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13.05.05
00:00

Von: Andermatt, Nicole

Ein Pulizer für die Schweiz
Vom Gewinn der Medienpreise

Medienpreise sind in der Schweiz zwar vielfältig, aber insgesamt wenig bekannt. So gibt es nach guter föderalistischer Manier zahlreiche kleine Wettbewerbe mit regionaler Reichweite. Den einen grossen Pulitzer kennt die Schweiz aber nicht. Dabei gäbe es auch hierzulande gute Gründe, sich dem Qualitätswettbewerb zu stellen. Zum einen besteht die Aussicht auf fachkundige Prüfung. Zum andern ist es dem journalistischen Ego gewiss nicht abträglich, seinen Namen für einmal nicht über, sondern innerhalb eines Beitrags zu lesen.

Von Nicole Andermatt

Wer es wagen und sich für einen Medienpreis bewerben will, steht bald vor einer unüberblickbaren Auswahl. Denn es hat alles seinen Preis: Journalistische Textsorten ebenso wie einzelne Ressorts. Und war früher alles nur auf Papier, so darf es heute auch mal virtuell sein.

 

Vielfalt der Medienpreise

Es gibt Medienpreise mit regionaler Reichweite wie der "Zürcher Journalistenpreis", der die Kantone Zürich und Schaffhausen im Fokus hat, der "Ostschweizer Medienpreis", der auch auf Rätoromanisch gut zu sprechen ist, sowie der "Medienpreis Aargau/Solothurn", der neben Presseartikeln auch Beiträge aus Radio und Fernsehen prämiert. Ebenfalls gross geschrieben ist das Lokale beim "BZ-Preis für Lokaljournalismus" der "Berner Zeitung", der neben deutschen auch französische Beiträge mit 10'000 Franken auszeichnet. Preise winken zudem all jenen, die eine Brücke schlagen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft: "Die Goldene Brille" zeichnet Medienbeiträge aus, die Erkenntnisse der Geistes- und Sozialwissenschaften einem Laienpublikum näher bringen. Und der "Prix Media SCNAT" richtet sich an journalistische Arbeiten, die zum Verständnis der Naturwissenschaften beitragen. Der "Zürcher Radio- und Fernsehpreis" von der "Zürcher Radio Stiftung" prämiert elektronische Beiträge schon seit den siebziger Jahren, seit 1994 auch von privaten Veranstaltern. Aber auch Fotografinnen und Fotografen können sich immer mehr ins Bild rücken: Der "Swiss Press Photo Award", gestiftet von der "Espace Media Group", zeichnet Pressefotografien in verschiedenen Kategorien aus. Und als Sprungbrett für junge Talente versteht sich der "Schweizer Pressefoto Award ®", der auch unveröffentlichte Arbeiten annimmt. Überhaupt wird viel Wert auf Nachwuchsförderung gelegt: Journalistische Jungtalente zwischen 13 und 25 Jahren können Beiträge beim Jugendpressepreis "Goldene Feder" einreichen, und zwar unabhängig davon, ob sie den Weg in den Berufsjournalismus suchen oder nicht. Erwartet wird lediglich eine kritische und intensive Auseinandersetzung mit dem vorgegebenen Thema, in diesem Jahr mit "Jugendgewalt". Aber auch die älteren Semester haben noch eine Chance: Beim "Nationalen Medienpreis für junge Journalistinnen und Journalisten" können Medienschaffende bis 35 Jahre Beiträge aus Presse, Radio und Fernsehen einreichen, die ein Thema unter christlichen oder ethischen Gesichtspunkten behandeln. Eine Prise Eigenlob kommt schliesslich alljährlich aus dem Hause "Ringier" und "SRG SSR idée suisse": Der "Ringier Medienpreis" würdigt mehrjährige Leistungen von Mitarbeitern und der "Medienpreis idée suisse" tages- und wochenaktuelle Radio- und Fernsehsendungen auf dem eigenen Kanal.

 

Zwischen Gemein- und Eigennutz

Offiziell wollen die Stifter Qualität im Journalismus fördern, was durchaus im Interesse der Allgemeinheit liegt. Auf den zweiten Blick sind die Preise aber auch für die Gönner nicht immer von Nachteil. So sind Medienunternehmen nicht nur Spender, sondern auch Nutzniesser, wenn sie mit internen Medienpreisen die Mitarbeiter motivieren und gleichzeitig für Publicity sorgen. Das mag noch angehen. Darüber hinaus sollte guter Journalismus aber wirtschaftlich unabhängig sein. Fraglich sind daher Wettbewerbe, die journalistische Beiträge über konkrete Produkte oder Dienstleistungen fördern wollen. Hier geht es offenkundig um Marketing und nicht um journalistische Qualität, die das gerade meiden sollte. Darüber hinaus bleibt aber meistens recht unklar, was unter journalistischer Qualität zu verstehen ist. Denn klare Kriterien werden kaum benannt, obwohl die Medienpreise mehrheitlich im Namen journalistischer Qualitätsförderung gestiftet werden. Offenbar gilt guter Journalismus noch immer als Produkt von Eingebung oder angeborenem Talent. Einige Hinweise gibt immerhin der "Medien-Award für Qualität im Journalismus": In einer Online-Charta verweisen die Stifter nicht nur explizit auf die "Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten" des Schweizer Presserats. Der Charta ist auch eine Definition zu entnehmen: "Guter Journalismus muss sich sowohl kritisch als auch selbstkritisch mit allen Entwicklungen auseinander setzen, sich der permanenten Qualitätsdebatte stellen und konkrete Wege und Mittel finden, um die Qualität im Journalismus zu fördern."

 

Der Erfolg führt über das Exempel

Die meisten Stifter machen sich keine Mühe, Einblick in die Bewertungskriterien der Jury zu geben, sondern begnügen sich mit Attributen wie "hervorragend", "gelungen", "ausgezeichnet" und "exzellent". Will man journalistische Qualität ergründen, so bleibt einem nichts anderes übrig, als sich die prämierten Beiträge anzusehen und die Kriterien im Vorbild zu suchen. Nur leider haben die Preisverleiher noch kaum daran gedacht, ihre besten Stücke auf ihrer Website zu verlinken. Dabei würde gerade das World Wide Web journalistischer Qualität eine kostengünstige Plattform bieten und Massstäbe transparent machen. Einigen Preisverleihern sind die Vorzüge des Internets jedoch nicht entgangen: Abrufbar sind beispielsweise die letztjährigen Siegerbeiträge des "Medienpreis idée suisse", des "Prix Media SCNAT" und des "Swiss Press Photo". Auf Bestellung erhältlich sind zudem die prämierten Beiträge des "Ostschweizer Medienpreises". Und ein Jahrbuch gibt es jeweils von "Swiss Press Photo Award", "Schweizer Pressefoto Award ®" und "The Selection vfg – Schweizerische Berufsfotografie".

 

Alltag und Internet im Trend

Auch wenn die Standards hoch gesetzt werden: Schweizer Journalistenpreise berücksichtigen nicht nur die grossen Geschichten, sondern würdigen zunehmend auch die journalistische Knochenarbeit im Alltag. So betont die Stiftung vom "Zürcher Journalistenpreis": "Gefragt sind nicht nur zeit- und arbeitsintensive Edeltexte, sondern auch gelungene Alltagsarbeiten... Exzellente kleinere Arbeiten aus den Lokal-, Inland-, Sport- und Wirtschaftsressorts sollen beherzt eingereicht werden... Willkommen ist die ganze Palette an journalistischen Formen: Enthüllungsgeschichten, Glossen, Reportagen, Features, Berichte." Beim "Ostschweizer Medienpreis" sind ebenfalls Tagestexte zugelassen und der "Swiss Text Award" zeichnet Artikel für Kundenzeitschriften, Flyer, Mailings oder Webseiten aus. Überhaupt werden Artikel im Internet von den Jurys zunehmend ernst genommen. Online-Beiträge können eingereicht werden bei "AGRO-Journalistenpreis", "Alstom-Journalistenpreis", "AstraZeneca Onkologie Medienpreis", "Eugen Bedag Medienpreis", "Die Goldene Brille", "Katholischer Medienpreis", "Medienpreis Davos", "Prix Media SCNAT" und "Prix Media SAGW".

Auffällig bleibt die Vielzahl an Journalistenpreisen in der kleinräumigen Schweiz. Das kommt zwar der journalistischen Vielfalt entgegen, schafft aber kaum nationale Resonanz. Würden sich alle Stifter zusammenraufen, hätte die Schweiz vielleicht auch bald einen Pulitzer.

 

Nicole Andermatt ist Praktikantin beim Medienheft und Studentin der Publizistikwissenschaft an der Universität Zürich.

 

Eine Zusammenstellung journalistischer Preisausschreiben in der Schweiz kann eingesehen werden unter:
http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/medienpreise.pdf


 
 

Herausgeber: Katholischer Mediendienst Charles Martig | Reformierte Medien Urs Meier
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