Öffentlich-rechtliche und private Sender im Wettbewerb
Medien richten sich vermehrt marktwirtschaftlich aus. Die Interessen des Absatzmarktes sind aber nicht immer identisch mit den langfristigen Interessen der Gesellschaft. Während der wachsende Wettbewerb zu Kostenreduktion und Programmierung nach Einschaltquoten führt, ist eine Verarmung an Inhalten die Folge.
Von Wilfried F. Rimensberger
Die marktwirtschaftlichen Medienentwicklungen in den USA - und nun ebenfalls in Europa - machen deutlich, dass die Vernetzung bei der Wahrung von Investoren- und Marktinteressen funktioniert. Die unter dem Druck der Aktionäre und sonstigen Investoren vermehrt kurzfristig befriedigten Interessen des Absatzmarktes sind aber nicht immer identisch mit den langfristigen Interessen unserer Gesellschaft. Gerade unter dem immer stärker werdenden Konkurrenzkampf und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Druck auf die Unternehmen haben Medienfirmen nur noch zwei Strategien um zu überleben: Kostenreduktion und Programmierung nach Einschaltquoten. Beides führt nicht nur zur Verarmung des Angebotes in Bezug auf den Inhalt, sondern auch zu Verfälschungen im öffentlichen Bewusstsein.
Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten hat sich das europäische, der BBC nachempfundene Broadcasting-System im Sinne der Allgemeinheit besser bewährt. Gerade im Rahmen der sich immer mehr global vernetzenden Medienfirmen und der damit einhergehenden Gleichschaltung des Angebots, benötigen wir ein Massenmedium, das als Kitt und glaubhafte Kommunikationsebene den Gesamtinteressen dient.
Anfang der 80er Jahre habe ich mit Überzeugung gegen die Monopolstellung der SRG Stellung bezogen und Roger Schawinski und andere Radiopioniere in ihren Bemühungen um ein Senderecht unterstützt. Die SRG war damals zu einem verschlafenen, verpolitisierten Beamten- und Gewerkschaftsklüngel verkommen. Konkurrenz war mehr als nur notwendig.
Heute haben wir eine SRG die sich ihrer Aufgabe bewusst ist und sich dafür einsetzt. Daher hat sie ein legitimes Recht, die Schweiz im Sendebetrieb zu vertreten.
Wer an der Weiterentwicklung einer wie auch immer ausgerichteten "schweizerischen" Identität und Kultur interessiert ist (und das müsste nach der letzten Europa-Abstimmung zu schliessen eine überwältigende Mehrheit sein) und nicht einfach alles den Markt- und weiteren Machtinteressen überlassen will, muss sich für eine starke SRG einsetzen. Es hat sich in Deutschland, Italien und in England gezeigt, dass ein starker öffentlich-rechtlicher Sender den Erfolg der Privaten nicht verhindern kann. Die Öffentlich-Rechtlichen sind aber dank ihrer Position in der Lage, Mankos der Privaten - und davon gibt es einige - auszugleichen.
Die Schweiz ist klein und muss ihre kulturelle Vielfalt gegenüber starken ausländischen Sendern behaupten. Zudem ist das Gedränge im sprachregional zersplitterten Markt gross. Möglicherweise haben die Businessmodelle der Privaten unter diesen Bedingungen tatsächlich wenig Chancen. Eine Balance zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern wäre aber grundsätzlich zu begrüssen. Die Basis eines dualen Rundfunksystems kann aber nur die Wahrung der Interessen der Allgemeinheit sein. Das könnte bedeuten, dass neben der gebührenfinanzierten SRG nur für einen weiteren, rein kommerziellen Sender Platz ist. Dieser könnte dann aber seine Funktion als Gegengewicht zur SRG wahrnehmen. Eine kritische Haltung der Presse und anderer Medien gegenüber beiden Sendern würde zu einem funktionierenden Qualitätswettbewerb beitragen.
Wilfried F. Rimensberger ist Verlagsmanager in London.
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