Artikelsuche

Nach Stichwort


Nach Autor


Nach Rubrik


Nach Jahr


10.03.2011
00:00

Ökumenische Kampagne 2011: Raubbau für das Handy


(ja) Die Nachfrage nach Rohstoffen für Handys und elektronische Geräte verursacht einen neuen Kolonialismus. Dies ist die Kernaussage der Ökumenischen Kampagne, die am 10. März 2011 gestartet ist. Laut Medienmitteilung der Hilfswerke «Brot für alle» und «Fastenopfer» würden Bergbauunternehmen die rohstoffreichen Entwicklungsländer rücksichtslos ausplündern und dabei die schwachen staatlichen Strukturen dieser Länder ausnutzen.

Welche Probleme der Bergbau beispielsweise im Kongo verursacht, zeigt eine von den Hilfswerken in Auftrag gegebene Studie anhand der «Glencore International AG»: In mindestens jedem vierten Schweizer Handy stecken Rohstoffe aus der Demokratischen Republik Kongo, die gemessen an Gold, Diamanten, Kupfer und anderen Bodenschätzen zu den reichsten Ländern der Welt gehört. Doch die Bevölkerung lebt in Armut. Ferdinand Muhigirwa, Direktor des kongolesischen «Think Tanks Cepas» berichtet: «Viele Menschen glauben ihr Heil im Rohstoffgeschäft zu finden und suchen Arbeit in einer Mine. Unmenschliche Arbeitsbedingungen, aus dem Boden gestampfte Siedlungen und keinerlei Sicherheit sind die Kehrseite der Goldgräberstimmung.» Laut Studie hat sich «Glencore» über ihre Tochterfirma «Katanga Mining Limited» wertvolle Konzessionen für wenig Geld gesichert. Darüber hinaus hat die Studie zahlreiche Verstösse der «Glencore»-Tochter festgestellt: gegen die Menschenrechte, gegen die internationalen Arbeitsrechten und gegen Umweltbestimmungen. «Es ist ein Skandal, dass mit Glencore eines der grössten Schweizer Unternehmen über keine ernst zu nehmende Politik der sozialen Verantwortung verfügt», lautet das Fazit von Chantal Peyer, Entwicklungsexpertin bei «Brot für alle». Die fehlenden staatlichen Strukturen im Kongo müssten durch verstärkte gesetzliche Regelungen in der Schweiz ausgeglichen werden, fordern die Hilfswerke.
 
Die Hilfswerke der Ökumenischen Kampagne, «Brot für alle», «Fastenopfer» und «Partner sein», verlangen mit einer Petition vom Bundesrat, dass er von international tätigen Unternehmen ihre soziale Verantwortung einfordert. Lucrezia Meier-Schatz, Nationalrätin und Präsidentin des Stiftungsforums des «Fastenopfers», erklärt: «Internationale Unternehmen müssen mehr Verantwortung übernehmen.» Zudem solle in der Schweiz ein Dialog über eine stärkere Kohärenz zwischen den Anliegen der Aussen- und Wirtschaftspolitik beginnen. Weiter sei es notwendig, dass Unternehmen ihre Finanzflüsse für jedes Land offenlegten. Steuerflucht und schädliche Steuerpraktiken entzögen Entwicklungsländern dringend benötigte Mittel und verschärften deren Ausbeutung. Für die Menschen vor Ort gehe es letztlich um das grundlegende Recht auf Nahrung, wie Beat Dietschy, Zentralsekretär von Brot für alle, betont: «Rücksichtslose Ausbeutung der Bodenschätze erhöht die Zahl der hungernden Menschen. Das gilt ganz besonders in einem Land wie dem Kongo, wo der grösste Teil der Bevölkerung vom Ackerbau lebt.»

Unterstützt werden die drei Hilfswerken während der Kampagne «Des einen Schatz, des andern Leid» von über 2000 Pfarreien und Kirchgemeinden, die in den kommenden Wochen den Fokus auf Bodenschätze und Menschenrechte setzen werden. «Es geht uns nicht darum, elektronische Geräte zu verteufeln», sagt Matthias Dörnenburg, Kampagnenkoordinator bei «Fastenopfer». Vielmehr will die ökumenische Kampagne sensibilisieren, zur Unterstützung von Projekten ermuntern und mit der Petition konkrete Handlungsmöglichkeit anbieten.


Links:

Ökumenische Kampagne 2011:
www.rechtaufnahrung.ch  

Petition «Recht auf Nahrung»:
http://www.rechtaufnahrung.ch


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
Impressum: Judith Arnold, Redaktion Medienheft, Badenerstrasse 69, 8026 Zürich
Website © Medienheft: www.medienheft.ch