Abbau bei Tamedia
(ja) Der Zürcher Tamedia-Verlag hat angekündigt, dass es im Zuge von Restrukturierungen bei den drei Zeitungen «Tages-Anzeiger», «Der Bund» und «Berner Zeitung» sowie bei deren Druckereien und Verteilern zu einem Personalabbau von insgesamt 79 Vollzeitstellen kommen wird. «Der Bund», das Berner Traditionsblatt, bleibt neben der «Berner Zeitung» erhalten, wird aber ab Herbst 2009 eng mit der Redaktion des «Tages-Anzeigers» zusammenarbeiten. «Das Berner Modell mit zwei publizistisch unabhängigen Tageszeitungen in einem Verlag wird damit fortgesetzt», vermeldet Tamedia in einer Medienmitteilung. Künftig wird «Der Bund» die gemeinsame Bundeshausredaktion verantworten und im Gegenzug ausgewählte Beiträge aus den überregionalen Ressorts vom «Tages-Anzeiger» übernehmen. Beide Zeitungen sollen zudem ab Herbst als Vier-Bund-Zeitung erscheinen. Begründet werden die Restrukturierungs- und Kostensenkungsmassnahmen mit dem starken Einbruch der Werbeausgaben in den ersten drei Monaten sowie mit der strukturellen Verlagerung der Werbeinvestitionen.
Die Mediengewerkschaft comedia verurteilt den massiven Stellenabbau von insgesamt 79 Vollzeitstellen. Laut comedia bedeutet dies eine Reduktion um einen Viertel der Belegschaft beim Tages-Anzeiger und um mehr als einen Drittel beim Bund. Durch die «faktische Zusammenlegung zweier Redaktionen an zwei Standorten» würden die beiden Zeitungen «zwar unter verschiedenen Titeln, aber mit nahezu gleichem Inhalt» erscheinen, kritisiert comedia. «Wenn die Vielfalt und die Qualität der Medien in Gefahr geraten, ist auch die demokratische Meinungsbildung in Gefahr», mahnt die Mediengewerkschaft in einem Pressecommuniqué.
Der Berufsverband impressum zeigt sich ebenfalls bestürzt über den angekündigten Abbau von 19 Vollzeitstellen allein beim Bund, begrüsst aber andererseits, dass «Der Bund» neben der «Berner Zeitung» erhalten bleibt. Damit würden «weiterhin zwei Zeitungen auf dem Platz Bern erscheinen, auch wenn die Selbständigkeit des ‘Bund’ mit der stark reduzierten Redaktion empfindlich einschränkt» sei. Ähnlich äussert sich der Berufsverband zum Mantelkonzept, wodurch «die publizistische Eigenständigkeit des Bund zugunsten ökonomischer Interessen empfindlich eingeschränkt» sei. Der Berufsverband kritisiert, dass die Erhaltung eines selbständigen «Bund» für Tamedia finanzierbar wäre, und fordert den Verlag auf, «dem neuen Bund eine echte Chance zu geben».
Der Berufsverband impressum und die Mediengewerkschaft comedia wollen jetzt zusammen mit der Personalkommission der Redaktionen Sozialplan-Verhandlungen mit dem Tamedia-Verlag aufnehmen.
Quellen:
Medienmitteilung der Tamedia vom 14. Mai 2009: http://www.tamedia.ch/de/mediencorner/medienmitteilungen/Documents/0514_Projekte_Tageszeitungen_D.pdf
Medienmitteilung von der Mediengewerkschaft comedia vom 14. Mai 2009: http://www.comedia.ch/de/aktuell/medienmitteilung/medienmitteilung/news/comedia-verurteilt-den-massiven-abbau-bei-tages-anzeiger-und-bund/55/next/7.html
Medienmitteilung vom Berufsverband impressum vom 14. Mai 2009:
http://www.impressum.ch/impressum/de/service/Presse/derbund.html
