2001 - Odyssee im Weltraum
Neufassung von Stanley Kubricks Meisterwerk
Mit "2001: Odyssee im Weltraum" kommt Mitte Juni die restaurierte und um fünfzehn Minuten ergänzte Fassung eines Films wieder in die Kinos, der bereits 1968 grosses Aufsehen erregt hat und seither als meistzitierter Film der Kinogeschichte und un-umstrittenes Meisterwerk im Bereich des Science-fiction-Films gilt.
Von Hans Hodel
Basierend auf Motiven von Homers "Irrfahrten des Odysseus" und Arthur C. Clarks Kurzgeschichte "The Sentinel" ("Der Wächter") hat der Film Quantensprünge in der Entwicklung der Menschheit zum Thema, was ihn zu einem höchst philosophischen Werk macht. Seine Vision von der Wiedergeburt eines neuen Menschen hat das Viertel-jahrhundert seit seiner Entstehung unbeschadet überdauert. Und obwohl man dem Film heute nüchterner begegnet, wirkt er moderner und herausfordernder als viele andere Produktionen seines Genres. Der Prolog über die Möglichkeit von ausserirdischer Intelligenz, der nach der NewYorker Premiere weggelassen wurde und jetzt wieder zu hören ist, verstärkt diesen Eindruck.
Der Film beginnt programmatisch mit den Anfangstakten von Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra". Aufnahmen einer urweltlichen Landschaft im Stil eines Diavortrages zeigen dazu eine urzeitliche Welt. Ein Rudel von Affen, das sich um ein Wasserloch streitet, kommt in Berührung mit einem schwarzen Monolithen, Sinnbild für den Geist, der die Zeiten überdauert. Er befähigt die ihn betastenden Vorläufer des Homo Sapiens zum bewussten Denken. Der Anführer einer Affenherde schleudert den zur Mordwaffe gewordenen Knochen in den grauen Himmel. In der Zeitlupen-Drehung (dem berühmtesten Schnitt der Filmgeschichte) wird dieser zu einem Raumschiff, das im 3/4Takt Von Johann Strauss' "An der schönen blauen Donau" elegant und so unmerklich langsam durchs All gleitet, dass es auf der Cineramaleinwand fast stillzustehen scheint. Im Jahr 2001 taucht dann der seltsame Steinquader wieder auf dem Mond auf. Er sendet ein Signal zum Jupiter aus, und das Expeditionsschiff "Discovery" samt dem sensiblen, aber rachsüchtigen Bordcomputer HAL 9000 macht sich auf, sein Geheimnis zu enträtseln. Am Ende blickt der letzte überlebende, um Jahrzehnte gealterte Astronaut nach einer Reise durch einen psychedelisch anmutenden Farbtunnel in einem mit Louis-XVI-Möbeln ausstaffierten Raum seiner eigenen Wiedergeburt in Gestalt eines kosmischen Embryo entgegen, nachdem er den erneut auftauchenden Monolithen berührt hat; ein Schluss, der rätselvoll wirkt und viel Raum für Interpretationen offen lässt.
Stanley Kubrick, der als Perfektionist bekannte amerikanische Regisseur, scheute während der dreieinhalb Jahre dauernden Dreharbeiten keinen Aufwand, um in seinem Film die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Spekulationen einfliessen zu lassen. Das ist ihm so überzeugend gelungen, dass die Nasa den Film später zu Ausbildungszwecken einsetzte und der Apollo-8-Besatzung vor dem Start ihrer Mondlandmission zeigte. Der 1999 verstorbene Kubrick erlebt die Wiederaufführung im Jahr 2001 nicht mehr, und er kann selber nicht mehr Stellung beziehen zur Frage nach dem Realitätsbezug des Films. Aber es ist anzunehmen, dass er mit der Zahl 2001 kein konkretes Jahr, sondern schlicht und abstrakt die Zukunft und Geburt eines neuen Milleniums im Auge gehabt hat. Die Art und Weise, wie sich der Film den Luxus leistet, Zeit vorzuführen und Erlebbar zu machen, schafft jedenfalls den nötigen Raum, über die Gegenwart hinaus zu denken und den Bogen zwischen Anfang und Ende, Ende und Anfang zu spannen.
2001: A Space Odyssee, von Stanley Kubrick, 139 Minuten
Warner Bros. (Transatlantic), Inc, Baslerstr. 52, 8048 Zürich
Kinostart in Zürich, Basel, Bern: 14.Juni
Hans Hodel ist Filmbeauftragter bei den Reformierten Medien .
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