Zeitungen erhält und auch lesen kann.»

Jeffersons Wunsch, dass der Bürger Zeitungen nicht nur erhält sondern sie auch lesen kann, ist heute brennend aktuell. Nur noch ein Drittel von Amerikas Mittelschulabsolventen (High-School), so ein alarmierender Befund der National Endowment for the Arts, können noch so gut lesen, dass sie in der Lage sind, eine Zeitung zu lesen. Zeitungen verlieren also ihr Publikum nicht einfach nur an das Internet oder das Fernsehen, sondern weil ein steigender Prozentsatz der Bevölkerung funktionelle Analphabeten geworden sind und Zeitungen nicht mehr lesen können. Das demokratische System ist nicht in der Lage, einen wachsenden Anteil der Bevölkerung in die viel zitierte «Informationsgesellschaft» zu integrieren.


Technologie dominiert den Journalismus

Jedes Jahr veröffentlicht das unabhängige «Pew Project for Excellence in Journalism» eine Gesamtanalyse des amerikanischen Medienmarktes (State of the News Media 2011). Die jüngste Studie stellt fest, dass seit 2000 die Zeitungsredaktionen im Schnitt 30 Prozent kleiner geworden seien. 46 Prozent der befragten Amerikaner erklärten, dass sie ihre News dreimal wöchentlich online abfragen. Damit hätten Online-News erstmalig die Zeitungen überholt, die es nur auf 40 Prozent schafften. Allerdings bleiben die Websites der grossen Zeitungen die wichtigsten Online-News-Quellen. Sieben der 25 Top-Zeitungen gehörten mittlerweile einem Hedgefonds. Die Studie stellt im Journalismusberuf ein «de-skilling» fest: schlechtere Bezahlung, grösserer Zeitdruck, weniger Erfahrung und immer mehr Volontäre.

Zu den Gewinnern des technischen Umbruchs zählt die PEJ-Studie die Hersteller der mobi-len Endgeräte (wie Apple), Suchmaschinen (wie Google) soziale Netzwerke (wie Facebook) oder Werbevermittler. Es sind die von der Technologie getriebenen Akteure und nicht mehr der Journalismus, die Medien, die den Zugang zur Öffentlichkeit dominieren.

Zu den politischen Gewinnern der von der Technik beherrschten «Informations Revolution» gehört die Tea-Party. Die von superreichen Konservativen finanzierte rechtspopulistische Bewegung, die auch Erkenntnisse der Naturwissenschaft und Geschichtsschreibung leugnet, profitiert vom Nichtwissen einer schlecht informierten Gesellschaft. Sie ist ein Produkt der Informationswüste.


Vierte Gewalt – oder neue Ära der Korruption

In einem viel beachteten Aufsatz erinnert Paul Starr an die Aufgabe des Journalismus: die Öffentlichkeit informieren und damit die Gesellschaft mit wirksamen Mitteln der Einflussaufnahme auf den Staat, die Parteien und die privaten Institutionen ausstatten. Diese Einflussnahme und Kontrollfunktion seien heute nicht mehr garantiert. Der Soziologe an der Princeton Universität umschreibt die Herausforderung für den Journalismus und das politische System: «Wenn wir die Rolle der Zeitungen als Vierte Gewalt ernst nehmen, dann bedeutet das Ende der Zeitungsära einen Wechsel des politischen Systems selber. Zeitungen haben geholfen, die korrupten Tendenzen in der Regierung und Privatwirtschaft zu kontrollieren. Wenn wir eine neue Ära von Korruption verhindern wollen, dann müssen wir diese Vierte Gewalt erneut aufbieten auf anderen Wegen. Unsere neuen Technologien können uns von unseren alten Verpflichtungen nicht entbinden.» (7)

 

Roman Berger war von 1976 bis 1982 USA-Korrespondent und von 1991 bis 2001 Moskau-Korrespondent des «Tages-Anzeigers».

 

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Überleben dank «local news»

Kentucky: WMMT 88.7 FM

Ein Ölleitungsbruch hat kürzlich das Trinkwasser der Gemeinde Whitesburg im amerikanischen Bundesstaat Kentucky verschmutzt. Die Einwohner wurden über das lokale Radio alarmiert, viel rascher als  die Behörden dazu in der Lage gewesen wären. Über diesen Vorfall berichtet die «New York Times» in einer Reportage, welche die Bedeutung von Lokalradios in den USA erklärt. Vor allem in abgelegenen Gebieten wie den Appalachen, wo sich die Gemeinde Whitesburg befindet.

«WMMT verbindet die Hörer im Kohlebergbaugebiet von Ost-Kentucky, Südwest Virginia und dem südlichen Viriginia. Ohne unser Radio wäre unsere Region, die zu den ärmsten Gebieten der USA gehört, noch ärmer», zitiert die «New York Times» die Radio-Managerin Marcie Crim.

Je ärmer und abgelegener die Region desto wichtiger sind in den USA Lokalradios. Sie versorgen die Bürger nicht nur mit lebenswichtigen Informationen wie beim Ölleitungsbruch in Whitesburg. An ihrem WMMT-Radio hören die Einwohner «Bluegrass», Country Music aus der Region. Sie hilft den «Hillbillies» (Hinterwäldlern), wie die Bewohner im Gebiet der Appalachen abschätzig genannt werden, den harten Alltag zu bewältigen.

Das Radio erhält etwa einen Drittel des Budgets aus Washington, wo der Kongress im Zug der massiven Haushaltskürzungen auch die Unterstützung der Lokalradios streichen will, was das Ende des Senders in Kentucky bedeuten könnte. In einem Brief an die Hörer von WMMT erwähnt die Radio-Managerin Crim diese Gefahr mit keinem Wort. Sie betont aber ihren Willen, trotz allem weiter machen zu wollen: «Anstatt Shows, die in New York produziert werden, senden wir unser lokal produziertes Programm.» (R.B.)

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Quellen:

(1) Free Press: www.freepress.net/conference

(2) Sunlight Foundation: www.Sunlightfoundation.com

(3) Informationen zu Netzneutralität und Medienkonzentration: www.mediaaccess.org

(4) Knight Commission on the Information Needs of Communities: http://www.knightcomm.org

(5) Michael J. Copps (2011): What about the News? An Interest in the Public. p. 289 – 298. In: Robert W. McChesney & Victor Pickard (Eds.): The Collapse of Journalism and what can be done to fix it. New York. – Testimony of FCC Commissioner Michael J. Copps. U.S. House Committee on Energy and Commerce Subcommittee on Communication and Technology. February 16. 2011.

(6) Robert McChesney & John Nichols (2010): The Death and Life of American Journalism – The Media Revolution That Will Begin the World Again. New York.

(7) Paul Starr (2009): Goodbye to the Age of Newspapers (Hello to a new Era of Corruption): Why American Politics and Society are about to be changed for the worse. The New Republic. March 4. 2009.


 
 

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