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15.06.01
00:00

Von: Lienin, Monica

Auszeichnungen journalistischer Leistung
Zu den journalistischen Preisausschreiben in der Schweiz

Jedes Jahr werden zahlreiche Medienpreise ausgeschrieben. Medienunternehmen - aber auch Gönner anderer Gesellschaftsbereiche - sind bestrebt, hervorragende Leistungen von Medienschaffenden zu würdigen. Dabei geht es nicht nur um die Förderung des journalistischen Wettbewerbs, sondern auch um die Sicherung journalistischer Standards in einer zunehmend mediatisierten Gesellschaft.

Von Monica Lienin

Auffällig ist, dass die Zahl der Gönner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Dies könnte zu zwei Annahmen verleiten: Entweder wird der Journalismus immer besser und daher auch häufiger gewürdigt oder er wird schlechter und muss zunehmend gefördert werden. Plausibler scheint die Begründung, dass die Achtung journalistischer Standards in einer mediatisierten Gesellschaft immer wichtiger wird. Abgesehen vom Eigeninteresse an Publizität herrscht daher das Bestreben vor, die Qualität im Journalismus zu sichern und die Kommunikation in der Gesellschaft zu pflegen. Die Förderung des Dialogs zwischen den Wissenschaften und der Öffentlichkeit verfolgen beispielsweise der "Prix Media" der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SANW) und "Die Goldene Brille" der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW). Seit sechs Jahren vergibt zudem der "Schweizer Verein Katholischer Journalistinnen und Journalisten" den Nationalen Medienpreis zur Förderung junger Journalisten.

Auch Medienunternehmen haben ein Interesse, Anreize zur innerbetrieblichen Qualitätssicherung zu schaffen. Denn Engagement, Glaubwürdigkeit und Fairness können sich auf Grund der steigenden Nachfrage längerfristig als verkaufswirksame Faktoren erweisen. Neben Aus- und Weiterbildung, redaktionellen Richtlinien und Strukturen der Selbstreflexion sind Journalistenpreise daher ein weiteres Instrument des redaktionellen Marketings. Preisausschreiben wie der "Weltwoche-Preis", der "Medienpreis Aargau / Solothurn", der "Ostschweizer Medienpreis" und der "Medienpreis idée suisse" verfolgen das Ziel, den Qualitätsjournalismus zu fördern. Allerdings unterscheiden sie sich in ihrer Zielgruppe: Die Weltwoche will vor allem talentierte Nachwuchskräfte ermutigen, während der "Ostschweizer Medienpreis" anstrebt, den Austausch der Medienschaffenden in der Region zu intensivieren. Der "Medienpreis idée suisse" zeichnet interne Mitarbeiter aus und wurde erstmals im Februar 2001 verliehen. Auch der Medienpreis des Ringier-Verlags wird für eigene Mitarbeiter ausgeschrieben und würdigt langjähriges Engagement.

Journalistenpreise bilden aber nur eine von vielen Möglichkeiten, um das "Benchmarking" im Mediensektor zu etablieren. Der vor zwei Jahren gegründete Verein "Qualität im Journalismus" hat daher an seiner Tagung im März 2001 den "Quality-Award" lanciert, um Projekte und Ideen zur Sicherung journalistischer Qualität zu fördern. Teilnehmen können Verlage, Redaktionen, Medieninstitutionen, Teams oder Einzelpersonen. Der Preis wird zum ersten Mal anlässlich der nächsten Tagung am 30. Oktober 2001 verliehen.

 

Preiswürdiger Alltag

Der in diesem Jahr zum ersten Mal vergebene "Ostschweizer Medienpreis" ist für Reportagen und Tagestexte ausgeschrieben. Damit werden nicht nur grosse Stories, sondern auch "Alltagsroutinen" preiswürdig. Andreas Isenschmid, Jury-Präsident der "Stiftung Zürcher Journalistenpreis", hat ebenfalls angekündigt, dass in Zukunft ein Preis für Texte aus dem Bereich Alltagsjournalismus ausgeschrieben wird. Damit entspricht die Stiftung dem Wunsch vieler Medienschaffenden, nicht nur "grosse Kisten" auszuzeichnen, sondern auch herausragende Leistungen alltäglicher "Knochenarbeit". Die Idee, unter Zeitdruck erbrachte Leistungen anzuerkennen, hat sich beim "Medienpreis idée suisse" bereits durchgesetzt: Die Beiträge der Korrespondentin Dominique Jaccard von Radio Suisse Romande RSR und des Inland Redaktors Peter Maurer von Radio DRS wurden als vorbildliche Arbeiten in den Bereichen der Tages- und Wochenaktualität gewürdigt.

 

Neuentdeckung Internet

Neben den Leistungen in herkömmlichen Medien wird zunehmend auch das Medienschaffen im Internet anerkannt. Online publizierte Beiträge können für den "Von Roll Award", den "Prix Media SANW", "Die Goldene Brille" und den "Medienpreis Aargau / Solothurn" eingereicht werden. Die Bedag Informatik berücksichtigt Internetbeiträge, sofern sie den Vorgaben eines in den Printmedien erschienen Artikels entsprechen, und verleiht seit dem letzten Jahr den "Eugen" für den besten E-Government-Auftritt.

 

Journalistische Leistung messen?

Nach welchen Kriterien die Bewertung der journalistischen Beiträge erfolgt, ist den Preisausschreiben meist nicht zu entnehmen. Schlagworte wie "journalistische Qualität", "hervorragende publizistische Arbeiten", oder "allgemeinverständliche, professionelle, wissenschaftsjournalistische Berichterstattung" geben wenig Aufschluss darüber, was die Preisverleiher unter Qualität verstehen. Wer sich für einen Preis bewerben möchte ist daher gut beraten, die Begründungen der letzten Preisvergaben zu studieren. 

 

Monica Lienin ist Studentin der Geschichtswissenschaft und Praktikantin beim Katholischen Mediendienst.


Dateien:
k16_LieninMonica.pdf
 
 

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